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Benjamin Krieg ist der neue Pfarrer der evangelischen Kreuzgemeinde. Für einen Seelsorger hat er ein ungewöhnliches Hobby: Rugbyspieler.

Porträt

Der Rugby-Seelsorger: Ist das Frankfurts sportlichster Pfarrer?

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Der Umzugswagen hat es nicht weit: Wenn der neue Pfarrer der evangelischen Kreuzgemeinde mit seiner Frau in Preungesheimer Pfarrhaus zieht, kommen sie aus dem benachbarten Eckenheim. Seinen ersten Gottesdienst hielt Benjamin Krieg gestern, am 20. Januar wird er offiziell ins Amt eingeführt.

Unbekannt war ihm Preungesheim nicht, als sich Benjamin Krieg (39) als Pfarrer bei der evangelischen Kreuzgemeinde bewarb. Zwar war er zuletzt Pfarrer in Darmstadt, am Flughafen und bis zum 30. November in Trebur – doch er und seine Frau leben in Eckenheim. Gestern hielt er zusammen mit Helga Weber, seinen Kollegin der anderen Preungesheimer evangelischen Gemeinde, der Festeburggemeinde, seinen ersten Gottesdienst.

„Ich freue mich auf die Gemeinde“, sagt Krieg. Ist er doch in ähnlich dörflichen Verhältnissen aufgewachsen: Sein Vater war Pfarrer in Bad Vilbel-Massenheim, dort und im Vilbeler Stadtteil Heilsberg wuchs Benjamin Krieg auf, machte am Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasium sein Abitur. „Ich weiß, welche Schätze man in diesen Gemeinden heben kann, wie sie durch die Mitarbeit der vielen Menschen, die sich in ihr engagieren, getragen werden. Aber auch durch die vielen Feste, die in der Gemeinde und im Ort gefeiert werden.“ Er kenne auch Innenstadt-Gemeinden wie die Johannesgemeinde in Darmstadt, aber sein Eindruck sei: Jene am Rande der Stadt passen besser zu ihm. 

Familientradition

Obwohl auch sein Groß- und Urgroßvater Pfarrer waren, sei sein beruflicher Weg nicht automatisch vorgezeichnet gewesen, erzählt Krieg. „Ich begann, Geschichte und Philosophie zu studieren, brach eine Lehre zum Buchhändler ab und studierte zwei Semester Forstwissenschaften.“ Offenbar habe er ausprobieren wollen, ob es für ihn nicht doch einen anderen Weg gebe als der Pfarrerberuf, sagt Krieg. Dann studierte er doch Theologie, zunächst in Frankfurt, dann in Heidelberg und in Mainz, arbeitete als Vikar in Egelsbach. Und weil „der Flughafen mich schon immer faszinierte“, übernahm er eine halbe Stelle bei der Flughafenseelsorge, die 2016 jedoch auslief.

„Weil meine Frau im Bürgerhospital arbeitet, wollte ich gerne eine Pfarrstelle in Frankfurt“, sagt Krieg. Er hätte sich auch gut vorstellen können, ganz am Flughafen zu arbeiten – doch eine Kollegin bekam die dort verbliebene Seelsorgestelle, als diese 2017 neu vergeben wurde. Gemeinsam mit seiner Frau habe er überlegt, welche Art Pfarrstelle passen würde, „schließlich zieht sie ja mit ins Pfarrhaus ein“. Das Amt des Pfarrers stelle dessen ganze Familie in den Blick der Öffentlichkeit. Nur zwei Wochen nach der Absage von der Flughafenseelsorge sei die Preungesheimer Pfarrstelle ausgeschrieben worden. „Ob das ein Zufall ist?“, fragt Krieg schmunzelnd.

Am 1. Dezember, mit dem Beginn des Kirchenjahres, hat Krieg seine neue Stelle angetreten, von nun an geleitet er die Kreuzgemeinde durch die Advents- und Weihnachtszeit. „Ich finde, diese Zeit ist sehr schön, um als Pfarrer der Kreuzgemeinde meinen Dienst zu beginnen.“ Die offizielle Amtseinführung findet am Sonntag, 20. Januar, mit Prodekan Holger Kamlah statt. Der Festgottesdienst beginnt um 15 Uhr.

„Im Anschluss an den Gottesdienst werden wir im Turmraum der Kreuzkirche einen kleinen Empfang vorbereiten“, teilt Kirchenvorstand Marie-Luise Raab auf der Internetseite der Gemeinde mit. Der Umzug von Eckenheim ins Preungesheimer Pfarrhaus ist für Ende Januar geplant. Dort wird es voraussichtlich ab April etwas lebhafter, denn dann soll Kriegs erstes Kind auf die Welt kommen. 

Hart, aber respektvoll

Und dann ist da noch der Sport, ohne den, wie Krieg sagt, er seinen Beruf nicht so gut ausüben könnte, weil er ein „wunderbarer Ausgleich“ ist: Seit ein Freund ihn vor zehn Jahren zum Training mitnahm, spielt der Pfarrer Rugby bei Eintracht Frankfurt. „Es ist ein Mannschaftssport, hart, aber mit einem ungeheuren Zusammenhalt. Der Sport ist von viel Respekt geprägt, nicht nur im eigenen Team, sondern unter allen Spielern.“ Was man auch daran sehe, das die Fans nicht wie im Fußball in „Blöcken“ ihre Teams anfeuern, sondern bunt gemischt auf der Tribüne sitzen.

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