+
Der junge Wegner: 86 von 126 Kämpfen gewann der Boxer.

Sportler stirbt mit 87 Jahren

Adieu, „Rocky von Niederrad“ - Frankfurter Box-Legende ist tot

Die Frankfurter Box-Legende Manfred Wegner ist tot. Der "Rocky von Niederrad" starb mit 87 Jahren. 

Frankfurt - In der Nacht zum vergangenen Samstag hat ein langer Kampf geendet, schreibt Manfred Wegners Tochter Angelika Heil auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Der lange Kampf, den der als „Rocky von Niederrad“ bekannte Sportler bis ins hohe Alter von 87 Jahren im Ring hielt, war der gegen die schleichend schlimmer werdende Demenz. Er konnte schon lange nicht mehr laufen, saß im Rollstuhl. Am Ende kamen noch kurze und schwere Erkrankungen hinzu.„Fredy“ starb im Alter von 87 Jahren in Maintal, wo er von seiner Familie lange Jahre gepflegt worden war.

Boxer Manfred Wegener: Trauer und Dankbarkeit

Die Reaktionen im Internet reichen von Schock über Trauer bis hin zu Dankbarkeit. „Mein Beileid, du wirst uns fehlen, aber in unserem Herzen bleibst du für immer“, schreibt ein Vereinsmitglied auf der Facebookseite der Union Niederrad 07, dem Fußballverein, in dem Wegner seit den 70er Jahren bis in die 90er Jahre hinein Jugendtrainer und Leiter der Jugendabteilung  war. „Herr Wegner war der tollste Trainer, den eine Mädchenmannschaft hätte haben können. Danke für alles und Ruhe in Frieden“, schreibt eine andere.

Manfred ?Fredy? Wegner und sein Nachfolger als Trainer, Azzedine El Karouia, beim Training in der Turnhalle der Klingerschule. Der frühere Profi-Boxer der Eintracht inspirierte seine Schützlinge genauso, wie er sie zu Höchstleistungen antrieb.

Der Erste Vorsitzende, Khalid Lamjahed, ist ebenfalls traurig. Er spricht für den gesamten Verein, wenn er sagt: „Wir vermissen ihn. Er wird immer in unseren Herzen bleiben.“ Bei der Union Niederrad an der Heinrich-Seliger-Straße hatte Wegner Anfang der 70er die erste Generation der Mädchenmannschaften ins Leben gerufen. „Das war nicht leicht, weil Mädchenfußball vom DFB nicht erwünscht war. ,Fredy’ kämpfte dafür, dass eine Mannschaft zustande kommt.“ Er tat das vor allem, weil die damals 14-jährige Tochter Angelika nicht locker ließ – sie wollte unbedingt Fußball spielen. „So habe ich für sie und ihre Altersgenossinnen eine Frauenabteilung gegründet,“ hatte Wegner einst erzählt.

Auch interessant: Ermittler durchsuchen Wohnungen von Polizisten und machen schockierende Entdeckung

„Als ich 1993 kam, war Wegner Jugendleiter“, erinnert sich Lamjahed. Wegner habe die jungen Spieler inspiriert, zu Höchstleistungen angetrieben. Er warb stets für den Sport. Genauso wie für seine zweite und größere Leidenschaft, das Boxen. Denn Wegner kämpfte als Profi. 1947 war er der Boxabteilung der Eintracht beigetreten. Von 126 Kämpfen gewann er 86.

An seine ersten Jahre erinnern sich zwei langjährige Weggefährten: Karl Wiegand, noch heute Trainer der Box-Jugendabteilung, und sein Kollege Guenter Bernard. Wiegand ist ebenfalls Jahrgang 1931, kannte „Fredy“ seit 1953. „Damals war er als Straßenschläger bekannt. ,Fredy’ kannte nur den Vorwärtsgang“, erinnert er sich. „Man konnte immer gut mit ihm über alles reden, und wir haben viel gelacht. Er war ein guter Mensch.“

„Rocky von Niederrad“ nahm seine Rolle als Vorbild sehr ernst

Bernard erinnert sich vor allem an die legendär gewordene Jahreshauptversammlung der Eintracht 1988 im Gesellschaftshaus Palmengarten. „Fredy war als Ordner im Dienst. Es war eine aufgeheizte Versammlung, ein Redner am Pult redete länger, als er durfte, und Fredy ging hin und sagte: ,Geh runner!‘. Da hat der den Fredy einfach umgehauen. Das Video ging um die ganze Welt.“

Der „Rocky von Niederrad“ war immer zu Scherzen aufgelegt. Aber seine Rolle als Trainer und Vorbild nahm er sehr ernst. Er wies die jungen Boxer stets darauf hin, dass Regeln wichtig sind. „Wenn jemand am Boden liegt, tritt man nicht nach, sondern gibt ihm die Hand“, lautete seine Devise. Und: „Wenn einer nach dem Training noch in die Disco geht, hat er was falsch gemacht. Wer müde in sein Bett steigt, hat sich ein Lob verdient.“ So fiel es Wegner auch ausgesprochen schwer, mit dem Trainer-Dasein aufzuhören. Die Bitte seiner Vereinskameraden im Jahr 2011, Platz zu machen für die jüngere Generation, kam nicht gut bei ihm an. Er ging im Groll. Wann und ob der verflogen ist, wissen seine Kameraden leider nicht.

Manfred Wegner wird am Dienstag, 29. Januar, um 14 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Maintal-Dörnigheim  beerdigt.

Lesen Sie auch: Boxlegende Karl Mildenberger ist tot

von STEFANIE WEHR

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare