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Gaga-Radweg in Frankfurt erhitzt erneut die Gemüter

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Einen Behindertenparkplatz hat die Stadt mitten auf dem nun überbreiten Radweg im Marbachweg markieren lassen. FOTO: Enrico sauda
Einen Behindertenparkplatz hat die Stadt mitten auf dem nun überbreiten Radweg im Marbachweg markieren lassen. © Enrico Sauda

Ein Radweg in Frankfurt sorgt für Diskussionen. Nicht zum ersten Mal. Nun ist sogar von Rückbau die Rede.

Frankfurt – Dieser Anblick erzeugt viel Kopfschütteln: Erst baut die Stadt Frankfurt einen superbreiten Radweg im Marbachweg, doch nun ist auf fünf Metern schon wieder Schluss mit der Drahtesel-Magistrale. Mitten auf dem neuen Radweg wurde ein Behindertenparkplatz markiert. Dreht die Stadt beim Ausbau des Radverkehrs nun etwa völlig am Rad?

"Das ist ja ein Witz", sagt Friedrich Hesse (CDU), seit 2006 Ortsvorsteher im Dornbusch. Bereits Ende vorigen Jahres hatte die Stadt auf 200 Metern Länge in der wichtigen Ost-West-Straße den Weg neben der Fahrbahn saniert. Dort, von Hausnummer 331 bis 345, parkten bisher Autos, daneben verlief ein Radweg, dann der Fußweg. Nach der Sanierung aber entfielen die 17 Parkplätze, der Radweg wurde umso breiter.

Radweg in Frankfurt: Erst die Knöllchen, nun der Parkplatz

Dass die Parkplätze nun Teil des Radwegs sind, erfuhren die Anwohner auf eigenwillige Weise: 14 Tage lang verteilten Verkehrspolizisten 55-Euro-Knöllchen an alle, die in gutem Glauben ihr Auto nach Ende der Bauarbeiten dort wieder parkten. Nun die nächste Rochade: Auf Höhe von Haus Nummer 335 wurde ein Behindertenparkplatz auf den Radweg markiert, inklusive Umfahrung. In Höhe des Parkplatzes ist der Radweg nur noch wenige Dezimeter schmal.

Natürlich seien Behindertenparkplätze wichtig, betont Friedrich Hesse. Aber wenn der dort wieder eingerichtet wird, warum dann nicht die anderen 16 Parkplätze? Der Ortsvorsteher sieht die Parkplatz-Posse als klaren Beweis dafür, dass die Stadt nun völlig übertreibt beim Ausbau der Radwege. Und er ist damit nicht alleine: "Jetzt schlägt es 13", kritisiert der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Frank Nagel. Alle Parkplätze müssten sofort wieder angelegt werden.

ADFC: Fahrrad-Situation in Frankfurt nun sicherer

Das sieht man im städtischen Verkehrsdezernat anders. Da sich Radfahrer über Schlaglöcher beschwert hätten, seien Radweg und Parkplatzstreifen neu asphaltiert worden, erklärt Wolfgang Siefert, persönlicher Referent und designierter Nachfolger von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Das sei nur "eine sehr kleine Sanierungsmaßnahme" gewesen. Dabei seien die Parkplätze entfallen, damit keine Unfälle beim Öffnen von Autotüren geschehen - da der Platz nicht ausreiche, um eine Türöffnungszone zwischen Parkplätzen und Radweg anzulegen. "Das ist eine Frage der Verkehrssicherheit und nicht verhandelbar", sagt Siefert - diese habe Vorrang vor "komfortablen Parkplätzen vor der Haustür".

Die Situation sei nun deutlich sicherer als vorher, lobt Ansgar Hegerfeld vom Fahrradclub ADFC. "Es ist sehr gut, dass die Stadt aktiv wird, bevor es zu Unfällen kommt." Allerdings sei die Situation dort seit Jahrzehnten so gewesen, erinnert Ortsvorsteher Hesse. "Hier war auch vorher schon ein Radweg, und es gab nie Probleme", auch ohne Türöffnungszone. Woher Hesse das so gut weiß: Der passionierte Radfahrer fährt selbst oft hier entlang.

Den wieder aufmarkierten Behindertenparkplatz bewertet der Ortsvorsteher als Beweis, dass die Parkplätze sehr wohl wieder dort entstehen könnten. Fahrradaktivist Hegerfeld widerspricht: Trotz der kurzen Verengung sei die Situation für Radfahrer "nun viel besser einsehbar" - wenngleich der Parkplatz auf dem Radweg natürlich "nicht perfekt für den Fahrradverkehr sei".

CDU: Koalition in Frankfurt treibt Radwege-Ausbau zu radikal voran

Allerdings hat sogar die CDU 2019 den Radwege-Ausbau zusammen mit SPD und Grünen beschlossen. Hesse wertet das aus heutiger Sicht als "ein bisschen naiv". Das sieht Frank Nagel namens der CDU-Römerfraktion anders: "Wir stehen zum Ausbau für den Radverkehr - aber so, wie der Beschluss gemeint ist, und nicht so, wie er jetzt umgesetzt wird."

Die Stadtverordneten hätten beispielsweise eine Mindestbreite von möglichst 2,30 Meter nur für künftige Radwege gefordert, jedoch nicht für den Bestand. "Im Marbachweg geht es nur um eine Unterhaltungsmaßnahme." Die neue Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt übertreibe erheblich, indem sie den Radwegausbau nun derart radikal vorantreibe, schimpft der Christdemokrat. Das führe zu absurden Situationen wie im Marbachweg. "Ein Schildbürgerstreich hoch drei", findet Nagel.

"Wir stellen den Ausbau des Radverkehrs nicht vor alles andere", widerspricht Referent Siefert. Im Marbachweg sei es lediglich darum gegangen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, was die Stadt nach und nach überall umsetzen wolle. Etwa auch im übrigen Teil des Marbachwegs? "Das war der erste Schritt", sagt Siefert. Er räumt aber ein: "Wenn es Kommunikationspannen gab, schauen wir uns das an, dann tut es uns leid." Am Dienstag lag dann doch noch ein Informationsschreiben in den Briefkästen der Anwohner. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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