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Mit Vollgas durch die Stadt. Für zwei junge Männer, die mit deutlich mehr als 80 Sachen von der Polizei erwischt wurden, blieb das vor Gericht jetzt ohne Folgen.

Gericht

Wettrennen ist verjährt: Freispruch für junge Raser

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Weil die Akten wenige Tage zu spät beim Gericht eingingen, kommen zwei junge Raser ungeschoren davon. Ihr Wettrennen ist damit verjährt.

Sie donnerten mit quietschenden Reifen nach einer Hochzeitsfeier mitten durch die Innenstadt. Gleichwohl biss sich die Strafjustiz gestern an den 25 und 28 Jahre alten Männern aus dem Main-Kinzig-Kreis die Zähne aus.

Angeklagt waren sie wegen der erst seit 2017 geltenden Strafvorschrift der Veranstaltung eines verbotenen Auto-Wettrennens. Die Polizei hatte die jungen Männer in entsprechend PS-starken Fahrzeugen in der Nacht zum 4. Mai vergangenen Jahres auf der Berliner Straße ausgemacht, wie sie sich an einer roten Ampel zunächst Zeichen gaben und bei Grün anschließend davonschossen. Mindestens 80 Kilometer pro Stunde wurden gemessen und beim nächsten Stopp wurden die Männer aus dem Verkehr gezogen.

Zeichen an der Ampel

Schon am ersten Verhandlungstag Anfang Januar zeichnete sich vor dem Amtsgericht ab, dass es mit dem angeklagten Wettrennen wohl nichts werden würde. Die Autofahrer gaben wohl zu, nach der Hochzeitsfeier in Maintal in ausgelassener Stimmung am Steuer gewesen zu sein. Die Handzeichen an der Ampel aber seien nur dazu da gewesen, um ein Treffen an einem Schnellrestaurant an der Hanauer Landstraße auszumachen. An ein Rennen habe man zu keinem Zeitpunkt auch nur gedacht. Der vom Gesetz geforderte „Wettbewerbscharakter“ konnte unter diesen Vorzeichen nicht mehr nachgewiesen werden.

Amtsrichterin Ramona Didas war nach dem ersten Prozesstag noch einmal „in Klausur“ gegangen, um eine weitere Möglichkeit einer Verurteilung zu prüfen, nämlich einer Ordnungswidrigkeit wegen einfacher Tempoüberschreitung. Doch auch hier hatten die Raser mehr Glück als Verstand. Durch das Hin und Her bei der strafrechtlichen Bewertung kamen die Akten just zwei Tage zu spät zum Amtsgericht. Die Ordnungswidrigkeit – erwiesenermaßen 30 Kilometer pro Stunde zu schnell – war damit verjährt. Ganz so ungeschoren aber sollten die recht zufrieden dreinschauenden Männer gestern doch nicht den Gerichtssaal verlassen: „Wenn Sie sich das nächste Mal wieder am Steuer auslassen wollen, fahren Sie doch einfach zum Nürburgring. Da dürfen auch ganz gewöhnliche Autos fahren.“ In der Innenstadt aber sei ein solcher Fahrstil immer sehr gefährlich.

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