Noch ist es nur eine Idee: So oder so ähnlich könnte ein Neubau der Oper an der Neuen Mainzer Straße aussehen, nur einen Steinwurf von einem neuen Schauspiel-Haus am Willy-Brandt-Platz entfernt. Die sogenannte Kulturmeile ist der Favorit für die Städtischen Bühnen.
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Noch ist es nur eine Idee: So oder so ähnlich könnte ein Neubau der Oper an der Neuen Mainzer Straße aussehen, nur einen Steinwurf von einem neuen Schauspiel-Haus am Willy-Brandt-Platz entfernt. Die sogenannte Kulturmeile ist der Favorit für die Städtischen Bühnen.

Städtische Bühnen

Frankfurts Innenstadt soll Kulturmeile erhalten

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Die Stabsstelle „Zukunft der Städtischen Bühnen“ legt ihren Abschlussbericht vor. Fünf Varianten für Oper und Schauspiel Frankfurt hat sie geprüft.

Frankfurt - In die Diskussion, wo Oper und Schauspiel künftig beheimatet sein sollen, kommt Bewegung: Die Stabsstelle "Zukunft der Städtischen Bühnen" hat am Donnerstag ihre Untersuchungen von fünf möglichen Standort-Varianten vorgestellt. Jetzt sind noch drei Varianten im Rennen. Es kristallisierte sich aber heraus, dass die sogenannte Kulturmeile der Favorit ist. "Sie ist ökologisch und ökonomisch gemäß unseren Untersuchungen die geeignetste", sagte Mathias Hölzinger, seit November der neue Leiter der Stabsstelle.

Die favorisierte Variante, die Kulturmeile, sieht einen Neubau der Oper an der Neuen Mainzer Straße, nördlich des Japan-Centers, vor. Das Areal gehört der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Sie sei aber bereit, einen Teil ihres Grundstückes an der Neuen Mainzer Straße abzugeben. Darauf befindet sich derzeit noch der Hauptsitz der Frankfurter Sparkasse. Mit 811 Millionen Euro Investitionskosten schneidet diese Variante bei den Untersuchungen am günstigsten ab. Nicht mit einberechnet ist dabei jedoch der Preis für das Grundstück. "Wir sind in Gesprächen", sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Das Schauspiel würde, neu gebaut, am Willy-Brandt-Platz bleiben.

Frankfurt: Drei Varianten sind noch im Rennen

Bereits im Januar 2020 hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass die marode Theater-Doppelanlage aus dem Jahr 1963 abgerissen werden soll. Zu unwirtschaftlich und wenig nachhaltig sei eine Sanierung. Schauspiel und Oper sollen lieber einen Neubau bekommen. Nur wo, das war unklar.

Deshalb prüfte die Stabsstelle "Zukunft der Städtischen Bühnen" daraufhin unter Einbindung externer Fachplaner, Wissenschaftler und Gutachter fünf Varianten auf ihre bauliche Umsetzbarkeit. Neben funktionalen und stadträumlichen Bewertungen möglicher Standorte seien dabei auch energetische, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigt worden.

Frankfurt: Wegen Klima nicht die Wallanlage zerschneiden

Neben der Kulturmeile wurde auch geprüft, die Oper am Willy-Brandt-Platz neu zu bauen und das Schauspiel gegenüber in den Wallanlagen anzusiedeln. Das habe allerdings den Nachteil, dass die Wallanlage zerschnitten würde. "Für das Stadtklima ist das keine Lösung", sagte Hölzinger. Diese Variante ist aber noch ebenso im Rennen wie die Idee, eine neue Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz zu errichten, das wiederum sei mit 891 Millionen Euro die teuerste Lösung. Die hohen Kosten entstehen nach Angaben Hölzingers dadurch, dass sowohl Schauspiel als auch Oper eine Interims-Unterbringung bräuchten. "Zudem würden wir auf dem Areal die Werkstätten und Lager nicht mehr unterbringen", so Hölzinger. Zumal die Bühnen perspektivisch auch nicht wachsen könnten.

Die Möglichkeit, die Oper am Willy-Brandt-Platz zu belassen und das Schauspiel gegenüber der Alten Oper neu zu bauen, wurde nach der Prüfung von den Experten ausgeschlossen, weil zu viel Grün verloren gehen würde und die S-Bahn unter dem Grundstück verläuft. Auch die untersuchte Variante, eine Doppelanlage im Osthafen zu realisieren, ist vom Tisch. Die neue Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt hat sich bereits auf einen Standort in der Innenstadt verständigt.

Frankfurt: Stadtverordneten müssen sich auf Standort einigen

"Darüber bin ich sehr froh", sagte Hartwig. "Jetzt können wir vom Jüdischen Museum im Süden und der Alten Oper im Norden die für Frankfurt so wichtigen Wallanlagen neu beleben." Das gelänge ihrer Ansicht nach am besten mit der Kulturmeile. "Durch die Erweiterung der Wallanlage kann der Willy-Brandt-Platz an Aufenthaltsqualität gewinnen und ein schöner Platz werden", so die Stadträtin, die auch schon eine klare Vorstellung davon hat, wie "zeitgemäß" die neuen Gebäude sein sollen. Denn ihre Foyers sollen auch außerhalb der Vorstellungszeiten für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein. Als Beispiel nannte Hartwig das Schauspielhaus in Kopenhagen, wo Cafés zum Verweilen einladen, Kinder und Jugendliche sich ihre Zeit vertreiben und Vereine Sitzungen abhalten.

Im nächsten Schritt müssen sich aber erst einmal die Stadtverordneten auf einen Standort einigen. Dann muss ein Architekturwettbewerb vorbereitet und ausgelobt werden. All das dauert. Vor 2026 wird kein Bagger rollen. Insgesamt wird mit einer Projektlaufzeit von zehn bis zwölf Jahren gerechnet. Die reine Bauzeit wird auf bis zu acht Jahre geschätzt.

Weitere Informationen über die Zukunft der Städtischen Bühnen gibt es künftig im Internet unter www.neue-buehnen-frankfurt.de. (Julia Lorenz)

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