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Die Leipziger Straße ist die Hauptschlagader Bockenheims. Über eine Länge von 780 Metern durchzieht sie den Stadtteil.

Menschen aus 142 Nationen

Das ist Frankfurts buntester Stadtteil

Den Titel „Frankfurts buntester Stadtteil“ dürfte Bockenheim kaum jemand streitig machen. Das beweist ein Blick in das Statistische Jahrbuch 2018, das die Stadt Frankfurt kürzlich veröffentlicht hat. Ihm zufolge leben hier Menschen aus 142 Nationen – so viele wie in keinem anderen Quartier. Die Beliebtheit des Viertels birgt jedoch auch Schattenseiten.

Mit seinen insgesamt 39 991 Einwohnern ist Bockenheim hinter Sachsenhausen und dem Nordend Frankfurts drittgrößter Stadtteil. 12 990 der Bockenheimer haben nach Angaben des Statistischen Jahrbuchs keinen deutschen Pass, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 32,5 Prozent. Knapp zwei Drittel von ihnen, nämlich 8422 Frauen und Männer, stammen aus Europa, weitere 2829 aus Asien und Australien. Die größte Bevölkerungsgruppe bilden Türken (1353 Menschen), gefolgt von Italienern (835), Kroaten (646), Rumänen (589), Griechen (548) und Polen (518). Der bunte Nationen-Mix sei keine neue Erscheinung, sagt Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU): „Das ist historisch gewachsen. Das klassische Bockenheim rund um die Leipziger Straße war schon immer sehr vielfältig. Hier leben zig Nationen gut miteinander.“

Dazu trägt vermutlich auch das relativ hohe Einkommensniveau in dem Viertel zwischen Rebstockpark und Grüneburgpark bei. 4436 Euro verdienen sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte hier durchschnittlich pro Monat. Das liegt deutlich über dem Frankfurter Mittelwert von 3861 Euro. Auffällig ist auch der hohe Anteil an Gutverdienenden in dem Stadtteil: Von den 12 911 Vollzeitbeschäftigten mit Entgeltangabe können 3440 ein Monatseinkommen von mehr als 6000 Euro vorweisen, also mehr als ein Viertel.

Bald 40 000 Einwohner

Von der Beliebtheit des Viertels zeugt das überdurchschnittliche Bevölkerungswachstum: Seit 2007 hat die Zahl der Einwohner in Bockenheim um 27,9 Prozent zugenommen, für ganz Frankfurt beläuft sich dieser Wert auf 16,4 Prozent. Diese Steigerung erklärt Axel Kaufmann unter anderem mit den zahlreichen Neubauten auf dem Rebstockgelände, wo etliche neue Wohnungen entstanden. Eine ähnliche Entwicklung dürfte in den nächsten Jahren auch das Siemens-Areal vollziehen, das politisch zwar zum Ortsbeirat 7 gehört, verwaltungstechnisch aber zu Bockenheim, so dass das Quartier die 40 000-Einwohner-Marke bald geknackt haben dürfte.

Die Kehrseite dieser Entwicklung lässt sich mit dem Stichwort „Gentrifizierung“ umschreiben. Nicht umsonst wurde 2009 die Initiative „Zukunft Bockenheim“ gegründet, die sich unter anderem gegen explodierende Mieten wehrt und einen „Ausverkauf des Stadtteils“ befürchtet. Gerade im Hinblick auf die auslaufenden Sozialbindungen von Wohnungen in der Schwälmer Straße sowie an der Kleinen und Großen Seestraße gebe es immer wieder Bedenken, dass Bewohner verdrängt werden könnten, sagt der Ortsvorsteher. Und auch das Thema „Nachverdichtung“ sehen viele alteingesessene Bockenheimer mit Argusaugen. „Das ist ein ständiges Thema“, sagt Kaufmann. Schließlich liegt die Einwohnerdichte von 49,8 Menschen pro Hektar ohnehin deutlich über dem Frankfurter Durchschnitt, der sich auf 29,8 Einwohner pro Hektar beläuft. Entsprechend umstritten sind Projekte wie dasjenige am ehemaligen Tibethaus, wo der geplante Bau eines fünfstöckigen Wohnhauses nach Protesten erst einmal gestoppt wurde.

Junge Erwachsene

Auch in seiner Bevölkerungsstruktur unterscheidet sich Bockenheim von vielen anderen Frankfurter Stadtteilen. Das zeigt schon der Altersdurchschnitt, der mit 38,5 Jahren deutlich unter dem Frankfurter Mittelwert von 40,8 Jahren rangiert. Das liegt auch an der verhältnismäßig großen Gruppe der jungen Erwachsenen: 8098 Bockenheimer sind zwischen 18 und 29 Jahre alt, das sind gut 20 Prozent der Einwohner. In ganz Frankfurt gehören hingegen nur gut 16 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe an. Ortsvorsteher Axel Kaufmann führt diese Zahlen unter anderem darauf zurück, dass das Quartier gerade bei Studenten hoch im Kurs stehe, auch nach dem Umzug der Universität ins Westend und an den Riedberg: „Viele Studenten haben immer noch eine gewisse Bindung an Bockenheim.“

Im Hinblick auf den Anteil der Senioren rangiert das Viertel dagegen auf den hinteren Plätzen. 4671 der Bockenheimer haben den 65. Geburtstag schon hinter sich. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von knapp zwölf Prozent, vier Prozent weniger als der Frankfurter Mittelwert.

von BrigitteDegelmann

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