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Im Inneren der Bockenheimer Frauenfriedenskirche klafft eine offene, mit Wurzeln durchzogenen Baugrube.

Arbeiten

Frankfurt: Sanierung der Frauenfriedenskirche verzögert sich - Platanen müssen erst gefällt werden

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Vier Platanen müssen gefällt werden, da sie die Sanierung der Frauenfriedenskirche und die Verkehrssicherheit gefährden. Die Sanierungsarbeiten verzögern sich dadurch um mindestens sieben Monate.

Frankfurt - Im Inneren der Frauenfriedenskirche klafft eine offene, mit Wurzeln durchzogene Baugrube. „Es ist unglaublich, was die Bäume alles können“, stellt Kerstin Stoffels fest, Pfarrsekretärin in der Großpfarrei Sankt Marien und Mitgründerin des Freundeskreises Frauenfrieden. Seit dem Sanierungsbeginn konnte bislang lediglich der Zement in die Fundamente eingespritzt werden. Dann kamen die Arbeiten zum Erliegen. Die Mehrkosten durch die Verzögerung schätzt Pfarrer Joachim Braun auf einen sechsstelligen Betrag.

Bernd Roser vom Grünflächenamt erläuterte im Ortsbeirat 1 (Bockenheim, Kuhwald, Westend), dass nach eingehender Prüfung und Abwägung durch einen Baumgutachter und einen Statiker die Fällung von vier Platanen entlang der Hedwig-Dransfeld-Straße unvermeidbar sei. Der Ortsbeirat verabschiedete darauf eine Vorlage an den Magistrat, die Fällung zu befürworten und so viele Bäume wie möglich auf dem nördlichen Gehweg der Hedwig-Dransfeld-Straße zwischen Franz-Rücker-Allee und Georg-Speyer-Straße nachzupflanzen. Die Pfarrei hat sich bereits angeboten, für einen Teil der Bäume Patenschaften zu übernehmen.

„Wir hatten zunächst die Möglichkeit einer Wurzelsperre erwogen“, erklärte Roser. Zwei Bäume schieden dafür aus, auch für die zwei verbliebenen wäre durch bauliche Maßnahmen zum Wurzelschutz bei einer Höhe von 25 und 35 Metern die Standfestigkeit der geneigten Bäume derart beeinträchtigt, dass eine Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet sei. Bei einem Abstand von 6,50 Metern zur Kirche müsste der Schutz in einer Tiefe von 4 bis 5 Metern eingebracht werden, dazu müssten die Wurzeln durchtrennt und ein erheblicher Rückschnitt vorgenommen werden.

Boden in Bewegung

„Der Boden unter Bockenheim ist in Bewegung. Selbst wenn die Bäume stabil bleiben und weiterwachsen, hätten wir in 20 Jahren bei einer Höhe von 35 Metern wieder ein Problem“, ergänzte Stoffels. „Die Fällung ist unschön, aber wohl notwendig“, bestätigte Thomas Gutmann (Grüne) die Einschätzung von Pfarrer Braun, nach der die Platanen zum Gesamtbild dazugehören. Roser empfahl zur Nachpflanzung andere Bäume in mittlerer Höhe. „Bei dieser Bodenbeschaffenheit stelle man sich vor, dass man unter der Franz-Rücker-Allee die U-Bahn nach Ginnheim bauen wollte“, merkte Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) an.

Die Pfarrgemeinde-Rats-Vorsitzende Andrea Krawinkel (l.) und Franziska Baumgartl (Liegenschafts-Beauftragte) stehen vor den Platanen.

Die Frauenfriedenskirche wurde 1916 vom Bund Katholischer Frauen als Gedächtnismal der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten initiiert und ab 1927 von Architekt Hans Herkommer errichtet. „Die Kirche ist das größte Friedensdenkmal der Stadt und erfüllt einen Auftrag, der über das Gemeindeleben hinausgeht“, unterstrich Stoffels.

Kosten steigen wohl

Bei der Sanierung soll neben der Verstärkung der Fundamente sowie der Erneuerung des Bodens und der Elektrik auch noch die originale Farbfassung wiederhergestellt und ein neuer Altar eingebaut werden. Die baustatischen und elektrotechnischen Arbeiten waren mit 1,3 Millionen Euro angesetzt worden, die restauratorischen Maßnahmen und die Neumöblierung mit 800 000 Euro. Einen größeren Teil davon übernimmt das Bistum Limburg, das Land Hessen gibt 150 000 Euro. Rund 300 000 Euro müsste die Gemeinde selbst übernehmen.

Doch durch die Verzögerung ist damit zu rechnen, dass viele Gewerke wesentlich teurer werden. Zwar steht der Pfarrei der Gemeindesaal von Frauenfrieden zur Verfügung, der Platz für rund 120 Besucher bietet. „Aber im Jahr, in dem wir unser 90-jähriges Bestehen feiern könnten, wird uns die Kirche auch an Weihnachten nicht zur Verfügung stehen“, stellt Stoffels fest. Und der Gemeindesaal biete auf Dauer für Gottesdienste nicht gerade eine spirituelle Atmosphäre.

Wer sich selber ein Bild von den Fortschritten machen möchte, kann dies bei der öffentlichen Baustellenbesichtigung am Sonntag, 3. Februar, 12.30 Uhr, Zeppelinallee 101.

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