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Bonnie Fischer und Heiko Nickel demonstrieren, wie viel Abstand Autofahrer eigentlich auf der Wilhelmshöher Straße halten müssen.

Schwimmnudellauf

So setzen sich Seckbacher für die Sicherheit von Fußgängern ein

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Anderthalb Meter ist eine Schwimmnudel lang – und damit genauso wie der Abstand, den Autofahrer zu Radlern oder Fußgängern halten sollten. Beim ersten „Nudellauf“ wollen die Seckbacher mit den Schwimmhilfen zeigen, wie eng es an ihrer Hauptstraße zugeht.

So ganz neu ist die Idee nicht, gibt Heiko Nickel zu. „In ganz Deutschland machen Radfahrer mit Schwimmnudeln die Autofahrer darauf aufmerksam, wie viel Abstand sie beim Überholen halten sollten.“ Ein Trend, der anfangs nur als Selbstschutz gedacht war und sich seit dem Sommer 2018 vom kanadischen Toronto aus weltweit verbreitete – der aber längst zur Demonstration für mehr Sicherheit geworden ist. Radio-Bremen-Reporterin Anke Plautz radelte schon für das Regionalmagazin „Buten un binnen“ mit einer grünen Schwimmnudel auf dem Gepäckträger durch die Hansestadt, der ADFC Hannover fuhr als Gruppe aus elf mit Poolnudeln bewehrten Radlern durch die Stadt.

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Nun hat die Aktionsgruppe (AG) Wilhelmshöher Straße die Schwimmnudel für sich entdeckt – und ruft für Donnerstag, 8. März, zu „Deutschlands 1. Nudellauf“ auf: Möglichst viele Seckbacher sollen dann die Wilhelmshöher Straße entlanglaufen – Kinder und Erwachsene. Mit den Schwimmnudeln wollen sie zeigen, wie viel Sicherheitsabstand die Autofahrer halten müssten – und dass dies angesichts schmaler Bürgersteige und Fahrbahnen oft gar nicht geht. Denn die biegsamen Schwimmhilfen sind rund 1,5 Meter lang. Hält man sie quer vor sich, stehen sie also etwa einen Meter ab: Das Minimum dessen also, was Autofahrer an Abstand zu Fußgängern einhalten sollten.

Gefährdung ausschließen

„Als Aktion für Fußgänger hat es das so unseres Wissens noch nicht gegeben“, sagt Bonnie Fischer, die wie Nickel zum Sprechergremium der AG Wilhelmshöher gehört. Zwar spreche die Straßenverkehrsordnung in Paragraph Fünf („Überholen“) nur davon, „dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen“ und „ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden“ muss. „Es gibt inzwischen zahlreiche Gerichtsurteile, nach denen 1,5 Meter als Mindestabstand beim Überholen von Radfahrern einzuhalten sind.“ Auch einige Urteile zum Vorbeifahren an Fußgängern gibt es, in denen ein Mindestabstand von einem bis anderthalb Metern gefordert wird. „Bei Kindern kann man also guten Gewissens von 1,5 Metern Mindestabstand ausgehen.“

Mit ihrem Spaziergang wollen die Seckbacher darauf aufmerksam machen, dass diese Sicherheitsabstände entlang der stark befahrenen Wilhelmshöher Straße an sehr vielen Stellen gar nicht eingehalten werden können – und wie gefährlich die Straße dadurch für Fußgänger ist, sagt Fischer. Nicht nur die Autofahrer, sondern auch Stadtpolitik und Magistrat sollten so dafür sensibilisiert werden, dass die Situation an Seckbachs Hauptstraße nicht so bleiben kann, wie sie ist.

Kein Platz zum Ausweichen

Vor allem Schulkinder seien gefährdet – denn für viele führt der Weg zum Unterricht die Hauptstraße entlang, die direkt vor der Schule vorbeiläuft. Vor dem Eingang zur Zentgrafenschule liegt auch noch eine der schmalsten Stellen der Durchgangsstraße: Hier ist sie zum Teil nicht einmal einen Meter breit. „Lastwagen und Busse können an vielen Stellen gar nicht anders als über den Bürgersteig zu fahren, weil es so eng ist“, sagt Nickel.

Immer wieder erzählen Seckbacher davon, wie sie Kinder im letzten Moment zur Seite zogen, weil Lastwagen oder andere Autos knapp an ihnen vorbei fuhren. „Wenn sie sich mit ihren breiten Schulranzen umdrehen, kann es schnell passieren, dass sie damit an ein vorbeifahrendes Auto geraten“, erzählt Nickel.

Ganz bewusst sei der „Nudellauf“ keine Demonstration, sondern ein „Spaziergang“, erklärt Fischer weiter. „Wir wollen ja zeigen, wie es an einem ganz normalen Tag an der Wilhelmshöher Straße zugeht. Ohne dass die Polizei jemanden absichert.“ Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Ecke Arolser- und Eschwegerstraße. Rund 20 Minuten lang soll der „Nudellauf“ von dort aus in den alten Ortskern hinabführen. Wer keine eigene Schwimmnudel hat, bekommt eine von den Veranstaltern geliehen.

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