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Arbeiter werkeln am frühen Morgen im S-Bahn-Tunnel in Frankfurt. Noch bis Donnerstag ist die Röhre dicht.

Stellwerk-Bauarbeiten im Tunnel liegen im Zeitplan

Ab Freitag fahren die S-Bahnen wieder planmäßig

Da ist Licht am Ende des Tunnels: Seit Beginn der hessischen Sommerferien ist der Frankfurter S-Bahn-Tunnel gesperrt, nun soll er bald wieder geöffnet werden. Massive Kritik von Fahrgästen wegen der Sperrung gab es laut der Bahn nicht.

Ungewohnte Leere herrscht in der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache: Die sechswöchige Sperrung des S-Bahn-Tunnels und die Schulferien mindern das Gedränge im morgendlichen Berufsverkehr. Viele Händler in der unterirdischen Ebene des zentralen S- und U-Bahn-Kontenpunkts klagen über Umsatzeinbußen von über 50 Prozent. „Ich stehe mir die Beine in den Bauch“, sagt Hildfried Lappat, die belegte Brötchen verkauft. „Normalerweise stehen hier morgens immer vier bis fünf Leute, jetzt sind es nur zwei oder drei, wenn eine U-Bahn ankommt.“

Die oberirdischen Händler auf der Einkaufsmeile Zeil trifft die dritte und längste Sperrung einer der meistbefahrenen Bahnstrecken Deutschlands nicht so hart wie die erste vor einem Jahr. Regional-Geschäftsführer Silvio Zeizinger vom Einzelhandelsverband Frankfurt führt dies vor allem darauf zurück, dass die Sperrung frühzeitig angekündigt war. Die Geschäftsinhaber hätten sich darauf einstellen und ihre Stammkunden informieren können. „Letztes Jahr war das etwas überraschender.“

Durch den 6,4 Kilometer langen S-Bahn-Tunnel fahren Pendler normalerweise im Minutentakt aus allen Richtungen in die City. Acht von neun S-Bahn-Linien im Rhein-Main-Gebiet von Hanau im Osten bis Mainz im Westen nehmen die Strecke. Jeden Tag sind bis zu einer halbe Million Menschen in den S-Bahnen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) unterwegs. Für den Bau des neuen, 95 Millionen Euro teuren elektronischen Stellwerks werden unter anderem 160 Kilometer Kabel verlegt und 154 Signale erneuert. Zu diesem Zweck war der Tunnel schon zweimal dicht: in den Sommerferien 2015 und in den Osterferien 2016.

Die Ladenbesitzer versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Frank Krause, Verkäufer in einem Zigaretten-Kiosk in der B-Ebene der Hauptwache, sagt: „Was will man machen?.“ Die Sanierung nach 50 Jahren sei andererseits notwendig: „Ich hoffe, dass wir dann wieder 50 Jahre Ruhe haben.“

Die Pendler nehmen die dritte Tunnelsperrung auch gelassener. „Diesmal sind überhaupt keine Beschwerden eingegangen“, sagt Wilfried Staub vom Fahrgastverband Pro Bahn Hessen. „Was nicht heißt, dass es reibungslos verlief.“ Der Bus von Offenbach zum Flughafen etwa sei schon mal ausgefallen oder zu spät gefahren, mehrere Straßen- und U-Bahnen seien überfüllt gewesen. Bis zu einer dreiviertel Stunde pro Richtung seien die Pendler länger unterwegs als sonst.

„Die Leute waren findig“, sagt Staub. „Pendler fanden heraus, wie sie am besten zur Arbeit und nach Hause kommen.“ Vom Hauptbahnhof ins Bankenviertel liefen viele zur S-Bahn-Station Taunusanlage. Weniger routinierte Fahrgäste hätten am Hauptbahnhof, an der Haupt- und Konstablerwache genauere Informationen und besser geschultes Personal vorgefunden als vor einem Jahr. „Die Leute haben sich arrangiert und daran gewöhnt“, stellt Staub fest. „Außerdem gibt es die große Hoffnung, dass die S-Bahnen ab 2018 besser und pünktlicher fahren.“

Zu den Gewinnern der Sperrung gehören Pendler aus dem Raum Hanau: Sie dürfen mit ihren RMV-Tickets ausnahmsweise ICE- und IC-Züge benutzen. „Von mir aus könnten sie den Tunnel gleich ganz dicht machen, wenn ich im Gegenzug dafür dieses Extra behalten darf“, sagt ein 51-Jähriger lachend, der täglich vom Hanauer Hauptbahnhof zum Frankfurter Knotenpunkt fährt. Allerdings haben laut Staub nur wenige das Angebot genutzt. Die meisten seien auf Regionalzüge umgestiegen.

Wenn die S-Bahnen ab Freitag wieder durch den Tunnel rollen und an den fünf derzeit noch gesperrten Stationen halten, sehen die Fahrgäste einen Fortschritt: Teile der Stationen wurden saniert. Trotzdem müssen sich Pendler und Reisende wegen des neuen Stellwerks noch auf eine vierte Tunnelsperrung gefasst machen: Allerdings erst in den Sommerferien 2018. Ob er dann vier oder sechs Wochen dicht ist, steht noch nicht fest.

(lhe)

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