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Susanne Konrad hat alle 43 Frankfurter Stadtteile in einem Buch vereinigt.

Susanne Konrad lädt zum literarischen Streifzug ein

Frankfurts Stadtteile auf 274 Seiten

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Mit Gedichten, Erzählungen und historischen Geschichten bietet Susanne Konrad den Lesern ihres neuen Buches „Frankfurter Einladung“ einen literarischen Einblick in die 43 Stadtteile der Mainmetropole.

Susanne Konrad ist aufgeregt. Immer wieder streicht sie sich eine widerspenstige Locke aus dem Gesicht, vorsichtig rückt sie ihre Brille zurecht. Heute Abend präsentiert sie ihr neues Buch bei einer Lesung in der Stadtteilbücherei Dornbusch. Ihrem Dornbusch. Dem Stadtteil, in dem sie seit 20 Jahren glücklich ist. „Auf der einen Seite freue ich mich darauf, hier am Dornbusch aus dem Buch lesen zu können. Allerdings bin ich ein bisschen nervös. Denn ich werde die Veranstaltung auch moderieren“, sieht sie diese Doppelrolle als besondere Herausforderung an.

„Frankfurter Einladung“ heißt ihr jüngstes Werk. Susanne Konrad ist nicht nur Autorin, sie ist auch die Herausgeberin des Buches mit dem bunten Cover. In verschiedenen Farben und Schriftarten sind darauf die Namen der 43 Frankfurter Stadtteile abgedruckt. Ob Ginnheim, Eschersheim, das Ostend, der Riederwald oder auch der Dornbusch – keiner wurde vergessen.

Insgesamt 39 Autoren haben den Stadtteilen in Konrads Buch ein literarisches Gesicht gegeben. Mit einer Erzählung, einer ortskundigen Betrachtung oder einer historischen Geschichte. „Die Zusammenstellung ist so bunt wie Frankfurt selbst“, sagt Konrad, die es sich freilich nicht hat nehmen lassen, den Beitrag für den Dornbusch selber zu verfassen. Aber auch für Kalbach hat sie ihre Finger über die Computertastatur fliegen lassen. Schließlich hat die gebürtige Bonnerin zehn Jahre dort gelebt. Mit ihrem ersten Mann und ihrer Tochter. Die Liebe war es schließlich, die sie an den Dornbusch verschlug.

Nach dem Tod ihres ersten Mannes lernte sie ihren jetzigen Ehemann kennen und verliebte sich. „Vielleicht war es Schicksal, dass er am Dornbusch wohnte. Dem Stadtteil, der mir schon immer am Herzen lag“, so Konrad. Deswegen war sie auch Stadtteilhistorikerin der Polytechnischen Gesellschaft und machte sich auf die Suche nach der Identität ihres Stadtteils.

Weil Susanne Konrad aber gerne etwas zu tun hat und zudem auch über den Tellerrand hinaus, sprich in die anderen Stadtteile hineinschauen wollte, entwickelte sie im Sommer 2015 die Idee für ihr jüngstes Werk. „Ich habe solch eine Freude daran gehabt, mich mit meinem Stadtteil auseinanderzusetzen und war mir sicher, dass es anderen Menschen genauso geht“, sagt die promovierte Literaturwissenschaftlerin.

Gesagt, getan. Sie schrieb die ihr bekannten Autoren an, im sogenannten Schneeballsystem wurde ihr Anliegen weiter verbreitet. Über die Stadtteilhistoriker, die Frankfurter Literaturszene aber auch den Verband deutscher Schriftsteller knüpfte sie neue Kontakte. Mit einem ersten Konzept in der Hand präsentierte sie ihre Idee dem Frankfurter Größenwahn Verlag. „Dort war man begeistert und schon begannen die Planungen“, erzählt sie.

Man einigte sich auf 43 Frankfurter Stadtteile und zwei Siedlungen, die im Buch präsentiert werden sollten. Wobei die Stadtteilgrenzen für Konrad weniger wichtig waren. „Es geht um die gefühlte Beziehung zum Stadtteil und nicht um Grenzen“, sagt sie.

Darauf hat sie auch bei der Wahl der Autoren großen Wert gelegt – entweder wohnen sie im Stadtteil, haben dort gelebt oder es gibt eine andere Beziehung. Als sie sich selber mit ihren beiden Stadtteilen – Kalbach und Dornbusch – beschäftigte, hat sie erneut gemerkt, wie unterschiedlich diese doch sind.

„Kalbach ist ländlich, die dort lebenden Menschen haben ländliche Erinnerungen und Werte. Der Dornbusch ist städtisch und trotzdem bürgerlich, aber immer in Bewegung. Das kommt durch die neu hinzugezogenen Menschen, wie die Studenten. Sie bringen hoffentlich eine bessere Infrastruktur in den Stadtteil“, beschreibt sie ihre beiden Herzens-Stadtteile. Aber auch, wenn sie noch so eng verbunden ist mit dem Dornbusch, so findet sie eine Sache auch etwas schade: „Durch die Eschersheimer Landstraße ist es ein Durchgangsstadtteil. Seine Identität und seine Schönheit sieht man oft erst auf den zweiten Blick.“

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