Jochen Ditschler steht vor dem Eingang zur Stadtkämmerei.
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Jochen Ditschler steht vor dem Eingang zur Stadtkämmerei.

Neuer Stadtführer von Jochen Ditschler

Frankfurts verborgene Details

  • VonGernot Gottwals
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Mit seinem neuen Stadtführer schärft Jochen Ditschler den Blick für Details und Kuriositäten – vom üppigen Rathausschmuck am Römer bis zu den zwei Rathäusern des „geteilten“ Dorfs Niederursel.

Wer sich historische Monumente anschaut, achtet zunächst oft eher auf den Gesamteindruck. Doch Jochen Ditschler (50) schaut genau hin und entdeckt dabei jene scheinbar versteckten Gestalten, die sich dem flüchtigen Blick entziehen: „Das können die Flussgötter und Fische vom Liebfrauen oder Märchenbrunnen am Willy-Brandt-Platz sein oder die vielen Spielarten des Stadtadlers und der personifizierten Francofurtia am Römer“, erklärt er.

Sechs Touren

Figuren, Uhren, Säulen und Balken: Solche und andere Bauteile sowie die damit gebauten und gestalteten Kirchen, Musentempel, Rat- und Fachwerkhäuser hat Jochen Ditschler nun in seinem neuen Stadtführer „Frankfurt en Détail“ zusammengefasst. Dazu hat er drei Exkurse sowie sechs Spaziertouren zu Fuß und mit dem Rad von der Innenstadt bis nach Bergen-Enkheim und Sindlingen ausgearbeitet. Dabei stellte er fest, dass auch die Frankfurter Gebäude sehr vielschichtige Geschichten erzählen.

„So sind der Saalhof und der Römer eher Ensembles aus vielen Häusern aus mehreren Jahrhunderten“, stellt er fest. „Dafür hat Niederursel statt einem sogar zwei Rathäuser, weil es schon Jahrhunderte vor der Eingemeindung zwischen Frankfurt und Solms geteilt war.“ Solche an sich bekannten, aber oft übersehenen Kuriositäten erkundet Ditschler mit Ehefrau Bernadette Ditschler-Kuhnert leidenschaftlich gerne in der Freizeit auf Spaziergängen und Radtouren – denn öffentliche Verkehrsmittel kommen nur ausnahmsweise zum Einsatz.

„Die Idee zum Buch ergab sich aus einer Serie von 1000 Bildern von Sehenswürdigkeiten in Frankfurt und Hessen“, berichtet Ditschler. Allerdings konzentrierte er sich für den Frankfurtführer auf ältere historische Highlights und zog die Grenze etwa bei 1920. „Das ist auch wichtig für ein handliches und übersichtliches Buch, das in die Tasche passen soll.“

Dass ihn die Kombination von Historie und Moderne trotzdem reizt, beschreibt er anhand des Odeon: Ein erstes von Simon Moritz von Bethmann gegründetes Antikenmuseum, in dem der gebürtige Bad Nauheimer Technoparties feierte, Großstadtluft schnupperte und seine Lehre als Diplom-Verwaltungswirt begann.

An die Ariadne mit Panther kam der Autor noch gut heran, anderswo musste er die Figuren für sein Buch aus luftiger Höhe heranholen. Dafür nutzte er den Zoom seiner Kamera und bildete den Schoppenpetzer oder Mann mit dem Telefonhörer an der Seitenfassade des Rathauses in der Limpurgergasse ab, als wären sie freistehende Statuen. Eine Brücke schlägt jener Anrufer auch zu Ditschlers Beruf: Denn er arbeitet heute als Sachgebietsleiter des Servicecenters im Bürgeramt. Und so mancher Kunde, der dort anruft und sich eigentlich nach seinen Pässen und Ausweisen erkundet, bringt Ditschler auf neue Ideen, wenn er nebenbei etwa vom endlich zu sanierenden Bolongaropalast spricht – die Residenz eines Höchster Italieners, der kein Frankfurter Bürger werden durfte.

So entstehen Touren zu Frankfurts herrschaftlichen Bauten mit ihren Statuen und Malereien und zu Frankfurts Wachtürmen und Befestigungsanlagen: Darunter auch die kleine Berger Warte weit abseits des Frankfurter Landwehrrings und die Riederhöfe, die etwas versteckt im Nirgendwo zwischen Ostend und Fechenheim liegen und für die Pendler auf der Hanauer Landstraße meist unsichtbar bleiben.

Religiöse Orte

Ein eigenes Kapitel widmet Ditschler freilich auch den „Religiösen Orten“. Auch hier hat er seine Lieblingsplätze: „Etwa die Maria-Schlaf-Kapelle im Kaiserdom, eine der wenigen echten alten Ecken, die sich erst richtig erschließt, wenn man hinter das Gitter gehen darf.“ Oder das Tympanon mit den Heiligen Drei Königen in der Liebfrauenkirche. Die Westendsynagoge wird als „Jugendstil-Glaubenspalast“ mit neoklassizistischen und maurischen Zitaten gewürdigt.

Auch dem „Besuch bei den Toten“ widmet er ein eigenes Abschlusskapitel, da Ditschler den Hauptfriedhof mit zahlreichen Gräbern und Grabfiguren für den schönsten Park Frankfurts hält. „Ich hoffe, niemand hält mich deshalb für einen morbiden Gothic-Fan“, schreibt Ditschler. Aber hier könne man 200 Jahre Frankfurter Leben und Geschichte auf sich wirken lassen. Und der Jüdische Friedhof bekommt freilich auch sein eigenes Kapitel.

Das Buch „Frankfurt en Détail“ ist bei Henrich-Editionen erschienen und zum Preis von 14,98 Euro im Buchhandel erhältlich.

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