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Frankfurts Trambahnen und Busse sind zu langsam

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Die Linie 30 fährt auf einer Busspur in der Kurt-Schumacher-Straße zwischen Schöne Aussicht und Stadtwerke. FOTO: enrico Sauda
Die Linie 30 fährt auf einer Busspur in der Kurt-Schumacher-Straße zwischen Schöne Aussicht und Stadtwerke. © Enrico Sauda

Im deutschlandweiten Geschwindigkeits-Vergleich liegt Frankfurt am unteren Ende - seit Jahren. Verschiedenste Maßnahmen des Verkehrsdezernats helfen nur mäßig und langsam.

Frankfurt -Die Beschleunigung von Straßenbahnen und Bussen nimmt in Frankfurt nur zögerlich Fahrt auf. Vor allem mit weiteren Busspuren will die Stadt die bisher noch sehr langsamen Verkehrsmittel beschleunigen. Die kommen bisher nur sehr gemütlich durch die Stadt.

13 bis 19 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt: Das schaffen die Straßenbahn- und die Metrobuslinien bisher - mit Ausnahme der Linie 17, die auf ihrer langen Strecke durch den Stadtwald schneller vorankommt. "Eine niedrige beziehungsweise sehr niedrige Liniengeschwindigkeit" sei das, auch im deutschlandweiten Vergleich, räumt der Magistrat in einem vor kurzem veröffentlichten Bericht ein.

Situation in Frankfurt wird nur langsam besser

Damit reißen die beiden Verkehrsmittel auch das Ziel, dass ihnen die Stadtverordneten selbst im Nahverkehrsplan vorgeschrieben haben: 24 Stundenkilometer sind es bei der U-Bahn und beim Expressbus, mindestens 19 Stundenkilometer für Tram und Metrobuslinien. "Zur Erhöhung der Liniengeschwindigkeiten und der Erreichung der Vorgaben sind ÖPNV-Beschleunigungsmaßnahmen erforderlich", betont Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Keine neue Erkenntnis: Dass die Öffis in Frankfurt so langsam sind, ist seit vielen Jahren immer wieder Kritikthema. Von 1992 bis 2012 erhöhten sich die Fahrzeiten der Trams um 3,5 Prozent, die der Busse sogar um 8,5 Prozent.

Verbessert aber wird die Situation nur nach und nach. "Im gesamten Stadtgebiet wird kontinuierlich daran gearbeitet, die Fahrgäste im ÖPNV zum Beispiel durch Erneuerung und Modernisierung von Lichtsignalanlagen sowie die Optimierung der Ampelschaltungen pünktlicher und schneller an ihr Ziel zu befördern", heißt es von Majer. Vorteil: Schnellere Trams und Busse locken mehr Fahrgäste an, die kürzeren Reisezeiten sparen zudem Betriebskosten ein. Allerdings warnt Majer: "Die deutlichere Stärkung des ÖPNV erfordert stets eine Abwägung mit den Interessen anderer Verkehrsteilnehmer." Da der Straßenraum knapp sei, entstünden oft "Nutzungskonflikte", besonders mit motorisiertem Individualverkehr "und zunehmend auch mit dem Fahrradverkehr". Sprich: Soll die Tram mit Fahrgästen schneller fahren, müssen Autos, Radler und Fußgänger länger warten.

Bilanz der Frankfurter Maßnahmen ist überschaubar

Und was macht die Stadt nun konkret? Die Bilanz ist überschaubar. 24 Ampeln seien 2019 und 2020 mit Fördergeld des Bundes aus dem Programm "Saubere Stadt" erneuert und mit ÖPNV-Bevorrechtigung ausgestattet worden. Davon profitierten die Straßenbahnlinie 12 im Nordend und Bornheim, die Buslinie M 36 in Sachsenhausen, Nordend, Westend und Bockenheim sowie die teils parallel fahrende Linie 30.

Die Linien seien nun pünktlicher unterwegs, der Fahrplan stabiler, erklärt Majer. Zwischen Sachsenhäuser Warte und Affentorplatz sparten die Linie 30 und M36 in Summe 30 Sekunden Fahrzeit ein. Als nächstes sollen nun die Linien M55 und M72/73 beschleunigt werden, indem auf ihren Strecken Ampeln erneuert und passend ausgestattet werden. "Da insbesondere der Stadtteil Höchst durch sein sehr dichtes Busnetz mit zahlreichen Linien und einem sehr hohen Fahrgastaufkommen geprägt ist, führen Vorrangschaltungen zu wertvollen Synergieeffekten", hofft der Dezernent. Hier fährt der M55er.

Verbessert worden sei stadtweit auch die Datenversorgung von Ampeln und Straßenbahnfahrzeugen. Dadurch erhielten diese bei spontanen Umleitungen auf diesen Strecken nun ebenfalls eine Beschleunigung. Ebenso werde durch den barrierefreien Umbau von Haltestellen Zeit eingespart - da sich die Fahrgastwechselzeiten dadurch verkürzten.

Markierungen allein können schon helfen

Auch bauliche Veränderungen machen die Öffis schneller. So seien bereits an drei Stellen Leitelemente, teils mit kleinen Pföstchen, markiert worden, um Autos und Laster von der Straßenbahntrasse fernzuhalten, etwa in der Hedderich- und der Münchener Straße. Die Pünktlichkeitsauswertungen der Tram-Linien zeigten den Erfolg: Sie seien nun spürbar pünktlicher unterwegs.

Auch Markierungen helfen. So spart die Linie M55 drei Minuten ein, weil sie seit Ende 2019 in der Westerbachstraße zwischen Rödelheim und Sossenheim auf einem 450 Meter langen eigenen Fahrstreifen rollen kann. Anderthalb Minuten schneller kommen auch 30 und M36 voran, da sie an der Kreuzung Walter-Kolb-/Elisabethenstraße seit 2021 eigene Spuren haben und zuvor schon in der Kurt-Schumacher-Straße nördlich der Schönen Aussicht.

Das Markieren der Busspuren ist dieses Jahr fortgesetzt worden. So kamen Busspuren in der Zeppelinallee, in der Bockenheimer Landstraße und am Heiligenstock hinzu. Hier profitieren die Linien M32 und M36 sowie der 30er. In der Zeppelinallee hilft die Spur, damit Busse zumindest am letzten Stück des Staus vor der Kreuzung schnell vorbeikommen.

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