Da muss der Baum-Beauty-Doc noch ran: Bisher sieht Gretel etwas ramponiert aus. Jörg Renneisen dürfte einiges zu tun haben, um die Fichte für den Weihnachtsmarkt aufzuhübschen.
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Da muss der Baum-Beauty-Doc noch ran: Bisher sieht Gretel etwas ramponiert aus. Jörg Renneisen dürfte einiges zu tun haben, um die Fichte für den Weihnachtsmarkt aufzuhübschen.

Weihnachtsmarkt

Frankfurts Weihnachtsbaum muss noch aushängen

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Die Spessart-Fichte "Gretel" steht jetzt vor dem Römer. Die Frankfurter nörgeln natürlich sofort los.

Frankfurt - Gretel ist kaum auf dem Römerberg angekommen, schon wird sie gehänselt. "Ei, wo habt ihr da die Krücke her", entfährt es einem Passanten hinter dem rot-weißen Flatterband, als die mit orangefarbenen Transportbändern befestigte Fichte auf dem Schwertransporter anrollt.

Zugegeben: Der diesjährige Weihnachtsbaum, der den Römer zieren soll, macht erstmal einen eher bemitleidenswerten Eindruck, so festgezurrt und liegend. Und vor allem: Dem 31 Meter hohen und 8,5 Tonnen schweren Baum aus dem Spessart fehlen unten zahlreiche Äste. Sofort werden Erinnerungen an einige Malheure der Vergangenheit wach. Etwa an 2015, als die stolze Baseler Fichte von einer Baustelle in Frankfurt geköpft wurde. Oder ans "Bäumsche-Gate" vom vorigen Jahr 2020, als Bertl auf einer Seite fast kahl ankam. Das Gerippe von einem Baum zog seinerzeit viel Häme auf sich.

Diesmal kann Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH Frankfurt (TCF), beruhigen: "Die Äste wurden abgeschnitten, weil der Baum sonst für den Transport zu breit gewesen wäre." Sie werden später auf Bretter bandagiert und wieder am Baum fixiert. Entwarnung also. Und auch sonst hat Feda, der den Weihnachtsbaum jedes Jahr aussucht und abnimmt, gute Nachrichten: Der Transport aus dem Jossgrund, wo Gretel 90 Jahre lang einsam am Waldrand stand, habe reibungslos geklappt. Die rüstige Lady kam heil in Frankfurt an - mitsamt Spitze.

Transport ist eine Herkulesaufgabe

Das sei keine Selbstverständlichkeit, der Transport jedes Mal eine Herkulesaufgabe, wie Rocco Schimmel betont, der als Projektmanager den Transport verantwortet. Die erste Hürde sei alle Jahre wieder das Abbinden der Äste, damit der Baum transportiert werden kann. "Da muss man extrem vorsichtig sein, damit die nicht abbrechen." Zwei Tage habe Jörg Renneisen, der auch für die Beleuchtung und das Schmücken des Baumes zuständig ist, dafür gebraucht.

Und dann muss die Fichte natürlich intakt auf dem Römerberg ankommen. "Da haben wir schon alles erlebt: Teilweise mussten reihenweise Straßenschilder und Ampeln abmontiert werden, damit der Baum unbeschadet das Ziel erreicht", erinnert sich Schimmel. Das war diesmal nicht nötig. Auch das Nadelöhr am Fahrtor meisterten Schimmel und sein Team souverän.

Zuvor war die Auserkorene von „Baumkosmetiker“ Renneisen auf Herz und Nieren geprüft worden. Ob ein Baum für den Römerberg taugt, entscheidet sich nicht nur an der Optik. Auch Höhe, Wuchs und Astdicke spielen eine Rolle. Und der Standort: Lässt sich die Fichte mit schwerem Gerät für den Abtransport auch gut erreichen? Bei Gretel konnte Renneisen hinter die meisten Kriterien einen dicken Haken setzen. 

Zufrieden wirkt auch TCF-Chef Feda. Er steht neben Gretel und beäugt die Arbeit der Frankfurter Berufsfeuerwehr, die Gretel von ihren Fesseln befreit. Es ist Tradition in Frankfurt, dass der Baum einen Namen bekommt. Diesmal sollte es ein weiblicher sein. Das gab es zuvor erst einmal. Nach Ines wird nun Gretel zum weihnachtlichen Blickfang vor dem Rathaus. Der Name ist eine Hommage an Gretels Herkunft, stammt die imposante Fichte doch aus dem Märchenwald der Brüder Grimm.

„Ein schöner Baum, gerade gewachsen, saftig grün und mit idealer Astdicke“, meint Feda. Trotzdem weiß er, dass nun die Nörgelei wieder losgeht. „Meckern über den Weihnachtsbaum hat in der Stadt fast schon Tradition.“  Zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein: Man könne es nie allen recht machen, meint der Stadtmanager.

Natürlich habe der Baum Makel, „aber man muss auch das Alter bedenken.“ Außerdem sei der Baum keine Züchtung aus der Baumschule, sondern wild gewachsen und deshalb „natürlich schön“, findet Feda. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist ebenfalls erleichtert: „Was ich gesehen habe, sieht besser aus als in den vergangenen Jahren.“

Dann geht es in die entscheidende Phase: Mit zwei Kränen heben die Feuerwehrleute den Baum vorsichtig in die Senkrechte und platzieren ihn behutsam in dem Köcher, einem zwei Meter tiefen Loch vor dem Römer. Zwei Stunden dauert das Prozedere.

Uff, die Spitze ist noch dran

Ging alles glatt? "Der Baum steht, und die Spitze ist noch dran - was will man mehr?", sagt Transport-Manager Schimmel und lacht. Etwas betrübt wirkt dagegen plötzlich Feda, der dem Spektakel am Rande beigewohnt hat. "Er sieht schon lädiert aus", ist der erste Eindruck des Obertouristikers. Gretel steht zwar aufrecht im Köcher, lässt aber noch die Äste hängen. "Naja, die Fichte muss sich ja erst noch aushängen", schiebt er hinterher. "Und wenn Herr Renneisen dann dran war, ist der Baum nicht wiederzuerkennen."

Nun folgt noch Stretching und Aufhübschen

Jetzt darf sich Gretel von den Strapazen der Anreise aber erst einmal erholen. Hilft das nichts, legt Baumschmücker Renneisen aus Hofheim auch schon mal Hand an und biegt die Äste vorsichtig in Form. Ein bisschen Stretching für Gretel.

Für mögliche kahle Stellen hat Renneisen noch ein Geheimmittel parat. Vor Jahren hat er Metallringe anfertigen lassen, quasi Manschetten, auf denen Hülsen sind, in die man dann Äste hineinstecken und festschrauben kann. So werden kleine Makel einfach und effektiv ausgebessert.

Ab dem 9. November beginnt dann das eigentliche Beauty- und Verwöhn-Programm für die Fichte: Renneisen wird die ersten Lichterketten anbringen und etwa 450 Schleifen in Rotmetallic. Am 15. November muss er fertig sein: Ab dann kommen die Beschicker und bauen ihre Stände für den Weihnachtsmarkt auf, der am 22. November beginnen soll.

Und was passiert mit Gretel nach der Weihnachtszeit? Dann geht es zurück in ihre alte Heimat, den Spessart: ins Schullandheim Wegscheide als Sitzgelegenheit. (Julian Dorn)

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