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Französisch lernen leicht gemacht

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Von: Sabine Schramek

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Matheo Chirat zeigt den Schülern auf einer Karte Frankreich. Der junge Franzose gehört zum Team des France-Mobil.
Matheo Chirat zeigt den Schülern auf einer Karte Frankreich. Der junge Franzose gehört zum Team des France-Mobil. © Michael Faust

Deutschherrenschüler verlieren die Scheu vor der Fremdsprache

Matheo Chirat ist 23 Jahre jung und scheint kein Wort Deutsch zu sprechen. Dennoch traut er sich zu, Achtklässlern eine Doppelstunde in Französisch zu geben. Lässig, locker und typisch französisch fängt er die noch schüchternen 13- und 14-Jährigen ein. Spätestens bei der Frage, ob sie Crêpe, Brokkoli oder Fußball mögen.

Die Jugendlichen wissen nicht wirklich, was sie erwartet. Sie kichern und tuscheln neugierig. Seit der siebten Klasse lernen sie Französisch bei ihrer Lehrerin Maniga Ashrati, die gespannt ist, wie die Schüler reagieren. Statt an Tischen sitzen sie im offenen Kreis, Chirat stellt sich mit einfachen Worten auf Französisch sowie Gesten vor. Er verrät seinen Namen, sein Alter, seinen Wohnort und seine Hobbys. Er fragt neugierig, wie alt die Schüler sind und zögerlich antworten sie mit "je suis treize" (13) oder "je suis quatorze" (14). Sofort gibt es Lob.

Er schreibt auf Französisch in fünf Punkten auf die Tafel, was ihn vorstellt und als sechsten Punkt das Wort "Bingo". Einen blauen Schaumstoffwürfel drückt er Josef (14) in die Hand. Bei Musik soll er an den Nachbarn weitergegeben werden. Wenn sie stoppt, muss der, der ihn in der Hand hält, würfeln und auf Französisch je nach Augenzahl erzählen, wie er heißt, wie alt er ist, wo er wohnt, was er mag oder welche Sprachen er spricht. Es geht so schnell, dass alle sofort begeistert mitmachen. Wer eine Sechs würfelt, beantwortet alle Punkte. Schon nach zwei Runden werden Josef, Saron, Fabian, Moritz, Ada, Aylin, Umaimah, Sara, Irem, Jovana, Erlina, Massani, Harjot, Amrit, Sara-Angel, Zehra und Nabila völlig entspannt und antworten auf jede Frage.

Chirat dreht einige Stühle um und verändert die Stichpunkte an der Tafel. "Ich habe", "ich bin", "ich liebe" steht dort auf Französisch. Wer den Würfel hat, vervollständigt den Satz zum Beispiel mit "ich liebe Frankfurt". Alle stehen auf und müssen Plätze tauschen. Wer übrig bleibt, bekommt den Würfel. Sie kichern und lachen. Bei "j'aime Offenbach" bleiben alle sitzen, bei "ich habe schwarze Hosen" springen alle auf. Ohne es zu merken, kommen immer mehr Vokabeln ins Spiel und wie nebenbei noch Geografie über alle Orte auf der Welt, in denen Französisch gesprochen wird. Der junge Franzose, der später in die Touristik gehen möchte, legt Bilder auf den Boden mit Motiven, die sich im Deutschen und Englischen gleichen. In der Hand hält er Schilder mit geschriebenen Worten, die sie den Bildern zuordnen, bevor sie zwei Gruppen bilden. Die eine nennt sich "crocodile" - Krokodil, die andere "rose" - Rose. Er spielt Musik ab, in denen die Worte auf den Bildern zu hören sind. Wer zuerst eines erkennt, holt sich das Motiv und bekommt einen Teampunkt. Wer dazu tanzt, noch einen zweiten. Beim Tanzen sind die Teenager anfangs schüchtern, erst später wird ein bisschen gerappt, gelacht und gerannt.

Zwölf Franzosen

reisen durchs Land

Die Französisch-Lehrerin und die Schüler sind begeistert. Keinen Moment lang wird es nervig oder anstrengend, dabei steigt das Lernniveau bei jedem neuen Spiel. Bei Rap, Rock, Chansons und Pop heißt es zuhören, um bestimmte Vokabeln oder Sätze herauszuhören. Wer sie zuerst erkennt, bekommt den Punkt, wer erkennt, wer sie singt, den nächsten und wer weiß, woher die französischsprachigen Interpreten kommen, den dritten. Jeder will gewinnen, jeder will der Erste sein. Chirat lässt auf Landkarten zeigen, wo Frankreich, die Schweiz, Québec, Mali, Marokko oder die Komoren liegen, die Jugendlichen sprechen fast fließend die Sprache und staunen am Ende über sich selbst.

Ob Chirat Deutsch spricht, wollen sie wissen. Ja, das tut er. Ebenso wie seine elf Kollegen, die als Austauschschüler Land, Sprache und Leute kennengelernt haben und jetzt von September bis Juni mit ihrem "FranceMobil"-Konzept durch Schulen in ganz Deutschland reisen. Fast freundschaftlich ist die Atmosphäre und die Schüler geben ihm Tipps für Frankfurt. "Den Römerplatz müssen Sie sehen, den Maintower, die Skyline und den Hauptbahnhof", raten sie ihm halb auf Deutsch, halb auf Französisch.

Lehrerin Maniga Ashrati ist stolz auf ihre Schüler. "Das Konzept ist toll und die Schüler mögen Französisch jetzt noch lieber", sagt sie. Die stimmen mit einem fröhlichen "oui" zu.

Sabine Schramek

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