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Franziskustreff wird 30

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Von: Gernot Gottwals

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Der Franziskustreff für obdachlose Menschen feiert 30. Geburtstag. Zu diesem Anlass präsentiert Bruder Michael den Kurzfilm „Andy - Es kann jeden treffen“ des Dokumentarfilmers Kiêng Hoàng.
Der Franziskustreff für obdachlose Menschen feiert 30. Geburtstag. Zu diesem Anlass präsentiert Bruder Michael den Kurzfilm „Andy - Es kann jeden treffen“ des Dokumentarfilmers Kiêng Hoàng. © Michael Faust

Die Obdachlosenhilfe in Frankfurt präsentiert zu ihrem Geburtstag einen Kurzfilm über das Leben auf der Straße.

Es klirrt und kracht, dann landet Andy auf der Straße. Als er sich mit seinem Bündel der Frankfurter Skyline nähert, ist er nur noch als Schatten wahrnehmbar. „Du verlierst deinen Job, deine Frau, einfach alles. Du erkennst dich total wieder“, sagt Paul Bürger. Dabei ist es nicht einmal Andy persönlich, den er zur Premiere auf der Leinwand sieht.

Zusammen mit der freien Künstlerin Christine Hase und der Puppenspielerin Franka Ehret hat der Dokumentarfilmer Kiêng Hoàng zum 30. Geburtstag des Franziskustreffs für obdachlose Menschen im Liebfrauenkloster den Animationsfilm „Andy - Es kann jeden treffen“ mit Schattenrissen gedreht: So kann man die Bilder selbst interpretieren und mit Inhalt füllen. Wenngleich der Dokumentarfilmer Andy, der seit Jahren im Wald lebt und im Franziskustreff frühstückt, wirklich begleitet hat. Und so sind im Film auch die Umrisse der Klosterpforte mit den wartenden Obdachlosen erkennbar.

Dort gibt es zum 30. Geburtstag nur für einige Gäste Lachsbrötchen, Muffins und andere Köstlichkeiten. „Einen offenen Franziskustreff wie zum 25. Geburtstag, der den Passanten Einblicke in unsere Einrichtung gibt, können wir auch wegen der immer noch bestehenden Corona-Auflagen nicht bieten“, räumt Bruder Paulus Terwitte ein, Vorstand der Franziskustreff-Stiftung. „Vor Corona bewirteten wir 200 Gäste 45 Minuten lang, jetzt sind es immerhin 160 Gäste für 20 Minuten“, ergänzt Michael Wies, Guardian des Liebfrauenklosters und Leiter des Franziskustreffs.

Zurück geht die Aktion auf Bruder Wendelin Gerigk, der den Franziskustreff am 24. November 1992 mit einem Startkapital von nur 1500 Mark gründete. „Wenn Gott uns die Armen schickt, dann sorgt er auch für sie“, so seine Überzeugung. Und Bruder Paulus erklärt: „Damals gab es weniger Anlaufstellen für obdachlose Menschen, die wesentlich ungeschützter lebten als heute.“

40 000 Euro für das Frühstück

Dennoch konnte Bruder Wendelin damals seinen Frühstücksraum eröffnen, der Gastfreundschaft, Bedienung am Platz und bald auch Sozialberatung ermöglichte - bis heute. Das ist möglich dank einer treuen Gemeinschaft von Spendern und Wohltätern. Zudem hat Bruder Paulus gemeinsam mit der Deutschen Kapuzinerprovinz nach dem Tod Bruder Wendelins vor zwölf Jahren die Franziskustreff-Stiftung gegründet. Durch sie stehen nun bereits 40 000 Euro monatlich für die Frühstückszubereitung zur Verfügung. Wobei jeder Gast, wenn möglich, einen Eigenbeitrag von 50 Cent liefert.

„Und so können wir unseren Gästen inzwischen sogar fünf verschiedene Frühstücksteller anbieten“, freut sich Bruder Michael. Das Angebot reicht von Wurst und Käse über eine Fitnessvariante bis zu rein veganen Angeboten. Rund 450 Obdachlose gibt es zurzeit in Frankfurt, viele von ihnen suchen die Anonymität der Großstadt. „Doch nur ein Drittel unserer Gäste besteht aus Obdachlosen, ein weiteres Drittel aus Wohnungslosen, die in einer Einrichtung leben, und der Rest aus Menschen in Altersarmut“, erklärt Bruder Michael.

Auch Robert Bürger, der die Obdachlosigkeit aus langjähriger Erfahrung kennt, kommt mit seiner jetzigen Frau Manuela immer noch gerne hierher - dankbar nicht nur für gutes Essen, sondern viele aufmunternde Worte und hilfreiche Ratschläge.

Doch das reicht noch nicht aus: Da der Winter für Obdachlose ein gravierendes Problem darstellt, unterstützt der Franziskustreff auch die Winterübernachtung der Wohnungslosenhilfe der Caritas. Das Angebot wurde im vergangenen Jahr 3448-mal in Anspruch genommen. Ein weiteres Betätigungsfeld ist das Projekt Krankenstation: „Denn Obdachlose können sich ja nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht zu Hause auskurieren“, erklärt Bruder Paulus.

Auch Andy aus dem Animationsfilm hofft: „Ich möchte zurück ins normale Leben.“ Doch das ist nicht immer so leicht. „Frankfurt muss mehr Sozialwohnungen bereitstellen“, fordert Bruder Michael. Zumal auch die provisorischen Einrichtungen die Stadt auf Dauer viel Geld kosten würden.

Öffnungszeiten und Homepage

Der Franziskustreff ist montags bis samstags von 7.45 bis 11.15 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt’s im Internet unter: www.franziskustreff.de

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