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Im Hintergrund die Baustelle für das Terminal 3. Die Außenpositionen sind schon fertig.

Flughafen Frankfurt

Fraport plant Lager für giftige Erde

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Aushub von Terminal 3 ist mit PFC belastet, und es fehlt an Deponiekapazitäten.

Fraport hat ein Problem mit dem Erdaushub von Terminal 3. Er ist stärker mit polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastetet als bei Baubeginn angenommen. Und es fehlt an Deponien. Die Lösung sollen zwei Erdhügel auf dem Flughafengelände sein, auf denen das Unternehmen die verseuchte Erde lagern will. Konzernsprecher Christian Engel bemüht sich, dies positiv zu verkaufen: „Das Bauvorhaben wird auf dieser Ecke noch ein weniger spannender.“

Die Stadt Mörfelden-Walldorf, auf deren Gemarkung das Bodenlager errichtet werden soll, hat jetzt eine Stellungnahme beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt eingereicht, in der sie etwa eine Umweltverträglichkeitsprüfung fordert. Auch der Kreis Groß-Gerau ist nicht begeistert: Alternative Standorte und Techniken seien nicht ausreichend geprüft, eine Umweltverträglichkeitsprüfung müsse vorgeschaltet werden. Zu lesen ist dies im aktuellen „Extrablatt“, der Publikation der „Zukunft Rhein-Main, Bündnis gegen Fluglärm“, dem der Kreis angehört.

Es geht um das Gelände am Südrand der Cargo-City-Süd hinter Tor 31 östlich der Okriftler Straße. Wo bis zur Rodung hochwertiger Bannwald in den Himmel ragte, sollte sich laut Planfeststellungsbeschluss von 2007 nach der Rodung ein Gelände für Luftfracht befinden. Doch dem ist nicht so. Derzeit können Flugreisende dort, im Vergleich zum Flughafenparkhaus, für relativ kleines Geld ihre Autos parken.

Die Fläche wolle Fraport nun als „Bodenbereitstellungslager“ nutzen, sagt Sprecher Engel. Kapazität: maximal 600 000 Kubikmeter. Beantragt sei eine Betriebsdauer von fünf Jahren. Noch fehle die Genehmigung, deshalb werde noch nichts gelagert. Und wie hoch die Hügel würden, sei noch ungewiss.

Klein werden sie gewiss nicht. 14 Meter tief ist die 6,6 Hektar große Baugrube von Terminal 3, das auf dem einstigen Gelände der US-Airbase entsteht. Der Erdaushub ist mit polyfluorierten Chemikalien belastetet, die höchstwahrscheinlich aus Feuerlöschschaum stammen. Das kontaminierte Material wird normalerweise in speziellen Deponien entsorgt. „Aufgrund von aktuell noch fehlenden Rechtsvorschriften und Genehmigungen sind jedoch die Kapazitäten derartiger Deponien in Deutschland stark limitiert“, erläutert Engel. Bis Genehmigungen für externe Deponien vorliegen, wolle Fraport das Material auf seinem Gelände zwischenlagern.

In Absprache mit dem Regierungspräsidium Darmstadt werde derzeit eine Strategie zum Umgang mit der vergifteten Erde entwickelt. Basis dafür sei eine „Leitlinie“ des bayerischen Landesamts für Umwelt; für Hessen gebe es noch keine verbindlichen Vorgaben. „Die Fraport AG übernimmt damit beim Umgang mit belasteten Aushubmaterial klar eine Vorreiterrolle“, sagt Engel. „Neben der sorgfältigen Analyse des Bodenmaterials beschreiten wir auch neue Wege zum verantwortungsvollen Umgang mit dem belasteten Bodenmaterial und untersuchen dessen weitere Verwertungsmöglichkeiten.“

So sei daran gedacht, möglichst viel des belasteten Materials wieder einzubauen. Mit einem Mindestabstand zum Grundwasser und einer Versiegelung mit Asphalt oder Beton. Auch das Zwischenlager soll laut Fraport so beschaffen sein, dass von der kontaminierten Erde keine Gefahr für die Umwelt ausgeht. Der Untergrund soll aus einer „versiegelten Sohlenabdichtung“ bestehen, auf dem die Hügel aufgeschüttet werden, eine Abdeckung soll verhindern, dass Regen die Stoffe ausschwemmt. „In Absprache mit den Behörden wird der Aushub derart gesichert, dass kein PFC in das Grundwasser gelangen kann“, versichert Engel.

Wie das RP mitteilt, liegen inzwischen die notwendigen Unterlagen von Fraport vor. Es handle sich um ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung, so RP-Sprecher Christoph Süß. Ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist, entscheide die Behörde erst wenn Stellungnahmen von Kommunen, Initiativen und Verbänden zu den ergänzten Unterlagen vorlägen. Die Altlastensanierung sei Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens für den Flughafenausbau gewesen, so Süß. „Darüber hinaus werden Einzelmaßnahmen per bodenschutzrechtlichem Bescheid geregelt.“ mit cka

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