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Alte (grün) und neue (noch unlackiert) Masten standen im Grüneburgweg zeitweise nebeneinander.

Umrüstprogramm der Stadt zu langsam

Frankfurts Gaslaternen stehen noch länger

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500 der insgesamt mehr als 5000 noch vorhandenen Gaslaternen sollen jedes Jahr durch strombetriebene Leuchten ersetzt werden. So hat es das Stadtparlament beschlossen. Doch das Ziel wurde bisher weit verfehlt. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) tritt deshalb bei der weiteren Umrüstung auf die Bremse. Dabei funktionieren die alten Leuchten immer schlechter.

Schwanheim, Eifelstraße. Hier stehen noch die alten, gasbetriebenen Straßenlampen. So richtig hell ist es aber nicht. In einem Abschnitt der rund 600 Meter langen Straße funktioniert nur jede zweite Lampe, andere leuchten lediglich mit reduzierter Kraft. Auch in anderen Straßen – zum Beispiel im Westend – sind vermehrt defekte Laternen zu sehen. Manche brennen gar nicht, andere leuchten dafür den ganzen Tag. Jetzt, wo es abends wieder früher dunkel wird, fällt dieses Defizit besonders auf.

Dem Straßenbauamt ist das Problem bekannt. „Die Ausfallquote der Gasleuchten im Stadtgebiet hat sich erhöht“, teilte die Behörde auf Anfrage der FNP mit. Das liege an neuen Umweltvorschriften: Die früher verwendeten Glühkörper enthalten radioaktives Thorium und dürfen aus Gründen des Strahlenschutzes nicht mehr eingesetzt werden. Zwar gibt es auch Glühkörper ohne Thorium, aber diese haben nach Angaben des Straßenbauamtes eine deutlich kürzere Nutzungsdauer. Die Folge: Bei den Gasleuchten sei die Ausfallrate „vielfach höher“ als bei Elektrolampen, von denen im Schnitt innerhalb eines Jahres nur acht Prozent repariert werden müssen. Deshalb ist der Betrieb der Gasleuchten unwirtschaftlich geworden.

Vor diesem Hintergrund beschloss das Stadtparlament 2014 auf Betreiben des damaligen Verkehrsdezernenten Stefan Majer (Grüne), die rund 5500 damals noch vorhandenen Gasleuchten auf Elektrobetrieb umzurüsten. Ein Viertel davon soll aussehen wie bisher: Für sie wurde eine Lösung entwickelt mit historischer Anmutung, aber modernem Innenleben mit LED-Technik. Die meisten Gaslaternen werden aber aus Kostengründen durch konventionelle Elektroleuchten ersetzt. Nur einzelne historische Leuchten sollen aus musealen Gründen mit Gasbetrieb erhalten bleiben. Eine Bürgerinitiative protestierte gegen diese Pläne – vergeblich.

Rund 60 Millionen Euro sollen bis 2025 für das Umrüstprogramm aufgewendet werden. Das Verkehrsdezernat hat ermittelt: Durch Einsparungen bei Energieverbrauch und Wartung rechnet sich das. Bis Ende dieses Jahres sollten 1138 Gaslaternen ersetzt sein – so sah es der Plan vor. Dieses Ziel wurde aber mit deutlichem Abstand verfehlt. Nach Angaben des Straßenbauamts wurden bisher nur 334 Leuchten in 33 Straßen ersetzt. Bei Umrüstkosten zwischen 7000 und 11 000 Euro pro Stück ergibt sich ein Aufwand von gut drei Millionen Euro für einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren. Im städtischen Haushalt stehen aber mehr als fünf Millionen Euro – pro Jahr.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will diesen Ansatz jetzt kürzen, um Geld für andere Projekte zu haben. Er verweist darauf, dass die Umrüstung komplizierter ist als erwartet. So müssen nicht nur zusätzliche Stromleitungen verlegt werden. Mitunter sei es wegen der Vorschriften zur Ausleuchtung der Straßen auch erforderlich, mehr Lampenmasten aufzustellen als vorher. Das sei manchmal nicht einfach, da Bäume im Weg stehen.

Oesterling stellt die Umrüstung der Gaslaternen nicht in Frage und betont: „Selbstverständlich halte ich mich an den Stadtverordnetenbeschluss.“ Aber das Thema hat für ihn nicht die gleiche Priorität wie für seinen Vorgänger Stefan Majer. Der frühere CDU-Stadtverordnete Helmut Heuser hat dafür kein Verständnis. Denn er wohnt in Schwanheim und sieht, wie schlecht dort die Gasbeleuchtung funktioniert, regelmäßig meldet er der Straßenbeleuchtung Rhein-Main, einer Tochter der Mainova, defekte Laternen. „Es ist unzumutbar, wenn es abends dunkel ist“, sagt er. Widerstand gegen die Umrüstung sieht er in seinem Stadtteil nicht. In der Gerolsteiner Straße etwa wurden die Gasleuchten bereits durch moderne Elektrolampen ersetzt. Proteste habe es nicht gegeben.

Die waren bisher auch aus dem Westend noch nicht zu vernehmen. Im Grüneburgweg wurden in den vergangenen Tagen Gaslampen gegen LED-Leuchten in historischer Anmutung ausgetauscht. Der Unterschied ist sichtbar: Im östlichen Abschnitt bis zur Myliusstraße stehen die alten Leuchten, westlich ist es deutlich heller – hier stehen die neuen Lampen.

Gearbeitet wird derzeit auch in den Straßen Zeilweg, Auf der Körnerwiese, Laubestraße, Müllerstraße und Kleine Spillingsgasse. Weitere 13 Maßnahmen sind für die kommenden Monate geplant.

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