Neben diesem einen drehen sich drei weitere Windräder im Windpark Karben direkt nördlich der Frankfurter Stadtgrenze: Zwei der Windräder gehören der Mainova seit 2019. Sie möchte auf Frankfurter Stadtgebiet gern weitere vier Rotoren ergänzen. Ein Technik-Upgrade der Flugsicherung könnte das nun möglich machen.
+
Neben diesem einen drehen sich drei weitere Windräder im Windpark Karben direkt nördlich der Frankfurter Stadtgrenze: Zwei der Windräder gehören der Mainova seit 2019. Sie möchte auf Frankfurter Stadtgebiet gern weitere vier Rotoren ergänzen. Ein Technik-Upgrade der Flugsicherung könnte das nun möglich machen.

Erneuerbare Energie

Windkraft-Pläne: Kommen die Windräder doch nach Frankfurt?

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
    schließen

In Frankfurt sollten schon vor Jahren Windräder entstehen. Die Nähe zum Flughafen Frankfurt verhinderte das Projekt. Jetzt könnten die Anlagen doch kommen.

Frankfurt – Sechs Jahre herrschte Windstille bei den Frankfurter Windradplänen. Nun könnten sie frisch aufleben. Bisher verhinderten mögliche Störungen in der Flugzeugnavigation den Bau der Anlagen bei Nieder-Erlenbach und Bergen-Enkheim. Dieses Problem könnte sich nun bald erledigen.

Windkraftinvestoren und Stromversorger sind noch vorsichtig, was nach langen Jahren des Verhandelns, Prozessierens und Wartens kaum verwundert. Doch mit wem man spricht, überall klingt Optimismus durch: In einigen Jahren könnten sich Windräder in Frankfurt drehen.

Windräder in Frankfurt: Vor Gericht einst gescheitert - wegen der Nähe zum Flughafen Frankfurt

Den frischen Wind in die Rotorenplanung bläst die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen. Sie war es, die die Windradpläne in Frankfurt stoppte. Frankfurts städtischer Energieversorger Mainova und Investor Abo-Wind aus Wiesbaden wollten vier Windräder nördlich von Nieder-Erlenbach direkt an der Stadtgrenze aufstellen - direkt neben den dort sich schon seit Jahren drehenden vier Karbener Windrädern. Und Investor Renertec aus Brachttal (Main-Kinzig) plante den Bau von drei Windrädern auf dem Berger Rücken an der Hohen Straße nördlich von Bergen-Enkheim.

Beide Vorhaben scheiterten 2014 und 2015 vor dem Verwaltungsgericht: Die DFS hatte die Genehmigungen versagt, da die Rotoren die Navigation der Flugzeuge stören könnten. Jene orientieren sich beim An- und Abflug nach und von Frankfurt unter anderem an den Drehfunkfeuern "Metro" bei Niddatal-Erbstadt (Wetteraukreis) und "Charlie" bei Aschaffenburg. Weil in deren Schutzbereich, einem Umkreis von 15 Kilometern, schon zu viele Windräder stehen, registrierte die Flugsicherung bereits Störungen. Die Navigationsgeräte der Flugzeuge nutzen die Signale der Funkfeuer als Peilung, Störungen sind gefährlich.

Eine kürzlich veröffentlichte Mitteilung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ändert die Situation grundlegend: Der Bund fördere die Aufrüstung der Drehfunkfeuer bis 2025, wodurch der Weg frei werde, damit bundesweit Windräder mit einer Gesamtleistung von 700 Megawatt gebaut werden könnten. Funkfeuer würden zu moderneren Doppler-Drehfunkfeuern umgebaut, erklärt DFS-Sprecherin Ute Otterbein: Bei ihnen "ist das Signal robuster, die Störwirkung von Windrädern fällt deutlich geringer aus".

Franfurt: Mainova und Renertec holen alte Pläne hervor

39 von 55 Drehfunkfeuern sind bundesweit schon umgebaut. Das geschieht mit dem Fördergeld des Bundes nun auch im Frankfurter Umland: Für "Charlie" sei der Umbau bis Ende 2023 geplant und für "Metro" bis Ende 2024, kündigt Otterbein an. Dass das Frankfurter Windräder wieder möglich machen könnte, bestätigt die Flugsicherung, wenn auch mit Vorsicht: Es sei "davon auszugehen", dass "die Zustimmungsfähigkeit für Windkraftanlagen in Anlagenschutzbereichen von Doppler-Drehfunkfeuern deutlich erhöht" sei, so Ute Otterbein. Das gelte auch für "Charlie" und "Metro". Allerdings sei nach wie vor für jedes Bauvorhaben eine Einzelfall-Analyse nötig.

Die Nachricht aus Berlin hat die bisher verhinderten Investoren mehr als nur aufhorchen lassen - mit einer Ausnahme: Abo-Wind habe sich nach dem Gerichtsurteil aus Frankfurt verabschiedet, erklärt Firmensprecherin Lena Fritsche. "Ob wir in Nieder-Erlenbach wieder aktiv werden, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen." Zumal die Planung ganz neu gemacht werden müsse, da zum Beispiel der Anlagentyp nicht mehr verfügbar sei.

Windräder in Frankfurt: "Wir denken immer in mehreren Jahren"

Die Mainova hingegen möchte die alten Pläne aufleben lassen. "Sollten sich die Rahmenbedingungen zugunsten dieses Windpark-Projektes verändern, halten wir unser grundsätzliches Interesse an einer Umsetzung am Standort Nieder-Erlenbach aufrecht", erklärt Mainova-Sprecher Sven Birgmeier. Man kenne aber die Zeitpläne der DFS noch nicht.

Deren Sprecherin Otterbein bestätigt, dass sich beide Seiten längst austauschen: "Es gab bereits Kontakte zwischen Projektierern und unseren Fachleuten hinsichtlich des Inbetriebnahmetermines." Das gilt ebenso für den Standort Bergen-Enkheim: "Wir sind in Kontakt mit der DFS", bestätigt Renertec-Chef Christoph Eckert. Eine Schwierigkeit an dem Standort sei, dass er noch nicht als Windkraftfläche im Regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesen sei. Immerhin: Aktuell arbeitet die Politik an dessen Neuaufstellung. "Wir versuchen, die Flächen in den Regionalen Flächennutzungsplan zu bekommen", sagt Eckert. Windkraftvorhaben seien stets Langfristpläne, habe er gelernt und seufzt. "Wir denken inzwischen immer in mehreren Jahren." (Dennis Pfeiffer-Goldman)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare