Gestern Morgen suchte die Polizei noch im Kleingärtnerverein Römerhof nach dem verdächtigen Heiko S.
+
Gestern Morgen suchte die Polizei noch im Kleingärtnerverein Römerhof nach dem verdächtigen Heiko S.

Familiendrama in Frankfurt

Frau wollte sich trennen: Vater tötet achtjährigen Sohn

  • vonChristian Scheh
    schließen

Nach der Entdeckung eines getöteten achtjährigen Jungen auf dem Rebstockgelände hat die Polizei auch den dringend tatverdächtigen Vater leblos aufgefunden. Er hatte sich in einem Garten erhängt.

Der Fall der Leiche, die am Ostermontag nach einem Tötungsdelikt auf dem Rebstockgelände gefunden wurde, hat gestern zwei gleichermaßen schreckliche und überraschende Wendungen genommen: Morgens verkündete die Frankfurter Staatsanwaltschaft, dass es sich bei der „männlichen Leiche“, die die Polizei am Ostermontag auf der Rückbank eines grauen Opel Astra entdeckt hatte, um den leblosen Körper eines achtjährigen Jungen handelt.

Und am Nachmittag teilte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mit, dass der dringend tatverdächtige, 40 Jahre alte Kindsvater erhängt in einem Kleingarten in Tatortnähe gefunden worden sei. Die Polizei hatte mit größerem Aufgebot und Hubschrauber nach dem Mann gefahndet. Weil dieser das Auto, einen Firmenwagen mit Groß-Gerauer Kennzeichen, verschlossen auf einem Parkplatz an der Max-Pruss-Straße zurückgelassen hatte, zogen die Strafverfolger dem Vernehmen nach schon die Möglichkeit eines sogenannten erweiterten Selbstmords in Betracht.

Derzeit spricht vieles dafür, dass Marcel S. – so der abgekürzte Name des getöteten Kindes – einem familiären Konflikt zum Opfer fiel: Heiko S., der Vater, soll seinen Sohn am Gründonnerstag, dem letzten Tag vor den Osterferien, von der Grundschule abgeholt, aber nicht nach Hause gebracht haben. Die Mutter wandte sich darauf an die Polizei und erstattete Strafanzeige wegen Kindesentziehung. Vater und Sohn wurden zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Polizei entdeckte die Leiche von Marcel S. dem Rücksitz, weil ein Zeuge den einsamen Astra auf dem schwach frequentierten Parkplatz gemeldet hatte. Die Beamten begannen nach dem Fund mit der Suche nach dem Vater, die bis gestern andauerte. Dabei setzten sie auch Suchhunde ein, die mit einer Geruchsprobe in Form einer Jogginghose auf ihr Ziel angesetzt wurden. Auf einer Parzelle des Kleingärtnervereins Römerhof wurde schließlich gegen 11 Uhr der erhängte Heiko S. gefunden.

Nach der Leiche des Sohnes wurde auch diejenige des Vaters zur Frankfurter Gerichtsmedizin gebracht. Die Frage nach der Todesursache, die sich natürlich vor allem im Hinblick auf Marcel S. stellt, blieb auch gestern noch unbeantwortet. Von einem „Blutmord“, wie ihn eine Frankfurter Zeitung ausrief, habe aber keinesfalls die Rede sein können, hieß es aus dem Kreis der Strafverfolger.

Die deutsche Familie, zu der außer Marcel und Heiko S. auch die Mutter gehörte, wohnte nach Informationen dieser Zeitung nicht weit vom Tatort entfernt, der Sohn soll die Grundschule Rebstock in Bockenheim besucht haben. Die Ermittler des für Tötungsdelikte zuständigen Kommissariats 11 im Frankfurter Polizeipräsidium versuchen, die Hintergründe der Tat aufzuklären. Die hinterbliebene Mutter wird – wie in solchen Fällen üblich – psychologisch betreut.

Aus dem Kleingärtnerverein Römerhof war zu hören, dass es sich bei dem Mann, der seinem Leben ein Ende setzte, wohl nicht um den Pächter der Parzelle handelte. Dieser sei nämlich nicht 40 Jahre alt. Möglicherweise handelte es sich um einen Verwandten des Pächters mit Zugang zum Garten.

Die wegen Mordverdachts laufenden Ermittlungen gegen den Vater seien eingestellt worden, teilte Oberstaatsanwältin Niesen formhalber mit. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern aber an. Außer der Mutter wollen auch andere Verwandte wissen, was mit Marcel geschah.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare