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Flughafen Frankfurt: Fraport hält an umstrittener Russland-Beteiligung fest

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Von: Julius Fastnacht

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Der Betreiber des Flughafens Frankfurt gerät in Kritik, weil er seine Anteile am Flughafen St. Petersburg behält – demnächst wird sich daran auch nichts ändern.

Fraport – Der Betreiber des Flughafens Frankfurt Fraport bleibt trotz der anti-russischen Sanktionen vorerst Minderheitsgesellschafter des Flughafens in St. Petersburg. Man wolle dem Ukraine-Aggressor Putin nicht mehr als 100 Millionen Euro schenken.

Der Aufsichtsrat des MDax-Konzerns verurteilte am Montag zwar erneut den russischen Angriff auf die Ukraine, ließ den Kurs bei der Minderheitsbeteiligung aber unverändert. Es wurde lediglich verabredet, die Beteiligung weiterhin „Tag für Tag“ kritisch zu überprüfen. Das Land Hessen kontrolliert gemeinsam mit der Stadt Frankfurt die Mehrheit der Aktiengesellschaft Fraport.

Flughafen Frankfurt: Fraport lehnt Kurswechsel bei umstrittener Flughafenbeteiligung ab

Die Sanktionen gegen Russland unterstütze man uneingeschränkt, heißt es einer Mitteilung. Das Russland-Geschäft der Fraport ruhe seit Kriegsbeginn, erklärten Hessens Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) als Aufsichtsratsvorsitzender und Fraport-Chef Stefan Schulte gemeinsam.

„Das Unternehmen zieht daraus keinerlei Nutzen oder Gewinn. Fraport hat unverzüglich und konsequent gehandelt.“ Man wolle dem Aggressor Putin nicht einen dreistelligen Millionenbetrag überlassen, indem man auf die Anteile verzichte. Man sei zudem in der Pflicht, die Vermögenswerte der Steuerzahler wie der übrigen Fraport-Eigner zu erhalten.

Seit 2009 hält Fraport Anteile am Flughafen in St. Petersburg. Weil er sich trotz des Ukraine-Krieges nicht davon trennt, steht Flughafenbetreiber Fraport in der Kritik.
Seit 2009 hält Fraport Anteile am Flughafen in St. Petersburg. Weil er sich trotz des Ukraine-Krieges nicht davon trennt, steht Flughafenbetreiber Fraport in der Kritik. © Olga Maltseva/afp

Flughafen Frankfurt: Umdenken bei Fraports Russland-Beteiligung möglich

Eine Neubewertung könne bei neuen Sanktionen oder bei einer militärischen Nutzung für den Ukraine-Krieg eintreten, erklärte Boddenberg. Fraport habe darauf keinen Einfluss, sagte Schulte. Bislang gebe es aber auch keine Hinweise, „dass mit Blick auf den Ukraine-Krieg bewaffnete Militärflüge über Pulkovo abgewickelt werden. Regierungsflüge können wir aber nicht ausschließen.“

Gerade dieser Punkt ist jedoch besonders umstritten. Wie die Tagesschau im April berichtete, sollen die sogenannten „Pandora Papers“ zeigen, dass eine militärische Nutzung des Flughafens Pulkovo im Rahmen des Möglichen liegt. Aus den Dokumenten zitiert die Tagesschau: „Pulkovo bietet die volle Bandbreite an Leistungen, eingeschlossen Geschäftsflüge, Regierungsflüge, Cargo, Militär und Sanitätsflüge.“

Umstrittene Russland-Beteiligung: Boddenberg stellt sich Fragen des hessischen Landtags

Recherchen der Hessenschau von Ende März zufolge gibt es wohl eine Kommandantur des russischen Verteidigungsministeriums am Flughafen. Dass Starts und Landungen militärisch genutzter Maschinen mehrmals stattgefunden hätten, ließe sich über das Flugportal „Flightradar 24“ einsehen.

Bereits vergangenen Mittwoch (4. Mai) hatte Boddenberg vor dem Landtag ausgeführt, die Landesregierung habe nach wie vor keine Erkenntnisse über eine militärische Nutzung von Pulkovo. Auch eine Einschätzung des Auswärtigen Amtes liege noch nicht vor.

Die Fraport AG ist über eine Holding in Zypern seit 2009 Minderheitsgesellschafter des Flughafenbetreibers Northern Capital Gateway und hat den Ausbau des viertgrößten russischen Flughafens in den vergangenen Jahren mit vorangetrieben. Die Konzession läuft bis 2040. Weitere Eigner sind die von den westlichen Sanktionen betroffene VTB-Bank sowie die griechische Copelouzos Group. (juf/dpa)

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