Freie Wähler: Meister wirft hin

  • vonThorben Pehlemann
    schließen

Die Spaltung zwischen Partei und Verein der Freien Wähler Frankfurt ist beschlossene Sache. Wegen eines Streits über die politische Ausrichtung zieht nun auch Alfons Meister Konsequenzen: Das Urgestein der Freien Wähler sitzt künftig fraktionslos im Ortsbeirat 8.

Noch im Dezember vergangenen Jahres vertrat Alfons Meister als Einzelkämpfer die Interessen der Freien Wähler Frankfurt im Ortsbeirat 8 (Niederursel, Nordweststadt, Heddernheim) – so wie in all den Jahren zuvor: Schon seit 1997 erhielt er durchgängig ein Mandat für das Stadtteilparlament. Künftig jedoch wird das Urgestein der Freien Wähler – er ist Gründungsmitglied des Vereins „Bürger für Frankfurt“ (BFF), der sich später in Freie Wähler (FW) umbenannte – sein Ehrenamt als Fraktionsloser ausüben. Wie bereits Rainer Drephal, Mitglied des Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach), verlässt Meister die FW.

Der Grund für Meisters wie auch Drephals Konsequenz ist dabei ein offener Streit über die politische Ausrichtung der Freien Wähler. Er sei „absolut nicht d’accord“ mit der Führung durch den FW-Fraktionsvorsitzenden im Römer, Wolfgang Hübner, erklärt Meister und verweist auf dessen im vergangenen Jahr gescheiterten Versuch, die Freien Wähler zur Alternative für Deutschland (AfD) zu überführen (wir berichteten). „Ich verurteile ausdrücklich eine Verbindung mit diesen Rechtspopulisten, ich möchte damit nichts zu tun haben“, teilte damals Rainer Drephal als Motiv seines Rückzugs mit. Ein Vorwurf, den erst kürzlich Willi Torka, Vorsitzender der Freien Wähler Hattersheim, unterstrich, indem er „Hübner und seine schindludertreibenden Konsorten“ aufforderte, „ihr Treiben sofort zu beenden und von allen Ämtern zurückzutreten“. Auch Alfons Meister erklärt diesbezüglich, sich von Hübners „rechten Vorstellungen“ gestört zu fühlen: „Hübner ist ein Meinungs-Papst, der andere Perspektiven nicht gelten lässt. Mir stinkt das.“

Dass die Freien Wähler offenbar nicht nur in Frankfurt vor der Zerreißprobe stehen, zeigen auch die kürzlich erlassenen Ordnungsmaßnahmen des FW-Landesvorsitzenden Walter Öhlenschläger gegenüber Rainer Drephal und Thomas Schmidt, dem Vorsitzenden des Frankfurter Kreisverbands der Freien Wähler. Auch sie haben sich von Hübner distanziert.

Drephal und Meister planen nun, für die Kommunalwahl 2016 eine eigene Kandidatenliste aufzustellen, und zwar mittels der Partei der Freien Wähler Frankfurt. Wolfgang Hübner soll untersagt werden, die Freien Wähler im Vereinstitel der „Bürger für Frankfurt“ zu tragen. Weil der Name der Freien Wähler schon bei der Gründung für die Partei gesichert wurde und der Bundesgerichtshof 2011 geurteilt habe, dass Partei vor Wählergemeinschaft gehe, geben sich Drephal und Meister nun gelassen, den schwelenden Streit für sich zu entscheiden. Zumal bereits „Aderlass“ bei den BFF zu beobachten sei, wie Drephal erklärt: „Wir bleiben nicht die Einzigen, die den Verein verlassen. Es werden noch weitere folgen.“

Für Alfons Meister ist der Vereinsaustritt dabei nicht der erste Bruch mit seiner politischen Vergangenheit: Schon 1990 verließ er nach 16-jähriger Mitgliedschaft die CDU. „Ich sagte damals: ,Die CDU kann keine Lokalpolitik’“, erinnert sich Meister: „Heute sieht das natürlich besser aus.“ Weil er insgesamt vier Jahre für die CDU und 16 Jahre für die Freien Wähler im Ortsbeirat 8 gesessen hatte, erhielt Meister 2014 von der Stadt die Goldene Römerplakette für 20 Jahre Mitgliedschaft im Stadtteilparlament. Wenn es nach ihm geht, hilft er trotz seiner bereits 78 Lenze weiterhin die neue Parteilinie der Freien Wähler zu etablieren – und sitzt auch nach der nächsten Kommunalwahl noch im Ortsbeirat: „Ich stottere zwar ein bisschen, aber sonst bin ich noch auf Linie. Ich weiß, was zu tun ist“, betont er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare