Ein riesiges Wandgemälde (l), das am 23.09.2016 ein Bürogebäude an der Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main (Hessen) ziert, zeigt einen Cowboy, der ein Rind niederringt. Dahinter ist rechts die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) zu sehen.
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Ein riesiges Wandgemälde (l), das am 23.09.2016 ein Bürogebäude an der Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main (Hessen) ziert, zeigt einen Cowboy, der ein Rind niederringt. Dahinter ist rechts die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) zu sehen.

Straßenbahn

Neues In-Viertel in Frankfurt: So soll es besser angebunden werden

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Seit einigen Jahren entwickelt sich die mittlere Hanauer Landstraße in Frankfurt zum In-Viertel. Nun könnte die Gegend besser per Straßenbahn erschlossen werden.

Frankfurt. Eine neue, direkte Straßenbahnverbindung zwischen Bornheim und der mittleren Hanauer Landstraße fordert der Ortsbeirat 4 (Ostend, Bornheim). Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sagt dazu zwar bisher Nein. Doch mit Änderungen der Stadtpolitik an seinem neuen Straßenbahnkonzept öffnet sich plötzlich eine ganz neue Weiche für die Idee.

Es ist ein massiver Wandel: Vom Industriegebiet entwickelt sich die mittlere Hanauer Landstraße zwischen Ostbahnhof und Ratswegkreisel seit Jahren zu einem pulsierenden Stadtteil. Doch selbst in die nahen Viertel von Ostend und Bornheim ist der Weg ohne Auto beschwerlich. Obwohl es eine Straßenbahnstrecke gibt, fahren dort regulär keine Züge.

Idee aus dem Ostend gab's schonmal - sie traf auf Widerstand

Bereits 2019 hatte der Ortsbeirat vorgeschlagen, die Linie 12 ab Ratswegkreisel nicht länger stadtauswärts zur Hugo-Junkers-Straße fahren zu lassen. Stattdessen solle sie stadteinwärts abbiegen und via "Hanauer" zum Ostbahnhof und Zoo rollen. Auf diesem Abschnitt könnte die 12 die oft überfüllte 11 auch besser entlasten.

Das lehnte Oesterling ab, da der Ortsbeirat Fechenheim einlegte: Die Fechenheimer wollten ihre Direktverbindung nach Bornheim und auch zur U7 und U4 an den Haltestellen Eissporthalle und Bornheim-Mitte behalten. Stattdessen forderten sie, die 12 von der Hugo-Junkers-Straße bis zur Schießhüttenstraße, Endhaltestelle der 11, zu verlängern.

Jetzt sogar drei Linien für Fechenheim geplant

Genau das haben die Stadtverordneten gestern so beschlossen. Spätestens ab 2025 sollen 11 und 12 bis Schießhüttenstraße fahren. Zusammen rollen dann Trams alle fünf Minuten bis in die Fechenheimer Ortslage statt heute die 11 alleine nur alle 7,5 Minuten.

Das hat Folgen, denn Klaus Oesterling wollte eigentlich die künftig aus Niederrad und Sachsenhausen verlängerte 15 bis Schießhüttenstraße fahren lassen. Statt der 12 soll nun diese Linie an der Hugo-Junkers-Straße enden. Dort ist aber seit dem Aus für Neckermann 2012 nicht mehr viel los: Statt abertausender Versandhausmitarbeiter steigt dort kaum noch jemand ein und aus.

Bornheim: Lieber "Hanauer" mit Berger Straße verknüpfen

Allzu viel Nutzen hat die 15 als dann dritte Linie östlich des Ratswegkreisels also wohl nicht. Das ruft den Ortsbeirat 4 erneut auf den Plan: Nun könne ja die 15 am Ratswegkreisel abbiegen und eine Direktverbindung zwischen mittlerer "Hanauer" und Bornheim herstellen: "Eine gute Idee", findet Wolfgang Siefert (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Römer. Da das Angebot für die Fechenheimer durch die Verlängerung der 12 ohnehin besser werde, sei der Vorschlag der Direktverbindung "wieder prüfenswert" - jetzt eben mit der 15.

Gut für Anwohner, gut für die Läden

"Ich fände das gut", sagt Bodo Pfaff-Greiffenhagen, CDU-Fraktionschef im Ortsbeirat. Eine solche Verbindung sei "jetzt keine Benachteiligung mehr für die Fechenheimer", sondern "eine sehr große Bereicherung". Es entstünden neue, schnelle Umsteigeverbindungen von der U4 und der U7 in die mittlere Hanauer, und die 11 zwischen Innenstadt und Hanauer Landstraße werde entlastet.

Allein die große Zahl neuer Einwohner an der "Hanauer" rechtfertige eine neue Verbindung - ebenso das wachsende Angebot an Kultur, Arbeitsplätzen, Geschäften, Restaurants, Hotels, Party-Locations. Zugleich könne eine direkte Tram-Linie die Bewohner in die Berger Straße bringen, was den Handel dort stärke, sagt Pfaff-Greifenhagen. Er geht davon aus, dass der Ortsbeirat seine Forderung nach der Wahl erneuert.

Wendestelle nötig - die gab es noch bis vor kurzem

Je schneller die Linie komme, umso besser, findet der CDU-Fraktionschef: "Uns fehlt seit zehn Jahren die Schwedlerbrücke als schnelle Fußwegverbindung in die ,Hanauer'." Sie sei täglich von tausenden Menschen genutzt worden, die weite Umwege laufen müssten. Oder sie müssen mit der Straßenbahn stets umsteigen und dabei weite Umwege fahren: via Ostendstraße oder Daimlerstraße.

Und wo soll die 15 in Bornheim enden? Eine neue Wendemöglichkeit am Prüfling sehe das Straßenbahnkonzept ohnehin vor, erinnert Ausschusschef Siefert. In der Straße liegen sogar noch Gleisreste der alten Wendestelle, die erst 2007 stillgelegt worden war. "Es war ein Fehler," seufzt der Grünen-Politiker, "das aufzugeben."

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