+
Vom Park der Philosophisch-Theologischen Hochschule aus hat man einen freien Blick bis zum Hochhaus der EZB auf der anderen Mainseite. Dazwischen das mit Wein bewachsene Vorlesungsgebäude. Das Gelände liegt genau an der Grenze zwischen Sachsenhausen und Oberrad.

Botanisches Kleidod

Park von Sankt Georgen: Frankfurts vergessener Park

Er ist Hessen größter - öffentlich zugänglicher - Privatpark und mit seinen rund 1200 Baum- und Pflanzensorten ein botanisches Kleinod. Und ein Stück vom Paradies, wie die Jesuiten sagen, unter deren Trägerschaft die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen steht, die der Park umgibt. Ein Rundgang. Auch zu einer Papst Franziskus gewidmeten Zeder.

Frankfurt - So herrlich er auch war: Der heiße Sommer 2018 hat im Park von Sankt Georgen Spuren hinterlassen. Und auch dieser Sommer zehrt an seinen Stämmen und Ästen.

Aufstrebend erhob sich der Spitzahorn viele Jahre im Nordosten des Parks von Sankt Georgen aus der dichten Busch- und Strauchlandschaft. Doch am Ende war er deutlich geneigt. "Im vergangenen Sommer schlug ein heftiger Blitz ein. Ohne Krone ist der Baum nicht mehr ausbalanciert und die Verkehrssicherheit dadurch nicht mehr gewährleistet", erklärt Peter Roche, Verwaltungsleiter der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

Der Spitzahorn ist Geschichte, auch an der ein oder anderen Stelle nahe der Hochschulgebäude ist nur noch ein Stammabdruck eines einst stolzen Baumes zu erkennen. Dennoch bleibt Roche selbst bei den derzeit herrschenden Temperaturen gelassen: "Wir haben immer noch einen recht üppigen Bestand mit 660 Bäumen und zahlreichen Sträuchern und Pflanzen."

Anfang im 19. Jahrhundert

Doch rund 40 Bäume werden in den nächsten Tagen im englischen Landschaftspark, der historisch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht, noch gefällt werden müssen. Betroffen sind davon vor allem Fichten und Ahorne, die unter der Trockenheit des vergangenen Sommers besonders gelitten haben. "Wenn dem Wurzelwerk über längere Zeit Wasser fehlt, ist das kaum noch aufzuholen."

Zwar sind mindestens 25 Nachpflanzungen mit weniger empfindlichen und wetterresistenten Bäumen wie Linden, Ulmen und Eichen auf dem Gelände des Parks vorgesehen. "Doch an manchen Stellen mit bereits ziemlich dichtem Bewuchs oder nur wenig Abstand zu Nachbargrundstücken werden wir wohl darauf verzichten", sagt Roche. Insgesamt wird die Fällung, Entfernung von Totholz, Untersuchung und Nachpflanzung derzeit mit rund 130 000 Euro veranschlagt - mehr Geld, als der Jahresetat der Hochschule mit rund 110 000 Euro für die gesamte Parkpflege umfasst.

Deshalb wird sich die Hochschule Hilfe holen müssen: Sponsoren unter den Freunden von Sankt Georgen kommen dafür in Frage, ein Rundbrief wird demnächst versandt. Vom Grünflächenamt wurde bislang noch keine finanzielle Unterstützung zugesagt: Denn dort, so Roche, unterstütze man nicht die Pflege im Bestand, sondern nur neue Begrünungsaktionen wie den Wilden Wein am Hörsaalgebäude.

Am Ende geht es um den Erhalt eines grünen Juwels, das bis heute als der größte Privatpark in Hessen gilt: 1840 erwarb der Bankier Georg von Saint-George, der auch zum Namenspatron für die 1926 gegründete Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen wurde, den nordwestlichen Teil des heutigen Parkgeländes. Er beauftragte den Landschaftsgärtner Sebastian Rinz, den ursprünglichen bäuerlichen Ziergarten in einen englischen Landschaftsgarten umzuwandeln. 1863 erweiterte Saint Georges älteste Tochter Catharina Elisabeth Grunelius den Park durch zahlreiche Grundstücksankäufe bis zur Balduinstraße und zum Goldbergweg. Heute stehe Hochschule, Wohnheim und Park unter jesuitischer Trägerschaft.

Auch ein Mammut

"Wenn heute die Fachexperten aus dem Botanischen Garten kommen, dann stellen sie oft fest, dass wir hier Gewächse und Gehölze haben, die bei ihnen nicht angehen", stellt Roche fest. Ein Grund mag in dem sandig-lehmigen Boden und dem Gefälle liegen, der das Regenwasser lange hält.

Ein weiterer Grund liegt im unermüdlichen Eifer des Theologen und Biologen Pater Rainer Koltermann, der den Park von 1974 bis zu seinem Tod 2009 pflegte: Ihm verdankt der Park seinen heutigen Bestand von rund 1170 Gewächsen, chinesische und japanische Gärten sowie seltene Gewächse wie den Urwaldmammutbaum, den Koltermann noch als Student pflanzte.

Zwei Mal im Jahr kommt ein Baumgutachter, um die Bäume sowohl im Winter als auch im Frühjahr zu überprüfen, wenn sie Blätter und Früchte tragen. "Als natürliche Gewächse bleiben Bäume immer ein Stück weit unberechenbar", räumt Roche ein. "Doch wenn der Gutachter einen wackeligen Baum zur Fällung bestimmt und wir dem nicht baldmöglichst nachkommen, dann tragen wir die Verantwortung für Sach- oder Personenschäden."

Gepflanzt, gegossen und gesegnet. Knapp drei Meter hoch ist die immergrüne Zeder, die 2013 am Namenstag des heiligen Franz von Assisi im Park von Sankt Georgen zu Ehren von Papst Franziskus in die Erde gebracht wurde. Und der wiederum kennt den Park sehr gut. Forschte der aktuelle Pontifex doch 1986 für drei Monate an der Philosophisch-Theologischen Hochschule. Sie wird von den Jesuiten geleitet, dem Orden, dem auch Franziskus angehört. "Wir wissen, dass er sich hier sehr wohl gefühlt hat", sagt Pater Wendelin Köster SJ, lange Jahre Rektor des Jesuiten-Kollegs. "Was lag da näher, als eine Franziskus-Zeder zu pflanzen?"

Und die gedeiht nun auf dem rund acht Hektar großen Areal des historischen Parks. "Er ist für uns ein kleines Stück vom Paradies", sagt Wendelin Köster. Dies ist auch der Titel einer reich bebilderten Broschüre. Mit einem Plan versehen, lädt sie zu einem Spaziergang durch das grüne Kleinod ein. Über 1000 teilweise seltene und exotische Gehölze finden sich hier, dazu Kunst und historische Gebäude.

"Wir Jesuiten betrachten den Park als eine Gabe, die wir mit anderen teilen sollen", sagte Köster. So stehe das Areal Besuchern täglich von 8 bis 20 Uhr offen. Und wer weiß, vielleicht wird sogar Papst Franziskus hier noch einmal spazieren gehen, seinen Baum besuchen. Ließ er doch in einer eigens für die Pflanzung übermittelten Grußbotschaft wissen: "In Sankt Georgen hat es mir sehr gut gefallen. Ich habe dort Ruhe und Inspiration gefunden. Sehr gerne würde ich diesen schönen Ort noch einmal besuchen." got

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare