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Bauprojekt im Nordend

Sofortiger Stopp der Bohrarbeiten beim Bauprojekt „Günthersburghöfe“ gefordert

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Das geplante Bauprojekt „Günthersburghöfe“ im Nordend sorgt erneut für Meinungsverschiedenheiten. Jetzt scheiden sich die Geister an vorbereitenden Bohrungen für den Bau von 1500 Wohnungen.

Frankfurt - Ursprünglich sollten die Bohrungen auf dem Gelände der künftigen „Günthersburghöfe“ Ende Januar abgeschlossen sein. Mit Hilfe der ausgehobenen Löcher wird untersucht, wie das Erdreich beschaffen ist und wie viel Regenwasser im Boden versickern kann. Laut Planungsamtssprecher Mark Gellert ist der Zeitplan nach zuletzt mehrfachen Behinderungen der Arbeiten nicht mehr zu halten. Das sei zwar kein Beinbruch, weil sich die Arbeiten höchstens um wenige Wochen verzögerten – ärgerlich sei es trotzdem.

Vor allem aber stört Gellert, dass die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ (BI) die vorbereitenden Bohrungen als illegal bezeichnet, weil der Bebauungsplan nicht rechtskräftig sei, und behauptet, die Maßnahmen seien nicht angemeldet worden.

Beides, so Gellert, entspreche nicht den Fakten. Das Planungsamt habe die am 7. Januar gestarteten Arbeiten bereist im Oktober angekündigt. Projektentwickler Instone habe es jedoch versäumt, die Gartenpächter zeitnah zu benachrichtigen. Die Probebohrungen seien aber während des Aufstellungsbeschlusses für den Bebauungsplan sogar verpflichtend.

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Rund 1500 Wohnungen entstehen auf dem 16 Hektar großen Gelände zwischen Günthersburgpark und Friedberger Landstraße. Weichen müssen dafür zahlreiche Gärten.

Über die genaue Anzahl gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die BI spricht von 250 Kleingärten und 3000 Bäumen. Gellert nennt 15 Klein- und 110 Freizeitgärten. Und auch die Zahl der Bäume sei deutlich geringer.

Unmittelbar nach Beginn der Probebohrungen hat Peter Beckmann, zweiter Vorsitzender der BI, Alarm geschlagen. Auf Facebook postete er, dass auf dem weitläufigen Areal Schneisen der Zerstörung geschlagen und Zäune niedergerissen würden. Tatsächlich hinterlassen die Fahrzeuge, mit denen unter anderem die Firma Terrasond anrückt, Furchen im Boden. „Manchmal müssen auch Äste gekappt werden. Aber alle Schäden werden wieder behoben“, erklärt Gellert.

Anzeige erstattet

Der Planungsamtssprecher kann aber nicht nachvollziehen, dass aufgebrachte Bürger versuchten, die Arbeiten zu behindern. Davon hatte er vergangenen Montag in der Sitzung des Planungsausschusses berichtet. Ein Sprecher von Terrasond – eine der Firmen, die die Bohrungen ausführt – bestätigt die Angaben. „Unsere Mitarbeiter wurden schon mehrfach angesprochen, gestört und behindert. Auch Fotos wurden gemacht und auf Facebook gepostet“, sagt er. Mittlerweile habe die Firma auch Anzeige erstattet, weil Unbekannte Tankdeckel von Fahrzeugen und Bohrgeräten entwendet hätten, die auf dem Gelände standen. „Wir konnten zum Glück verhindern, dass Benzin und Hydrauliköl ausgelaufen ist“, so der Firmensprecher.

Nach Angaben von Martin Hunscher, Leiter des städtischen Planungsamtes, seien auch Pfähle entfernt worden, die die eingemessenen Bohrpunkte gekennzeichnet hätten. Diese müssten nun sehr zeitaufwendig erneut eingemessen werden.

Von einem unerfreulichen Zwischenfall berichtet Michael Paris, Vorsitzender des Vereins Abenteuerspielplatz Riederwald. Dieser betreibt den Abenteuerspielplatz Günthersburg am Ende der Wetteraustraße. Direkt neben dem Eingang hätten Arbeiter vergangene Woche ein Loch gegraben, das nur notdürftig mit Flatterband gesichert worden sei. Als ein besorgter Mitarbeiter dies angemahnt habe, seien ihm Prügel angedroht worden – letztlich sei das Loch aber zugeschüttet worden. Paris wirft der Verwaltung vor, nicht über die Maßnahme informiert zu haben. Gellert hingegen hält das für überflüssig, weil Besucher des Abenteuerspielgeländes nicht behindert worden seien.

Tote Fledermäuse auf der Baustelle „Günthersburghöfe“ gefunden

Die BI jedenfalls fordert den sofortigen Stopp der Bohrarbeiten auf dem Areal. „Die kilometerweit zu hörenden Bohr- und Schlaggeräusche schrecken die Tiere der Grünen Lunge am Günthersburgpark auf, auch die, die sich im Winterschlaf befinden. Mehrere tote Zwergfledermäuse wurden gefunden“, heißt es auf ihrer Facebook-Seite.

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