"Ente gut, alles gut!" steht auf dem Schild am Quietscheentchen-Ständer, im Hintergrund sind leer geräumte Regale und Poster mir der Aufschrift "Wir schließen" zu sehen. Gut, dass sich die Ente durchgesetzt hat - 240 Mitarbeiter der Karstadt-Filiale auf der Zeil behalten ihre Jobs.
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"Ente gut, alles gut!" steht auf dem Schild am Quietscheentchen-Ständer, im Hintergrund sind leer geräumte Regale und Poster mir der Aufschrift "Wir schließen" zu sehen. Gut, dass sich die Ente durchgesetzt hat - 240 Mitarbeiter der Karstadt-Filiale auf der Zeil behalten ihre Jobs.

Unerwartete Rettung in Frankfurt

Freudentränen bei Karstadt-Mitarbeitern: "Wir sind so erleichtert."

  • vonSabine Schramek
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Über Lautsprecher wurde der Erhalt der Filiale auf der Zeil verkündet. "Es war die schönste Durchsage aller Zeiten."

Frankfurt -Es war Freitag gegen 17.40 Uhr, als es aus den Lautsprechern im Kaufhaus Karstadt auf der Zeil tönte: "Liebe Kunden und liebe Mitarbeiter, ich habe eine freudige Nachricht für Sie: Es geht weiter!" Reiner Rupprecht war da gerade dabei, sich noch ein paar Schnäppchen in der Hausgeräteabteilung zu sichern. "Das war wirklich ungewöhnlich. Ich dachte zuerst, es sei was passiert, weil es einen Moment danach völlig still war", erzählt er, wie er den Moment erlebt hat.

Nach der Durchsage macht sich am Freitagabend ringsum Erkenntnis über das gerade Gehörte breit: Es geht tatsächlich weiter! Mitarbeiter fallen sich voller Freude in die Arme, andere weinen vor Erleichterung und Glück. Kunden freuen sich mit. Die Mitarbeiter werden in fünf Runden nach und nach im großen Versammlungsraum über die Details informiert. Erfahren, dass ihr Karstadt und ihre Arbeitsplätze bis mindestens Ende 2024 erhalten bleiben.

Die Freude hinter den Kulissen sei "unvergleichlich" gewesen, verrät eine Mitarbeiterin der Geschäftsführung. Noch am Morgen hatte es ganz anders ausgesehen: "Beim täglichen Rolltreppengespräch war die Information noch nicht da", sagt sie.

Über Nacht erwacht das nach wochenlangem Räumungsverkauf beinahe leer gefegte Kaufhaus zu neuem Leben. Schon eine halbe Stunde vor Öffnung am Samstagmorgen bilden sich Schlangen vor beiden Eingängen. Neugierige Kunden suchen nach neuen Informationen, nach einem Aushang, der die gute Nachricht verkündet. Aber die Botschaften in den Schaufenstern sind noch die alten: "Alles muss raus" und "Bis zu -60 %" ist dort noch zu lesen.

Das Ende war längst besiegelt

Auf der Zeil spielt ein Mann "Que sera, sera" auf dem Saxofon, als die Türen um Punkt 10 Uhr geöffnet werden. "Stimmt das?", "Bleiben Sie wirklich hier?", werden die Männer an der Kaufhaustür mit Fragen bombardiert. "Ja, wir freuen uns so", antworten sie. Dabei war das Ende der Filiale auf der Zeil schon besiegelt, Ende Oktober sollte Schluss sein. Die Kündigungen an die rund 240 Mitarbeiter des Kaufhauses waren längst raus. Doch die Karstadt-Belegschaft gab sich nicht geschlagen. Acht Wochen lang kämpften die Mitarbeiter um ihre Jobs und ihr Kaufhaus, haben gestreikt, demonstriert und Unterschriften gesammelt. Die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat machten Druck, Politiker setzten sich für die Filiale ein. Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) vermittelte, um eine Einigung zu erzielen zwischen dem Vermieter des 100 Jahre alten Traditionskaufhauses, Albert Sahle, und der Signa Holding von René Benko, dem Eigentümer der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH.

Sahle hatte dieser Zeitung bereits am 30. Juni erklärt, dass er ein Angebot gemacht hatte, die Miete um 17 Prozent zu verringern. Karstadt wollte mehr. Nun gab es eine Einigung.

"Die Motivation ist bei über 100 Prozent"

Nun geht es doch weiter, inmitten zunächst leerer Regale. Wegen des Räumungsverkaufs sind Parfüm, Kosmetik, Haushaltswaren, Stoffe, Bettwäsche, Spielzeug, Schmuck und Schreibwaren schon fast Mangelware. "Das wird sich alles regeln", erklären die Mitarbeiter ihren Kunden hoch motiviert. Die Stimmung hat sich über Nacht um 180 Grad gedreht. Im Restaurant meint ein Mitarbeiter, der Kuchen sei heute noch besser als sonst, ein Koch dreht und wendet schwungvoll und unter der Maske strahlend seine Pfannen und Töpfe. An jeder Kasse, bei jeder Beratung hört man: "Ich bin so erleichtert!" oder "Ich kann es immer noch kaum fassen." Die Kunden stimmen ein und suchen entspannt nach den Superschnäppchen mit bis zu 70 Prozent Rabatt. Kleidung gibt es noch reichlich, auch wenn sich in der Herrenabteilung hinter einer Bücherwandfassade leere Regale und nackte Schaufensterpuppen hinter Flatterbändern stapeln.

Die Erleichterung ist beinahe greifbar. "Die Motivation ist bei über 100 Prozent", bestätigt eine Mitarbeiterin, die am Freitagmorgen zu Hause noch wegen ihrer Kündigung geweint hatte. "Die Arbeitsplätze bleiben erhalten", kann sie es noch immer kaum fassen.

In der Haushaltswarenabteilung steht ein Regal voller Quietscheenten in allen möglichen Varianten als Braut und Bräutigam, als König oder Matrose. Auf dem Ständer steht: "Ente gut, alles gut!"

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