Halten per Videochat den Kontakt zu ihren Lieben: Roberto Gambirasio, Serena Trefiletti und die Zwillinge Agata und Alberto.
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Halten per Videochat den Kontakt zu ihren Lieben: Roberto Gambirasio, Serena Trefiletti und die Zwillinge Agata und Alberto.

Nonna und Nonno in Not

Frankfurts Italiener sorgen sich um Liebste in der Heimat

  • vonEnrico Sauda
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Italien ist von der Corona-Pandemie besonders schlimm betroffen. Landsleute in Frankfurt machen sich große Sorgen ihre Verwandten. 

  • Italiener in Frankfurt haben Angst um ihre Verwandten in der Heimat
  • Italien ist besonders schlimm vom Coronavirus betroffen
  • Eine Frankfurterin sorgt sich um ihren Vater - ein Pflegefall

Frankfurt - „In unserem Dorf sind in den vergangenen zehn Tagen hundert Menschen gestorben“, erzählt Tiziana Trefiletti. Ihr Dorf ist Nembro, Norditalien. Dort kommt die Frankfurterin her. Und dort leben ihre Eltern, ihre Schwester mit Mann und Kindern. Und sehen mit an, wie die Menschen um sie herum sterben. Kaum ein Ort auf der Welt, den die Corona-Krise so sehr getroffen hat wie Nembro. Kaum ein Land, das so sehr leidet wie Italien.

Tiziana Trefiletti selbst lebt mit ihrer Familie in Frankfurt. Natürlich mache sie sich Sorgen um die Eltern, aber sie sei dennoch zuversichtlich: „Meine Eltern haben die Situation von Anfang an sehr ernstgenommen und sind zu Hause geblieben“, sagt Tiziana Trefiletti. „Seit einem Monat haben sie das Haus nicht mehr verlassen, haben den Kontakt zu allen abgebrochen“, schildert sie die Situation.

Coronavirus in Italien: Frankfurter telefonieren mehrmals täglich mit Eltern

Selbst zwischen ihrer Schwester Serena, die dort lebt, und ihren Eltern besteht kein persönlicher Kontakt. „Sie erledigt die Einkäufe für Mutter und Vater und stellt sie ihnen vor die Tür“, erzählt Tiziana Trefiletti weiter. Die Situation mache sie traurig. „Aber ich denke, dass sie das Nötige getan haben, um diese Krise möglichst gut zu überstehen.“

Natürlich belaste die Eltern die Situation. Zwei bis dreimal täglich ruft sie zusammen mit den Kindern ihre Eltern an. „Dass sie ihre Enkel sehen und hören und Unterstützung erfahren, hilft ihnen, durchzuhalten.“

Nonno (Opa) und Nonna (Oma) in Nembro freuen sich über Anrufe ihrer Lieben. 

Auch Tiziana Trefilettis Schwester Serena und ihr Mann Roberto sowie deren zwölfjährige Zwillinge sind von der Pandemie betroffen. Allerdings nicht gesundheitlich. Sie betreiben zwei Optik-Geschäfte, die Serena von ihrer Mutter Graziella übernommen hatte, und die sie jetzt schließen mussten. Das Leben in ihrem Ort schildert Serena Trefiletti in einem Artikel, der in der Tageszeitung „L'Eco di Bergamo“ erschienen ist. „Die Trostlosigkeit ist greifbar in jedem Winkel unserer beiden Dörfer", steht dort.

Coronavirus in Italien: Eltern von Frankfurter geht es gut

Auch den Eltern von Marco Caudini, die in Mailand leben, geht es gut. „In Anbetracht der Umstände eben“, stellt Caudini klar. „Mein Bruder und meine Schwägerin, überhaupt die ganze Familie, hilft ihnen, wo sie können“, erzählt Caudini, der selbst seit dem 6. März in freiwilliger Quarantäne ist. „Wenn ich höre, was sie mir berichten, klingt das wie ein Bericht aus einem Kriegsgebiet. Ich habe viele Kollegen, die Freunde und Verwandte verloren haben. Bei uns in der Familie ist zum Glück noch niemand gestorben“, so Caudini, der ebenfalls mehrmals täglich mit seinen Kindern die Großeltern anruft.

Große Sorgen um ihren Vater (91) und ihre Mutter (81), die in Bologna leben, macht sich Laura Melara-Dürbeck. „Mein Vater ist seit August krank, ein Pflegefall“, sagt sie. Ihre Mutter sei noch relativ fit, gehe zweimal die Woche raus. „Seit dem Shutdown dürfen sie ihr Viertel nicht mehr verlassen“, sagt Melara-Dürbeck. „Meine Eltern wohnen in einer Eigentümergemeinschaft und dort sind alle hilfsbereit“, weiß Melara Dürbeck, die ihre Eltern so oft wie möglich anruft. Die größten Sorgen bereitet ihr, dass ihr Vater in diesen Tagen ins Krankenhaus eingewiesen werden müsste. „Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass er dort dann alleine und verlassen sterben müsste“, sagt sie. 

Von Enrico Sauda

Alle Infos zum Coronavirus in Italien gibt es in unserem News-Ticker*. Auch zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie in Frankfurt gibt es einen Ticker*. Dass die Corona-Krise Menschen zu seltsamen Handlungen treibt, bekam derweil eine DM-Verkäuferin aus Frankfurt zu spüren: Weil sie Angst hatte, kein Klopapier zu bekommen, verpasste ihr eine Kundin eine Backpfeife. Corona in Frankfurt: Diese Krankenhaus-Abteilung behandelt nur noch Notfälle – Und das hat einen Grund

*fr.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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