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Den Weg, über den die ?Freien Bürger? eigentlich wegziehen wollten, versperrten Gegendemonstranten.

Islamkritiker

„Freie Bürger“ zogen durch die Innenstadt

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Heidi Munds islamfeindliche Gruppe „Freie Bürger für Deutschland“ hat gestern eine Kundgebung auf dem Roßmarkt abgehalten und ist dann zur Taunusanlage gezogen. Der Polizei gelang es, die antifaschistischen Gegendemonstranten auf Distanz zu halten.

Heidi Mund und ihre Mitstreiter haben gestern zum zehnten Mal in der Innenstadt demonstriert. Zu der Kundgebung der Gruppe „Freie Bürger für Deutschland“, die Mund nach ihrem Bruch mit Pegida Deutschland gegründet hatte, kamen etwa 50 Personen auf den mit Gittern abgeriegelten Roßmarkt. An der Gegendemonstration, zu der die Anti-Nazi-Koordination und „Die Partei“ aufgerufen hatten, nahmen etwa 250 Personen teil. Die Polizei war einmal mehr mit einem großen Aufgebot vertreten, um Demonstranten und Gegendemonstranten zu trennen. Das gelang ihr auch nach Kundgebungsende, als etwa zwei Dutzend Islamgegner zur Taunusanlage zogen.

Die Kundgebung der „Freien Bürger“ folgte dem bekannten Muster: Die Islamkritiker versammelten sich vor ihrem Lautsprecherwagen auf dem Roßmarkt, schwenkten Flaggen europäischer Länder und hielten Reden. Die antifaschistischen Gegendemonstranten an den Absperrungen pfiffen, buhten, skandierten Parolen, zeigten „Stinkefinger“ und versuchten, die Kundgebung zu übertönen.

Als Thema hatten sich Heidi Mund und ihre Mitstreiter abermals den Islam ausgesucht. Redner waren neben Ester Seitz, Organisatorin einer großen Anti-Islam-Demonstration im Juni (siehe Artikel rechts), auch ein szenebekannter Rechtspopulist, der sich Michael Mannheimer nennt. Außer den Muslimen, deren Moscheen pauschal als Dschihad-Ausbildungszentren abgestempelt wurden, bekamen auch die angeblich gleichgeschalteten Politiker und Medien ihr Fett ab, weil sie die aus Sicht der „Freien Bürger“ großen Gefahren des Islams für Deutschland nicht sähen oder verschwiegen.

Richtig in Fahrt kam Mannheimer angesichts der antifaschistischen Gegendemonstranten, die er als „die wahren Terroristen“ und „Meinungsfaschisten“ bezeichnete. „Diese Leute haben den Islam nach Deutschland gebracht in der Absicht, die jüdisch-christliche Kultur zu vernichten“, ereiferte sich Mannheimer. Die „Halt’s-Maul“-Rufe der aufgebrachten Gegendemonstranten konnten ihn nicht zum Schweigen bringen.

Schon während der Kundgebung machte die Information die Runde, dass die Islamkritiker nach dem Ende durch die Stadt ziehen wollen. Beim letzten Mal, als das geschehen war, hatte es Ausschreitungen gegeben. Die Polizei hielt daher Einsatzkräfte an verschiedenen Stellen um den Versammlungsort bereit. Nachdem Antifaschisten den Umzug der „Freien Bürger“ an einem Auslass erfolgreich blockiert hatten, zog die Polizei mehrere Ketten, so dass die Islamgegner über die Junghofstraße abziehen und bis zur S-Bahnstation Taunusanlage laufen konnten. Dort stiegen sie in Züge.

Die Gegendemonstranten versuchten über andere Straßen, ihre politischen Gegner zu erreichen, jedoch vergebens. Der Abend endete mit einer antifaschistischen Spontandemo von etwa 100 Leuten. Die Polizei kontrollierte außerdem eine Gruppe aus etwa 30 Gegendemonstranten. Sie standen im Verdacht, Pyrotechnik geworfen zu haben. Von Festnahmen war bis Redaktionsschluss nichts bekannt. (chc)

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