Sie ist der Kopf des Pegida-Nachfolgers "Freie Bürger für Deutschland": Heidi Mund (rechts). 	Fotos: Chris Christes
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Sie ist der Kopf des Pegida-Nachfolgers »Freie Bürger für Deutschland«: Heidi Mund (rechts). Fotos: Chris Christes

Pegida-Nachfolger in Frankfurt

Freie-Bürger-Demo: Dieses Mal blieb alles friedlich

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Der Römerberg war gestern Abend Schauplatz der zweiten Kundgebung des regionale Pegida-Nachfolger „Freie Bürger für Deutschland“. 40 Anhänger von Frontfrau Heidi Mund sahen sich 450 Gegendemonstranten gegenüber. Eier flogen diesmal nicht. Bis auf eine kleine Rangelei am Rande der Demo verlief der Abend friedlich.

Da bot sich gestern, am späten Nachmittag, für die Touristen in Frankfurt mal ein ganz neues Bild. Während sich die Chinesen und Japaner sonst gerne auf dem Römerberg vor dem Amtssitz des Oberbürgermeisters, vor der Ostzeile oder dem Gerechtigkeitsbrunnen fotografieren lassen, ließen sie sich doch lieber mit den dort versammelten Polizisten ablichten. Der regionale Pegida-Nachfolger „Freie Bürger für Deutschland“ rund um Frontfrau Heidi Mund hatte für den Abend zum ersten Mal eine Kundgebung auf dem Römerberg angemeldet. „Wir ziehen vor den Römer, weil wir die Politiker auffordern wollen, gewalttätige Demonstrationen zu verbieten. Sie müssen endlich handeln und dürfen nicht nur reden“, sagte Mund. Vergangene Woche versammelte man sich noch am Roßmarkt.

Der Ortswechsel machte den Gegendemonstranten, die in den vergangenen Tagen wieder dazu aufgerufen hatten, die Kundgebung zu stören, nichts aus. Schnell sahen sich die 40 „Freien Bürger“ rund 450 Gegendemonstranten gegenüber – und durften einmal mehr das Erlebnis haben, ausgebuht und ausgepfiffen zu werden. Unablässig riefen die Gegendemonstranten „Heidi raus“ und „Haut ab“, machten Lärm mit Trillerpfeifen und Tröten. Eier und Tomaten flogen dieses Mal aber nicht in Richtung der „Freien Bürger“. Dafür waberten Seifenblasen über den Köpfen der Gegner.

Großes Polizeiaufgebot

Die Polizei war schon im Vorfeld mit einem großen Aufgebot vertreten. Auf dem Römerberg richteten sie zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Gerechtigkeitsbrunnen eine große Absperrung ein, damit sich die „Freien Bürger“ und die Gegendemonstranten nicht zu nah kamen. Außerdem positionierten sich die Beamten an allen Zugängen zum Römerberg und kontrollierten stichprobenartig die Personalien und Rucksäcke der herbeispazierenden Gegendemonstranten. Ob es zu Festnahmen kam, konnte die Polizei vor Redaktionsschluss noch nicht sagen, da die Daten noch ausgewertet werden mussten. Aus ihren Augen verlief der Abend, bis auf eine kleine Rangelei, aber friedlich. Die Auswertung wird heute bekannt gegeben.

Von den Buhrufen ließ sich Heidi Mund nicht davon abbringen, über ein Mikrofon zu ihren Anhängern zu sprechen. So setzte sie den Nationalismus mit dem Sozialismus gleich, sprach von der christlich-jüdischen Kultur, die erhalten bleiben müsse und von Politikern, die ohne das Volk regierten. Und dann richtete sie sich noch an die Politiker „da oben“ im Römer: „In Frankfurt ist man immer stolz, weltoffen zu sein, aber Frankfurt ist international bekannt geworden als linksradikales und islamistisches Zentrum. Darauf müssen wir uns nichts einbilden“, rief Mund, die sogleich noch die Ausschreitungen während der Blockupy-Proteste anlässlich der Eröffnung der Europäischen Zentralbank anprangerte. „Wir sind gegen Linksradikale und Islamisten, die unsere Sicherheit gefährden.“ Diese Worte brachten ihr allerdings nur Applaus seitens ihrer Anhänger ein. Die Gegendemonstranten gaben ein Pfeifkonzert.

Doch nicht nur die versammelten Gegner zeigten sich nicht begeistert von dem Auftritt der „Freien Bürger“ und Heidi Mund. Die evangelische St. Paulsgemeinde drückte ihren Unmut über die Kundgebung vor ihrem Gotteshaus damit aus, dass sie kurz vor Beginn der Veranstaltung ein Banner an der Alten Nikolaikirche entrollte. Darauf war in großen Lettern ein Bibelzitat zu lesen: „Unterdrückt nicht die Fremden, die in euerem Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen.“

Nächstes Mal am Samstag

Zum ersten Mal ergriff auch Heidi Munds Ehemann Mathias das Wort. Der Stadtverordnete erzählte aber nichts anderes als seine Frau. „Wir werden Montag für Montag hier stehen, und wir werden die Sieger sein, denn wir haben die besseren Argumente“, sagte er abschließend. Am kommenden Ostermontag wird es allerdings keine Kundgebung geben. Das nächste Mal wollen sich die „Freien Bürger“ dann am 11. April, einem Samstag, um 15.30 Uhr treffen, wie Heidi Mund ankündigte. Der Ort soll noch bekannt gegeben werden.

Am Ende der Versammlung geleitete die Polizei die Teilnehmer hinter der Alten Nikolaikirche – außer Sichtweite der Gegendemonstrationen – vom Römerberg fort. Rund 150 Gegner brachen zu einem spontanen Zug auf, der sie, stets unter Beobachtung der Polizei, entlang des Mainkais, des Willy-Brandt-Platzes und der Münchner Straße bis zum Hauptbahnhof führte. Dort löste sich die Demonstration schließlich auf.

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