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Ein schiefer Grabstein auf einer ungepflegten Grabstätte – ein Problem, das auf dem Praunheimer Friedhof zunimmt.

Besucher verärgert

Ungepflegter Zustand: Dieser Friedhof in Frankfurt-Praunheim ist kein schöner Ort zum Trauern

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Schiefe Grabsteine und Löcher in der Asphaltdecke der Gehwege – immer wieder gibt es Beschwerden über den ungepflegten Zustand des Praunheimer Friedhofs. Der ist auch der Stadt bekannt, die jetzt zumindest die Wege sanieren will.

Frankfurt-Praunheim - Friedhöfe sind Orte der Stille, es sind Stätten, an denen man der Verstorbenen gedenkt und sich mit ihnen besonders verbunden fühlt. Doch auf dem Friedhof in Praunheim ist man als Besucher zunächst darauf bedacht, sicher über die Friedhofswege zu kommen. Vor allem jetzt, im kalten und nassen Winter werden die asphaltierten Pfade zu einer Herausforderung. Vor allem für ältere Menschen – und davon sind nicht wenige auf dem Friedhof unterwegs.

„Das ist wirklich eine Katastrophe“, schimpft eine Besucherin, die in Schlangenlinien über den Weg schreitet. Um in keines der vielen kleinen Löcher zu treten, die sich dort in den Asphalt gefressen haben. Aber es sind nicht nur die Wege, über die sich die Besucher ärgern. Hinzu kommen Gräber, die an manchen Ecken eingefallen und damit unterhalb der Grasnabe liegen, schiefe Grabsteine und ungepflegte Grabstätten. „Ein bisschen mehr Liebe wäre hier angebracht“, sagt ein älterer Herr, der mit einer Gießkanne in der Hand auf dem Weg zum Grab seiner verstorbenen Frau ist.

2600 Grabstellen

3,6 Hektar groß ist der 1840 eingeweihte Friedhof an der Haingrabenstraße, der den ehemaligen Friedhof an der Kirche in der Graebestraße ersetzte. 2600 Grabstellen für die letzte Ruhe gibt es dort. Wer als Besucher gute Augen hat, dem stechen zudem sofort die roten Aufkleber ins Auge, die an manchen der etwas schief und krumm stehenden Grabsteine auf dem Praunheimer Friedhof kleben. „Achtung Unfallgefahr!“ steht darauf. Darunter ist die Nummer des Grünflächenamtes notiert. Durch die Schilder in den knalligen Farben sollen die Nutzungsberechtigten darauf hingewiesen werden, dass sie aktiv werden müssen, heißt es bei der Stadt. Denn es sind die Angehörigen, die für die Standsicherheit der Grabsteine verantwortlich sind. Bleibt diese Aufforderung und der Hinweis drei Monate unbeachtet, kann die Friedhofsverwaltung die Grabstätte abräumen, die Grabmale beseitigen sowie das Verfügungs- oder Nutzungsrecht entziehen. So steht es in der Friedhofssatzung der Stadt Frankfurt.

Die asphaltierten Wege sind löchrig und nach Regen nicht ungefährlich. Deswegen sollen sie schon bald saniert werden.

Diese auffälligen Aufkleber findet man übrigens auf allen anderen 37 städtischen Friedhöfen. Auf manchen gibt es mehr Aufkleber, auf manchen weniger. Wird die Standsicherheit der mehr als 10 000 Grabsteine im Stadtgebiet doch regelmäßig vom Grünflächenamt überprüft.

Auch Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes, weiß, dass der Zustand des Praunheimer Friedhofes besser sein könnte. Vor allem der der Wege. „Es ist richtig, dass sich Teile des Wegesystems in keinem guten Zustand befinden“, bestätigt er. Aktuell befinde man sich in Absprache mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung, um einige Teilabschnitte zu erneuern. „Noch in diesem Jahr“, verspricht der Amtsleiter. Bereits Ende vergangenen Jahres sei in dieser Zusammenarbeit der Friedhofsparkplatz erneuert worden.

Tatsächlich nähmen die ungepflegten sowie verwahrlosten Grabstätten auf den Friedhöfen zu – auch in Praunheim. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Es gibt regelmäßige Standsicherheitskontrollen, bei denen die betroffenen Grabstätten ermittelt und die Nutzungsberechtigten angeschrieben werden“, erklärt Heldmann. Sollte dies, wie auch die angebrachten Hinweise, also die Aufkleber auf den Grabsteinen, keinen Erfolg zeigen, könnte das Nutzungsrecht entzogen werden.

Neue Regelung

Auf 20 Jahre belaufe sich ein Grabnutzungsrecht im Durchschnitt. Weil viele Nutzer jedoch früher merkten, dass die Pflege nicht realisiert werden kann, habe man mit Inkrafttreten der neuen Friedhofsordnung die Möglichkeit geschaffen, eine Grabstätte vor Ablauf der Ruhefrist zurückzugeben. „Durch diese Änderung erwarten wir langfristig eine deutliche Verbesserung des Pflegezustandes“, so Heldmann.

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