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Der Wetterbericht ist nur eine von mehreren Informationen, die über die Monitore in der ?Smart Tram? angezeigt werden.

VGF testet Zug mit WLAN

Frankfurts Straßenbahn entdeckt die digitale Welt

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Automatisch öffnende Türen, kostenloser Internet-Zugang, Informationen über Störungen und Anschlüsse: Frankfurts Straßenbahnen sind auf dem Weg in die virtuelle Welt. Vorerst aber wird nur ein Zug getestet.

Als die Firma Siemens Anfang 1993 die erste Straßenbahn des Typs R nach Frankfurt lieferte, war es das modernste Fahrzeug der Welt. Erstmals wurde eine komplett niederflurige Tram gebaut, bei der an allen Türen ein bequemer Einstieg möglich war. Doch der Wagen bereitete zahlreiche Probleme, nach der Lieferung von 40 Wagen war 1997 Schluss.

Aus dieser Serie sind heute wegen Unfällen noch 38 Fahrzeuge im Einsatz. Zum alten Eisen gehören sie noch nicht. Ganz im Gegenteil: Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) will sie zusammen mit Siemens zur „Smart Tram“ machen. Ein Wagen wurde mit modernster Elektronik ausgestattet, er wird jetzt ein Jahr lang getestet. Danach wird entschieden, ob auch die übrigen umgerüstet werden. 250 000 Euro hat die Ausstattung des Prototyps gekostet. In Serienproduktion wird es voraussichtlich aber billiger.

Am Montag wurde die erste Straßenbahn mit neuer Technik präsentiert. Fahrgäste bemerken die Neuerung schon beim Einsteigen an bestimmten Türen: Es ist nicht mehr nötig, auf den Knopf zu drücken. Die Technik erkennt, wenn jemand vor der Tür steht und öffnet automatisch. Im Fahrzeug selbst fallen vor allem die großen Monitore auf, die man in ähnlicher Form aus den neuen S-Bahnen kennt. Darauf werden der Linienverlauf und Umsteigemöglichkeiten, aber auch Wetterbericht und Nachrichten angezeigt.

Wer es individueller will, zückt sein Smartphone und verbindet sich über das kostenlos zur Verfügung gestellte drahtlose Netz mit dem Internet. Auf der VGF-Seite werden dann standortspezifische Informationen zum öffentlichen Nahverkehr angezeigt. Im Falle von Störungen bekommt man zum Beispiel Hinweise auf alternative Routen. Falls der „Saft“ ausgeht, gibt es zwei Ladeanschlüsse.

Eine Information ist bundesweit einmalig: In der „Smart Tram“ ist eine Kamera auf den Stellplatz für Rollstühle und Kinderwagen gerichtet. Sie erkennt, ob der Platz frei oder belegt ist. Auf dem Smartphone kann man sich diese Information anzeigen lassen. Daneben gibt es Kameras, die ein 360-Grad-Panorama aufnehmen. Diese Bilder kann sich der Fahrer im Führerstand auf einem Tablet-Computer anzeigen lassen – aber nur wenn die Tram steht, während der Fahrt wird das Gerät automatisch abgeschaltet. Vier Außenkameras ermöglichen dem Fahrer einen besseren Überblick über das Geschehen am Bahnsteig. Eine Frontkamera und ein Radarsensor sollen helfen, Zusammenstöße zu vermeiden.

Die Innen- und Außenbeleuchtung wurde komplett auf moderne LED-Technik umgestellt, was vor allem die Wartungskosten senken soll. Ersatzteile dafür müssen übrigens künftig nicht mehr beim Hersteller geordert werden. Die VGF kann sie selbst im 3-D-Drucker anfertigen. Auch deshalb werden die einst ungeliebten Fahrzeuge wohl noch einige Jahre auf Frankfurts Schienen unterwegs sein.

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