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Etwa zwei Dutzend Flughafenmitarbeiter haben sich gestern im Terminal 1 versammelt, um die vorbeieilenden Passagiere auf ihre schlechten Arbeitsbedingungen auf dem Vorfeld aufmerksam zu machen. Dazu zählte auch Hakan Bölükmese.

Schlechte Arbeitsbedingungen gefährden Flugsicherheit

Fraport-Mitarbeiter protestieren

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Stressige Schichtpläne, sinkende Löhne, ständiger Zeitdruck: Dagegenen protestieren an mehreren deutschen Flughäfen Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste – auch in Frankfurt. Mit der Verteilung von Flugblättern machten sie die Passagiere darauf aufmerksam, dass sie immer höheren Belastungen ausgesetzt sind, die das Fliegen unsicher machen können.

Mit einem Mikrofon in der Hand steht Hakan Bölükmese (39) im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens und erklärt den vorbeieilenden Passagieren auf Deutsch und Englisch, warum sich die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste dort versammelt haben. Während seine Kollegen ein rotes Plakat mit der Aufschrift „Rekordgewinne für Airlines – Beschäftigte unter Druck“ in der Hand halten, sagt Bölükmese: „Unsere Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert.“ Schuld daran seien die Airlines, die nur dort landen, wo die Kosten für die Abfertigung am günstigsten sind. „Dadurch wird der Druck auf die Mitarbeiter erhöht, die Löhne rauschen in den Keller.“

Zu der Protestaktion hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Beschäftigte an neun deutschen Flughäfen haben sich daran beteiligt. Zeitgleich gab es Aktionen in Australien, Irland, den Niederlanden, Schweden und den USA. „Es gibt einen Abwärtswettlauf der Kostensenkungsmaßnahmen“, sagt Bölükmese. „Die Airlines haben es in der Hand, ein nachhaltiges Beschäftigungsmodell zu schaffen.“ Verdi kündigte an, einen bundesweiten Tarifvertrag für die Bodenverkehrsdienste anzustreben. Beim Flughafenbetreiber Fraport arbeiten rund 5200 Beschäftigte bei den Bodenverkehrsdiensten, konzernweit – also bei Töchtern wie der Airport Personal Service GmbH – sind es etwa 9000. Sie werden nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt. So wie der Grieche Efstathios Mavridis (49). Er bekommt 2851 Euro brutto im Monat. „Davon leben kann man nicht“, sagt der Familienvater. Deshalb habe er, wie viele seiner Kollegen, einen Nebenjob – trotz des Schichtdienstes.

Efstathios Mavridis ist seit 21 Jahren Lademeister bei der Fraport. Dabei muss er auf dem Vorfeld darauf achten, dass die Flugzeuge korrekt und sicher beladen werden. Was wiegt die Fracht? Wie viel darf in die Maschine? Wo genau müssen die Güter verstaut werden? Denn so eine Beladung ist eine Krux. Die Fracht muss richtig verzurrt sein. Radioaktive oder magnetische Güter dürfen nicht vorne nahe dem Cockpit eingeladen werden, ansonsten können sie die Bordinstrumente stören. „Und nicht jede Ware darf nebeneinander transportiert werden, ansonsten droht Explosionsgefahr“, sagt Mavridis. „Da darf bei der Beladung nichts schief gehen.“

Doch das sei leichter gesagt als getan. Der Zeitdruck durch die Airlines steige. „Sie verdienen nur Geld, wenn die Flieger in der Luft sind, deshalb müssen wir mit dem Be- und Entladen immer schneller fertigen werden“, sagt der Lademeister. Gerade in der Sommerzeit sei es schlimm. „Da rennen wir von Flugzeug zu Flugzeug“, sagt der Familienvater. Die Konsequenz: „Wenn ich nach der Schicht nach Hause komme, habe ich keine Kraft mehr.“ Die psychische Belastung sei zu hoch. „Da können schnell Fehler passieren, die das Fliegen unsicher machen.“

(jlo)

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