Aus Versandzentrum wird Digitalpark: Den Eiermann-Bau (rechts) lässt Rechenzentrumsbetreiber Interxion denkmalgerecht sanieren. Südlich davon (links) entstehen vier weitere Rechenzentren.
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Aus Versandzentrum wird Digitalpark: Den Eiermann-Bau (rechts) lässt Rechenzentrumsbetreiber Interxion denkmalgerecht sanieren. Südlich davon (links) entstehen vier weitere Rechenzentren.

Digitale Zukunft

Digitalpark in Frankfurt: Das sind die Pläne für die alte Neckermann-Zentrale

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Interxion baut die alte Neckermann-Zentrale in Frankfurt zu einem Mega-Rechenzentrum um. Das wird richtig teuer.

Frankfurt - Der Umbau der alten Neckermann-Zentrale in Frankfurt an der Hanauer Landstraße zum Rechenzentrumskomplex hat begonnen. Der Betreiber Interxion investiert rund eine Milliarde Euro in den Digitalpark Fechenheim. Elf Rechenzentren entstehen. Der riesige Ex-Neckermann-Bau soll wieder aussehen wie anno 1960.

Denkmalschützer in Frankfurt: "Eine Ikone der Architekturgeschichte"

Hellblaue, rote, gelbe Sonnensegel über den beiden oberen Büroetagen, alles in vor 60 Jahren angesagten Pastelltönen: So wird die Ex-Neckermann-Versandzentrale "fröhlich bunt" im Industriegebiet an der Hanauer Landstraße in Frankfurt leuchten, wenn sie im September 2023 fertig saniert ist. Das freut Markus Harzenetter, den Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege. Das 300 Meter lange Gebäude, 1958 bis 1960 gebaut, sei "eine Ikone der Architekturgeschichte", ein "sensationelles Baudenkmal.

Vom Architekten Egon Eiermann gebaut - ebenso wie die Olivetti-Türme in Niederrad -, spiele es "in der gleichen Liga" wie Martin Elsaessers Großmarkthalle von 1928, die heute zum Komplex der Europäischen Zentralbank gehört, sagt Harzenetter. Beim Eiermann-Bau bringt nun der höchst solvente Rechenzentrumsbetreiber genug Geld mit, um die Denkmalsanierung zu stemmen. "Insgesamt im Milliardenbereich" wird Interxion bis Ende des Jahrzehnts in den Digitalpark investieren, kündigt der seit Juni amtierende Deutschlandchef Volker Ludwig an.

Rechenzentrum in Frankfurt: Bau soll wieder (fast) so aussehen wie 1960

Von den rund 100.000 Quadratmetern IT-Fläche des Digitalparks soll knapp die Hälfte im sanierten Eiermann-Bau entstehen. Während südlich davon gerade das alte Hochregallager abgerissen wird, läuft im Innern die Entkernung. Die alten Neckermann-Schilder sind von den Dächern gehoben. Das 1967 aufgesetzte siebte Geschoss, das wenig Rücksicht auf den übrigen Bau nahm, lässt Architekt Dirk Kahl vom Frankfurter Büro Drees & Sommer abbauen.

Damit wird die alte Kubatur wieder hergestellt, ebenso wie die seitlichen Auskragungen der Geschossgesimse. Ein neuer Technikaufbau wird so zurückversetzt und verkleidet, dass er den Eindruck des "neuen" Original-Baus nicht stört. Erhalten bleibt der später zur Hugo-Junkers-Straße hin ergänzte Anbau. Der mache den Eiermann-Bau zwar asymmetrisch, stelle aber den wichtigen Bezug zur Straße her, so Wahl.

Frankfurt: Eigene Hochspannungsleitung muss gebaut werden

Für Interxion sind die unteren vier Versand-Etagen mit je 4400 Quadratmetern Fläche wichtig. Sie sind frei von Zwischenwänden, haben hohe Traglasten - ideal für IT-Einbauten. Es dauerte sechs Jahre seit dem Neckermann-Aus, bis Interxion 2018 auf die Expansionschance nahe seiner bestehenden Rechenzentren aufmerksam wurde. Mit bis zu 1,5 Kilometer langen Glasfaserkabeln werden alte und neue Rechenzentren verbunden, erklärt Expansionsdirektor Thomas Wacker. Damit der Digitalpark bis zu 200 Megawatt Kapazität bietet, muss Leitungsbetreiber Avacon eine eigene Hochspannungsleitung vom Umspannwerk bei Karben in der Wetterau hierher ziehen. 2024 soll das erledigt sein.

Alte Neckermannzentrale in Frankfurt: Teilweise soll Öffentlichkeit hinein dürfen

„Eine lange, schwierige Zeit des Stillstands auf dem Gelände“, sei überwunden, freut sich Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Nicht nur, weil 10,7 Hektar großteils brachliegendes Industriegelände wieder genutzt werden, während sonst in Frankfurt Flächennot herrsche. Auch realisiere Interxion all das, was die Stadt von Rechenzentren fordere: begrünte Fassaden, stadtgestalterische Einbindung, Flächenentsiegelung, Abwärmenutzung, CO2-neutrale Stromversorgung.

Die Denkmal-Sanierung sei auch „keine Selbstverständlichkeit“, wenn 1000 Fenster originalgetreu erhalten blieben, sagt Josef. Während die Rechenzentren selbst aus Sicherheitsgründen abgeschirmt werden müssen, will Interxion den Eiermann-Bau zum Teil für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Von den 18.000 Quadratmetern Bürofläche solle ein Teil vermietet werden, kündigt Volker Ludwig an.

Ein kleines, privates Internet-Museum soll samt Café in der alten Kantine hin und wieder geöffnet haben. Ende 2022 sollen erste IT-Flächen im Eiermann-Bau in Betrieb gehen, auch der erste Neubau südlich. So viel Leben wie einst ist aber nicht zu erwarten. 100 Mitarbeiter werden anfangs dort arbeiten. Bei Neckermann waren es in den goldenen Zeiten 4000. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Frankfurt: Die Historie der alten Neckermann-Zentrale im Kurzfilm

Interxion hat einen sehenswerten Kurzfilm über Historie, Mitarbeiter und Zukunft der Neckermann-Zentrale erstellt. Er ist auf deren Homepage zu finden.

Plus 50 Prozent - jedes Jahr! Nirgendwo sonst in ganz Europa wächst das Digitale so stark wie in Frankfurt. Es gibt schon 60 Rechenzentren, viele weitere kommen noch. Die Stadt will jetzt die Entwicklung stärker steuern.

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