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"Wunderkiste" nennen die Betreiber die Südseite des Baus in der Lindleystraße am Osthafen. Denn alle Gemeinschaftsräume sind hinter der mit Gusseisen umrahmten Fassade von außen einsehbar: Bäckerei mit Café, Konferenzsaal/Kino, Küchen, Baumraum, Kräutergarten, Bar und Dachgarten.

Kein klassisches Hotel

Wohnen im Lindley Lindenberg-Hotel gleicht Carsharing

Schlafen für eine Nacht, mehrere Monate oder gar Jahre: Das neue Lindley am Osthafen, bereits das dritte Lindenberg, ist Hotel und Gästegemeinschaft zugleich. Das Konzept nennt sich "Collaborative Living" und ähnelt dem Prinzip des Carsharing: Der Zugang ist wichtiger als der Besitz.

Frankfurt - "Wir sind weder ein klassisches Hotel noch eine Wohngemeinschaft - und doch beides zugleich", sagt Nils Jansen und deutet auf die "Bäckerei" nebst großem Gemeinschaftstisch, ebenso aus Holz wie die Empfangstheke. Das Lindley Lindenberg (Lindleystraße 17) im Osthafen ist das bereits dritte Haus der Lindenberg-Gruppe in Frankfurt; die anderen, kleineren stehen in Alt-Sachsenhausen und in der Rückertstraße (Ostend). Geschäftsführer sind Denise Omurca, Christian Velthuizen und Nils Jansen. Letzterer sagt: "Hier kann ein Gast in Bademantel und Schlappen wann immer er will in eine Gemeinschaftsküche gehen, sich aus den Lebensmitteln dort etwas zubereiten. Oder seine Wäsche selber waschen. 

Geschäftsführer Nils Jansen und PR-Frau Ubin Eho lieben das Haus.

Auch wenn es natürlich einen Kleidungsreinigungsservice wie in jedem Hotel gibt. Aber selber machen ist privater."

Hundert Zimmer

Die hundert Gästezimmer des kürzlich eröffneten Hauses sind wie sämtliche Bereiche des Hauses stylisch, aber relativ klein. "Denn das Leben findet da draußen statt", erklärt PR-Frau Ubin Eho das Konzept. Je nach Wunsch und Vorhaben wählt der Gast einen Nutzungsbereich in einer der sieben Etagen aus. Das Restaurant "Leuchtendroter" im Erdgeschoss ist ein Ableger des bekannten vegetarischen Frankfurter Restaurants "Seven Swans". Sternekoch Ricky Saward kreiert "derb-deftiges vegetarisches Opium fürs Volk", fabuliert Eho. "Nur aus regionalen Produkten." Und genießt den Ausblick von der Dachterrasse mit Bar, die jeder auch für private Feiern mieten kann.

Zwei voll ausgestatteten Gemeinschaftsküchen bilden die Basis des Miteinanders; Weckgläser mit Gemüse, Obst und Produkten der hauseigenen Permakultur im Taunus, den Braumannswiesen, stehen in Kühlschränken und Regalen. Darüber baumeln kupferne Kochtöpfe von der Decke - zur Benutzung. Es gibt eine "Gute Stube" mit einem kultigen, alten Braun-Plattenspieler, die LPs stehen daneben. Dazu eine kleine Bibliothek. "Panoptikum" heißt der Tagungs-, Event-, Arbeits-, Kino- und Konzertraum, den eine große Plexiglas-Installation der Frankfurter Künstlerin Kathi Käppel ziert. Hier werden auch Bands spielen. Im "Cowork-Space" gibt's funktionale, mietbare Arbeitsplätze, im "Baumraum" haben Gärtner viele Hängepflanzen installiert, weil es einem Baum zu heiß geworden wäre. "Eat me" (Iss mich) fordern kleine Schilder in Hochbeeten des Kräuterraums auf - Gäste können damit ihre Speisen verfeinern oder direkt naschen.

AfD nicht willkommen

Die "Franken Architekten" (Frankfurt) entwarfen den 3700 Quadratmeter großen Bau, dessen Südfassade über 2000 Gusseisen-Elementen einrahmen. Kunst, Kupfer, Holz und Gussasphaltböden dominieren die Innenbereiche, das Interieurdesign (Büro Aberja) ist von Art Nouveau und Art Deco inspiriert. Ein Kupferschild weist im Foyer freundlich darauf hin, dass unter anderem AfD, Hater, Sexisten und Pelzträger nicht willkommen sind.

von Ute Vetter

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