Während Bundespolizist Wienchol hinten den verdächtigen Mann in Schach hält, durchsucht sein Kollege Miosga vorn am Tisch die Gegenstände aus dessen Hosentaschen.
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Während Bundespolizist Wienchol hinten den verdächtigen Mann in Schach hält, durchsucht sein Kollege Miosga vorn am Tisch die Gegenstände aus dessen Hosentaschen.

Beamte haben jetzt einen eigenen Raum in der B-Ebene

Wo Frankfurts Polizei die Dealer filzt

  • VonChristian Scheh
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Im Kampf gegen den Rauschgifthandel im Frankfurter Bahnhofsviertel hat die Deutsche Bahn den Polizeibehörden einen Raum in der B-Ebene des Hauptbahnhofs zur Verfügung gestellt. Die Beamten nutzen ihn vor allem für Durchsuchungen.

Die Bundespolizisten Wienchol (34) und Miosga (32) treffen den jungen Mann auf einer Treppe der B-Ebene im Frankfurter Hauptbahnhof an. Von seinem Erscheinungsbild her passt er gut zu den Rauschgifthändlern, die im Frankfurter Bahnhofsviertel ihren „Stoff“ verkaufen. Die beiden Polizeiobermeister entschließen sich deshalb zu einer Personenkontrolle. Bis vor Kurzem hätten sie diese noch vor den Augen der Passanten durchführen müssen. Seit einer Woche gibt es dafür einen Dienstraum in der B-Ebene. Außer den Bundespolizisten, die für den Hauptbahnhof in erster Linie zuständig sind, können den eigens hergerichteten Raum auch Landes- und Stadtpolizisten nutzen.

Der Kontrollierte hat keinen Ausweis dabei, nur die Kopie eines afghanischen Dokuments und ein Haftentlassungschreiben. Den Papieren ist zu entnehmen, dass der Mann 30 Jahre alt ist und die Zeit von Februar bis September 2016 in einer Justizvollzugsanstalt verbrachte. „Diebstahl“, sagt er auf die Frage, warum er hinter Gittern saß. Die Bundespolizisten Wienchol und Miosga führen den Afghanen zu dem neuen Durchsuchungsraum, der rechts neben der breiten Treppe von der B-Ebene zur Kaiserstraße liegt. Mit einem Transponder öffnen die Beamten die weiße, schildlose Tür, schalten die Neonröhren des Raumes ein und führen den Afghanen hinein.

Spärliche Ausstattung

Der Durchsuchungsraum ist fensterlos, schätzungsweise 40 Quadratmeter groß und an Schlichtheit kaum zu übertreffen. Die Wände sind kahl und grau, das Mobiliar besteht nur aus einem großen Tisch und zwei Stühlen. Auf der Tischplatte befinden sich drei Boxen mit blauen Plastikhandschuhen und zwei Flaschen mit Desinfektionsmittel, außerdem liegen noch ein Block mit Vernehmungsformularen und ein Päckchen mit weißem DIN-A 4-Papier darauf. Ein Telefon oder einen Computer gibt es nicht. „Die Kommunikation läuft über Funk, das ist schon in Ordnung so“, findet Wienchol.

Während der Bundespolizist seinen Kollegen sichert, kümmert sich Miosga um die Durchsuchung. Er bittet den Afghanen, seine Schuhe auszuziehen. Dann nimmt er mit Plastikhandschuhen die Einlagen heraus und nimmt sie genau unter die Lupe. „In den Schuhen werden gern mal Drogen versteckt, in der Unterhose auch“, sagt der Polizeiobermeister. Der Durchsuchungsraum biete nun auch die Möglichkeit, mutmaßliche Dealer in der B-Ebene „gründlich“ zu durchsuchen. Das heißt für die Betroffenen „Ausziehen bis auf die Haut“ und hat schon seine ganz eigene, abschreckende Wirkung.

Als die Crackdealerei in der B-Ebene der Hauptwache im Sommer überhandnahm, wurden schnell Rufe nach einer Polizeiwache in der B-Ebene laut. Die Polizeibehörden verwarfen ein solches Vorhaben aber als zu kostspielig und personalintensiv, zumal die Bundespolizei eine Wache an Gleis 24 des Hauptbahnhofs hat und das 4. Revier der Landespolizei in Bahnhofsnähe ist. Ein Funktionsraum in der B-Ebene, den die Polizei für Durchsuchungen und Vernehmungen nutzen kann, wurde aber befürwortet. Die Deutsche Bahn stellte ihn den Beamten nach kleineren Arbeiten vor gut einer Woche zur Verfügung.

„Entspanntere Situation“

Behördensprecher Ralf Ströher sagt, dass alle Bundespolizisten am Hauptbahnhof mit Transpondern zur Öffnung des Raumes ausgestattet sind, weitere Exemplare seien an die Landes- und Stadtpolizei ausgegeben worden. Die Polizeiobermeister Wienchol und Miosga freuen sich darüber, dass sie ihre Arbeit nun in größerer Ruhe und abseits der Besucherströme machen können. Es komme nämlich immer wieder vor, dass Schaulustige ankommen, stören und sich einmischen. Ströher ergänzt, dass es auch für die kontrollierten Personen angenehmer sei, abseits der Augen Dritter durchsucht zu werden. „Die Situation wird so einfach für alle Beteiligten entspannter.“

Bei dem 30-jährigen Afghanen finden die Bundespolizisten am Montag übrigens kein Rauschgift. Dafür, dass er mit der Drogenszene zu tun hat, spricht aber die Alufolie in seinen Taschen: „Die wird gern für Crackplömbchen, also zum Einwickeln von Crack, verwendet. Oder zum Aufkochen von Rauschgift“, sagt Miosga. Der Durchsuchte wird schließlich wieder entlassen, die beiden Ordnungshüter setzen ihre Streife in der B-Ebene fort. Das nächste Projekt zur Verbesserung der Situation könnte die Schließung von Abgängen der B-Ebene sein, die die Drogenszene gern als Rückzugsorte nutzt – darüber wird aber derzeit noch beraten.

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