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Freunde machen einen Verlag

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Von: Enrico Sauda

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Verleger Rainer Weiss, Autorin Lena Elfrath und Robin Schmerer (v. l.) mit dem neuen Buch der Schriftstellerin.
Verleger Rainer Weiss, Autorin Lena Elfrath und Robin Schmerer (v. l.) mit dem neuen Buch der Schriftstellerin. © enrico sauda

Edition W ist an den Start gegangen.

Und er hat es doch wieder getan. Rainer Weiss kann die Finger einfach nicht still halten. Deshalb gründete der ehemalige Geschäftsführer von Suhrkamp/Insel und des Weiss-Books-Verlags jüngst einen neuen Verlag. Die "Edition W". Aber: Er habe das nicht vorgehabt, sagt Weiss. Doch schnuppere er seit Jahren drei- bis viermal pro Woche Verlagsluft. So oft schaut er rein bei den "Genusskomplizen" hinter der Kleinmarkthalle, wo ein großer Tisch steht und die Regale voll sind mit Westend-Verlags-Publikationen. "So entstand die Idee, dass wir dem Westend-Verlag, der ein reiner Sachbuchverlag ist, noch eine kleine Ecke hinzufügen", sagt Weiss.

Klar war aber gleich, dass das nicht unter dessen Logo geschehen sollte. Sondern: "Wir machen eine eigene GmbH, von der der Westend-Verlag ein Gesellschafter ist." 25 Prozent der Anteile hält dabei Weiss. Aber warum das alles? "Weil's einfach geil ist. Ich kann einfach nicht anders", antwortet der Bücher-Experte wie aus der Pistole geschossen. Das Gute sei, "dass wir wegen des Westend-Verlags nicht von Null an beginnen müssen", sondern sie könnten die vorhandenen Strukturen nutzen. "Durch die alten Zeiten stehe ich immer noch in Kontakt mit Autoren, die mich manchmal nach Rat fragen." Da habe er sich gedacht, dass er die Auskünfte, die er erteilt, auch selbst verwerten könnte. "Ich hätte es aber nicht gemacht, wenn es Robin nicht gäbe", sagt Weiss und blickt zu Robin Schmerer . Der sitzt neben ihm bei den "Genusskomplizen" am Tisch - wo sonst? "Robin war schon bei Weiss-Books dabei und kam vor fast drei Jahren zum Westend-Verlag. So haben wir uns wiedergesehen", erzählt Weiss, der vor mehr als drei Jahren bei Weiss-Books ausgestiegen war. Und so kam eins zum anderen.

"Für mich ist es eine super Gelegenheit, mit Autorinnen und Autoren zu arbeiten", so Schmerer. "Ich habe sofort ja gesagt", berichtet der studierte Germanist, der auch für Magazine und Zeitschriften arbeitet. Ein Blick in die Edition W-Broschüre mit den Publikationen, die erscheinen und die noch kommen sollen, könnte eine Vermutung aufkommen lassen, wofür das W steht. Für Women, weil nur Frauen Bücher dort publizieren. Aber nein. Es könnte eine Hommage an Weiss-Books sein, die Schnittstelle zum Westend-Verlag.

"Wir verstehen uns nicht als Frauen-Verlag, doch die spannendsten Manuskripte, die reinkamen, waren eben von Frauen", sagt Robin Schmerer. Ein Buch, das wohl im Herbst erscheint, ist von einem Mann und ein weiteres ist das von Lena Elfrath mit dem Titel "Emma". Geplant ist, dass die Edition W zwischen vier und sechs Bücher pro Jahr auf den Markt bringt. Elfrath und Weiss kennen sich - wie sollte es anders sein - noch aus Weiss-Books-Zeiten. Damals erschien dort ihr Debüt-Roman "Die Liebe ist ein Schmetterling". Es habe ein Treffen gegeben, noch vor der Geburtsstunde der Edition W. "Sie haben so darüber geschwärmt, aber ich sollte es niemanden erzählen", erinnert sich Elfrath. "Wir wussten, dass sie einen Stoff in der Schublade hat", so Robin Schmerer. "Wir haben nicht nur miteinander gearbeitet. Da sind Freundschaften entstanden." Und nun heißt es: "Freunde machen einen Verlag." es

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