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Protest mit der Welle: Die Menschenkette hat viele Frauen, Männer und sogar Kinder bewegt - zur Freude der Organisatoren.

Nach Menschenkette

Bürgerinitiative: Der Protest gegen den neuen Frankfurter Stadtteil soll weitergehen

Mehr als 3000 Menschen haben am Sonntag gegen den von Frankfurt geplanten Stadtteil demonstriert. Das freut sowohl die Bürgerinitiative als auch die beteiligte Politik.

Oberursel/Steinbach - Karl-Josef Rühl ist zufrieden. Der Sprecher der Bürgerinitiative "Feld statt Beton - Unser Heimatboden vor Frankfurt" konnte gestern durchatmen, hatte seine Gruppe doch tags zuvor 3000 bis 3500 Frauen, Männer und auch einige Kinder dazu gebracht, sich an einer Menschenkette im Feld zwischen Weißkirchen, Steinbach und Niederursel zu beteiligen. "Ich glaube, dass das ein voller Erfolg war", sagt Rühl. Das Ziel, die T-förmige Menschenkette auf 3,2 Kilometern bilden zu können, sei erreicht worden.

Mit ihrer Formation hatten die Teilnehmer gegen den von Frankfurt geplanten Stadtteil an der A 5 protestiert. Er könnte rund 30 000 Menschen ein Zuhause bieten, würde aber nach Idee des Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) nah an Weißkirchen und Steinbach heranrücken.

"Nein", sagen dazu Bürger und Politik im Taunus und im Frankfurter Nordwesten, wenn auch mit unterschiedlicher Schärfe und Argumentation. Der Heimatboden-Initiative und anderen Bürgergruppen geht es darum, Ackerflächen und Frischluftschneisen zu erhalten und, sie lehnen Frankfurts Vorhaben komplett ab.

Gäste aus der Wetterau

So zeigt sich Rühl erfreut darüber, dass am Sonntag auch eine Reihe von Naturschützern aus der Wetterau zur Menschenkette samt anschließender Kundgebung gekommen waren und das Wort ergriffen hatten. Letzteres hatte sich laut Rühl spontan ergeben. Die Kritik der Redner richtete sich, kurz gefasst, gegen Flächenversiegelung, egal, ob für Wohn- oder Gewerbegebiete, und gegen "unendliches Wachstum".

Was bei den bewegten Bürgern gut ankommt, wird in der Politik nicht uneingeschränkt geteilt. Hinter vorgehaltener Hand wurde am Sonntag durchaus auch Kritik an der stark klimapolitisch motivierten Argumentation geäußert.

Jens Uhlig, CDU-Fraktionschef im Oberurseler Stadtparlament, bekräftigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass außer dem Erhalt von Grünflächen die polyzentrische Struktur der Region Hauptargument der Union bleibe. Ebenso erwähnt er die ohnehin schon hohe Verkehrsbelastung im Oberurseler Süden.

Josefstadt: Bürger frühzeitig in die Planung des neuen Stadtteils von Frankfurt einbeziehen

Uhlig hatte für die Menschenkette eine breite Unterstützung durch mehr als 20 Parteigruppen und Naturschützverbände organisiert. Er lobt, dass sich die Parteien zusammengetan haben, außer der SPD waren von der Linken bis zur CDU alle vertreten. "Wir haben deutlich gemacht, dass es nicht darum geht, politisch Kapital zu schlagen, sondern um echte Sorgen."

Für Steinbachs Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) hat sich am Sonntag bestätigt, dass Bürger bei Bauvorhaben frühzeitig eingebunden werden müssen. Ebenso weiß der Verwaltungschef, dass Klimaschutz bei den Menschen weit oben auf der Tagesordnung steht.

Bonk macht im Gespräch mit dieser Zeitung aber auch deutlich, dass er beim Kampf gegen die sogenannte Josefstadt argumentativ seinem Amtsvorgänger im Rathaus, Dr. Stefan Naas (FDP), folgt. Heißt: Er warnt vor einem Zusammenwachsen der Städte sowie vor sozialen und Verkehrsproblemen.

Die Christdemokraten Uhlig und Bonk stehen für die bislang von der Taunus-Politik vertretene Position, nur eine Bebauung westlich der A 5 abzulehnen. Entsprechend überrascht zeigen sie sich, dass Jürgen Banzer, Landtagabgeordneter und Vorsitzender der Hochtaunus-CDU, am Sonntag auch eine Bebauung östlich der A 5 infrage stellte. "Das muss man jetzt mal besprechen", sagt Bonk.

Von Frankfurt geplanter Stadtteil: Bürgerinitative will den Kampf gegen die Josefstadt fortsetzen

Banzer hatte mit seiner Aussage die Position der Bürgerinitiative geteilt, die gegen den gesamten Stadtteil kämpft. Letzteres war wiederum für die SPD der Grund gewesen, nicht an der Menschenkette teilzunehmen.

So war in der Folge auch Oberursels sozialdemokratischer Bürgermeister Hans-Georg Brum nicht dabei gewesen, wissend, dass es "einen Zielkonflikt in der Region" gibt. Durch die jüngsten Aktionen habe sich aber nichts geändert. In den regionalen Gremien muss er den Beschluss des Stadtparlaments umsetzen und sich gegen eine Bebauung westlich der Autobahn positionieren - auch wenn er selbst Frankfurt eine stärkere Bauaktivität zugestehen würde.

Die Bürgerinitiative indes will ihren Kampf fortsetzen, denkt fürs kommende Jahr an eine Aktion wie ein Musikfestival. Darüber hinaus freut sie sich über Mitstreiter, die in rechtlichen Fragen und in der Stadtplanung versiert sind. Kontakt ist möglich über die Homepage www.heimatboden-frankfurt.de.

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