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Tatort-Kommissar Ulrich Tukur steckt in einer Zeitschleife – er wacht jeden Morgen am selben Tag auf. Und das in Niederrad!

Drehorte in Frankfurt

Wo Ulrich Tukur im Tatort böse erwacht

Viele Niederräder erkannten im „Tatort“ vom Sonntag ihr Zickzackhausen, die Bockenheimer ihre Emser Brücke. Das Bett, in dem der LKA-Ermittler Felix Murot alias Ulrich Tukur jeden Morgen aufwacht, stand aber woanders.

Das Handy auf dem Nachttisch klingelt – jeden Morgen um 7.30 Uhr, am selben Tag. Der Tag des Murmeltiers – angelehnt an den Kult-Klassiker aus dem Jahr 1993 mit Bill Murray, der als TV-Wetteransager vom „Groundhog Day“ berichten muss und immer wieder am selben Morgen aufwacht – beginnt für Ermittler Murot in der Niederräder Frauenhofstraße. Am Telefon ist seine Assistentin, die ihn zu einer Geiselnahme in einer Bank ruft. Also schält er sich aus dem Bett des Retrostil-Schlafzimmers. In der Frauenhofstraße hatte der Location-Scout erfolgreich eine Mieterpartei dazu gebracht, ihre Wohnung für sechs Tage zu räumen, damit Tukur darin „wohnen“ kann. Bad, Hausflur und Treppenhaus sind zu sehen. Tritt Tukur aber auf die Straße, kommt er ein paar Ecken weiter aus einem Haus in der Breubergstraße – mitten in „Zickzackhausen“. Die Ernst-May-Siedlung macht eben was her auf dem Bildschirm. Unser TV-Kritiker zeigt sich überrascht von dem Resultat der Zeitschleife in der Murot hängt.

Bank-Überfall im Tatort wurde in extra eingerichterer Bank in Gravenbruch gedreht

Die Dreharbeiten zu Tukurs siebtem Fall „Murot und das Murmeltier“ (Regie und Buch: Dietrich Brüggemann) waren schon im Frühsommer 2017, klärt Christian Bender, Sprecher des Hessischen Rundfunks, auf. „Wir haben 25 Tage lang gedreht, von Mai bis Anfang Juni.“ Die gesamte Vor- und Nacharbeit an einem „Tatort“ ziehe sich aber über ein bis eineinhalb Jahre. „Der Location-Scout sucht die Orte danach aus, wie sie im Drehbuch beschrieben sind.“ Also etwa eine Wohnung in einer 20er-Jahre-Siedlung.

Wichtig sei, dass die Orte authentisch wirken und nicht zu sehr konstruiert oder umgebaut. Die „Taunus-Bank“, in der die Geiselnahme ihren Lauf nimmt, gibt es indes nicht, sie wurde für den Dreh in einem leerstehendes Einkaufszentrum in Gravenbruch gebaut. „Das war ein Glücksfall, dass wir diesen Drehort gefunden haben. Eine Überfall möchten wir nicht in einer echten Bank drehen. Sonst haben danach die Kunden vielleicht schlechte Erinnerungen und meiden den Besuch“, erklärt HR-Sprecher Bender.

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Was die Niederräder selbst jeden Tag erleben – etwa in der Frauenhofstraße aufwachen –, treibt den Ermittler Murot in den Wahnsinn. Denn in der nicht enden wollenden Zeitschleife beginnt der Tag in Zickzackhausen immer von neuem, nachdem der vorige mit Murots gewaltsamem Tod geendet hat. Zwei Mal wird der Kommissar in der Bank von den Geiselnehmern erschossen. Das Muster hat er schnell durchschaut und leistet sich auch mal einen vorzeitigen Tod aus praktischen Erwägungen – er springt aus dem Fenster, weil er sich ausgesperrt hat. Einen Murmeltiertag lang setzt sich der Kommissar komplett in den Odenwald ab, fährt Tretboot auf dem Marbachstausee. Das Café, wo er aus Jux der Kellnerin eine Torte ins Gesicht drückt – eine Anspielung auf die simple Komik der Stummfilm-Ära – ist das Waldhaus Hotz an der Straße zwischen Langen und Dreieichenhain. Murot erlaubt sich einen Tabubruch nach dem anderen, inklusive Kindesentführung; den Jungen, der ihm täglich in der Breubergstraße vor die Füße läuft, nimmt er einfach mit – zum Entsetzen der Mutter. „Morgen haben Sie ihn doch sowieso wieder!“, ruft der Kommissar.

Zeitschleifen-Wahnsinn im Tatort führt zu einem glücklichen Ausgang

Kaum zu glauben, dass dieser „Tatort“ doch noch gut ausgeht. Trotz Einsatz einer Kettensäge an der Wohnungstür der Komplizin am Frankfurter Berg. Der Film ist eine einzige Parodie auf die immergleichen Fernsehkrimis, die das Publikum langweilen. Er erhielt übrigens den Filmkunstpreis beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen. Laut Jury lobe der Tatort „in überzeugender und raffinierter Weise die Zeitschleife, in der das Überangebot der Krimi-Produktion des Fernsehens steckt. Fantasiereich und klug inszeniert, dramaturgisch raffiniert, voller Witz und Abwechslung führt Dietrich Brüggemann seinen großartigen Hauptdarsteller Ulrich Tukur durch die Turbulenzen des Wahnsinns zu einem glücklichen Ausgang.“

Von Stefanie Wehr

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