Die Vonovia hat viele Wohnungen in Frankfurt und will die Deutsche Wohnen übernehmen.
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Die Vonovia hat viele Wohnungen in Frankfurt und will die Deutsche Wohnen übernehmen.

Frankfurt

Mieter in Frankfurt müssen sich wappnen – Fusion zweier Unternehmen löst Bedenken aus

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Der größte deutsche Wohnkonzern Vonovia hat einem Konkurrenten, Deutsche Wohnen, ein Übernahmeangebot gemacht. Mietern in Frankfurt drohen Konsequenzen.

Frankfurt - Es wäre ein Zusammenschluss, wie ihn der deutsche Immobilienmarkt noch nicht gesehen hat: Der größte deutsche Wohnkonzern Vonovia mit Sitz in Bochum hat am Montagabend dem kleineren Konkurrenten, Deutsche Wohnen aus Berlin, ein Übernahmeangebot gemacht. Die Vereinbarung über den Zusammenschluss ist unterzeichnet.

Auch in Frankfurt sind beide Anbieter aktiv: Vonovia ist Eigentümerin von ungefähr 11.500 Wohnungen, vor allem in der Bizonalen Siedlung in Griesheim, aber auch in Niederursel und der Nordweststadt, während die Deutsche Wohnen knapp 5000 Wohnungen im Frankfurter Westen in Zeilsheim, Schwanheim und Unterliederbach besitzt, aber auch in Bockenheim vermietet.

Stadt Frankfurt erlebt bessere Kommunikation – Wohnkonzern Vonovia arbeitet enger mit Kommunen zusammen

Welche Konsequenzen könnte dieser Megadeal für die Mieter bringen? Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, hält sich bedeckt. Er sehe sich „außerstande, zu kommentieren, ob und inwiefern eine Fusion privatrechtlich organisierter Unternehmen Änderungen auf deren Geschäftspolitik hat.“

Allerdings räumt Gellert ein, dass die Stadt in den vergangenen Jahren einen positiven Wandel bei Vonovia festgestellt habe: „Sie haben sich geöffnet, kommunizieren besser mit den Mietern und arbeiten enger mit den Kommunen zusammen.“ Als Beispiel nennt er die Vereinbarungen, die die Stadt Anfang März dieses Jahres mit dem Wohnungsunternehmen geschlossen hat, um beim Thema Mieten enger zusammenzuarbeiten. Darin hat sich Vonovia verpflichtet, die Mieten in Frankfurt drei Jahre lang im Schnitt um höchstens ein Prozent jährlich zu erhöhen. Und für zwei weitere Jahre will das größte deutsche Wohnungsunternehmen die Mieten höchstens in Höhe der Inflation anheben.

Mieten in Frankfurt: Vonovia verspricht, um höchstens zwei Euro pro Quadratmeter zu erhöhen

Zudem versprach Vonovia, die Mieten nach energetischen Sanierungen um höchstens zwei Euro pro Quadratmeter zu erhöhen. Bei besonderen Belastungen während Bauarbeiten sollen Mietern Ersatzwohnungen angeboten werden. „Das sind Zusagen in Sachen Mieterschutz, die Vonovia nicht machen musste“, lobt Gellert. Und die, wie er betont, auch nach einer Fusion mit der Deutschen Wohnung bindend bleiben.

Skeptischer reagiert Rolf Janßen vom Mieterverein Frankfurt auf die mögliche Übernahme der Deutsche Wohnen durch die Vonovia. „Bei beiden Wohnungsbaugesellschaften steht die Rendite absolut im Vordergrund“, stellt er fest. Die Wohnung als zentraler Lebensort und die damit verbundene soziale Aufgabe als Vermieter hingegen stünden nach seiner Einschätzung im Stellenwert weit dahinter. Eine Fusion könne das eher noch verschlechtern.

Mieterhöhung in Frankfurt: Bleiben soziale Gestaltung und Gerechtigkeit auf der Strecke?

Janßen sieht viel zusätzliche Arbeit auf den Mieterverein zukommen: „Die Mieter müssen sich gut wappnen und stark machen, um diesem übermächtigen Unternehmen überhaupt noch Stand halten zu können“, glaubt er. Ähnliche Bedenken formuliert Sieghard Pawlik vom Mieterbund Höchster Wohnen auf Anfrage dieser Zeitung: „Dieser Zusammenschluss würde zu noch größeren Verwaltungseinheiten führen“, fürchtet der langjährige SPD-Stadtverordnete und entwirft ein Schreckensszenario: „Eine anonyme Verwaltung, die nur die Zahlen sieht und nicht mehr im Auge behält, dass es sich bei den Mietern um Menschen mit Grundbedürfnissen handelt. Soziale Gestaltung und Gerechtigkeit könnten auf der Strecke bleiben.“

Besonders wünsche Pawlik sich, dass die Unternehmen die Nähe zu den Mietern ernst nähmen. Denn es sei nach der Erfahrung seines Mieterbunds „ein himmelweiter Unterschied“, mit den Regionalleitungen von Vonovia und Deutsche Wohnen hier in Frankfurt zu reden - oder mit den jeweiligen Konzern-Zentralen in Bochum und Berlin. Gerade mit der Vonovia-Zentrale habe es immer wieder Ärger in Mieterangelegenheiten gegeben, während sich der Mieterbund mit der Regionalleitung oft erfolgreich im Interesse der Menschen habe verständigen können", so Pawlik. (Michael Forst)

Die Mieten in Frankfurt sind schon gestiegen. Bundesweit belegt die Stadt Platz zwei bei Mietpreisen.

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