Fotos der beiden von einem Raser getöteten Fußgänger haben ihre Freunde und Kollegen am Unfallort aufgehängt, zahlreiche Blumen und Kerzen zeugen von der Trauer und dem Schock über diesen grausamen Unfall.
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Fotos der beiden von einem Raser getöteten Fußgänger haben ihre Freunde und Kollegen am Unfallort aufgehängt, zahlreiche Blumen und Kerzen zeugen von der Trauer und dem Schock über diesen grausamen Unfall.

Tödlicher Unfall

Freunde und Kollegen stehen unter Schock

  • vonSabine Schramek
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Zwei Menschen wurden am Samstag beim Überqueren einer grünen Fußgängerampel getötet. Freunde und Kollegen stehen unter Schock.

Am vergangenen Samstag wurden Marius B. (31) und Oliver A. (40) beim Überqueren einer grünen Fußgängerampel in Sachsenhausen von einem 38-jährigen Fahrer eines schwarzen Peugeot 208 getötet, weil er mit überhöhter Geschwindigkeit über eine für ihn Rot zeigende Ampel fuhr. Die Familien, Freunde und Bekannten der Opfer stehen unter Schock.

Auf den Stufen des geschlossenen Maincafés stehen paarweise insgesamt acht weiße und rote Grablichter. Hier haben Marius B. und Oliver A. während der Saison gearbeitet. Als "ausgesprochen freundliche und fröhliche Mitarbeiter" kannten sie die Gäste. Jetzt sind sie tot. Auch dort, wo ihr Leben jäh beendet wurde, wird getrauert und geweint. Sowohl am nahe gelegenen Ziegelhüttenplatz als auch vor der Mörfelder Landstraße 117 stehen Trauerlichter und liegen Blumen. Auf dem Ziegelhüttenplatz wird am Donnerstag um 14.30 Uhr eine Mahnwache abgehalten werden.

Menschen stehen bedrückt dort, wo Rettungskräfte um das Leben der Männer gekämpft haben. An einem Straßenschild hängt ein Schwarz-Weiß-Foto der Opfer. Wahlplakate wurden abmontiert, um dem Gedenken an die Tragödie Raum zu geben. Immer wieder kommen Freunde und Bekannte, zünden Kerzen an, legen orangefarbene Rosensträuße ab. "Für jeden einen", sagt ein Mann leise, während er niederkniet und herzzerreißend weint.

Blasse Gesichter

Die Gesichter der Freunde sind blass. Sie halten sich an den Händen, haben Tränen in den Augen. Passanten bleiben stehen, trauern mit ihnen. Manche streichen sanft mit den Fingern über das Foto und beten. Hier und etwa 100 Meter weit entfernt, liegen noch immer kleine Plastikteile von Autos, die der Raser gestreift hat. Dicke orangefarbene Markierungen der Polizei erinnern an das schreckliche Geschehen.

Die Menschen halten Abstand von den vielen Blumen, umarmen sich, manche zittern und weinen. Der Schock sitzt tief. Sechs Freunde der Toten stehen beisammen, schütteln fassungslos die Köpfe. "Unsere Freunde sind tot", sagt einer verzweifelt, als eine Frau laut ihre Erinnerungen an den Tag erzählen will. "Bitte, wir können das nicht ertragen. Bitte, seien Sie jetzt still", sagt einer von ihnen schmerzerfüllt und starrt auf die bunten Rosen, Tulpen und Kerzen.

Jedem, der die Tragödie gesehen, miterlebt hat, steckt der Schock noch in den Knochen, Augenzeugen, Nachbarn, Freunden, Familien, Ersthelfern, Rettungs- und Einsatzkräften. So war es auch an jenem Tag, als der Darmstädter an der Kreuzung Mörfelder Landstraße und Oppenheimer Landstraße mit hohem Tempo die rote Ampel überfuhr, die beiden Männer erfasste und dadurch tödlich verletzte, noch mehrere geparkte Autos rammte und dann auf dem Dach landete. Passanten hatten ihn aufgehalten, als er zu Fuß flüchten wollte. Der 38-jährige wurde festgenommen und verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Rettungskräfte haben hoch konzentriert alles Menschenmögliche getan, um den Opfern zu helfen. Einer von ihnen wurde am Unfallort reanimiert. Die körperliche und seelische Kraftanstrengung aller Feuerwehr- und Polizeibeamten muss überhoch gewesen sein. "Solche Situationen sind immer belastend", sagt ein Sprecher der Feuerwehr Frankfurt. "Darum gibt es am Einsatzort für Bürger und alle Kollegen eine psychosoziale Notfallversorgung. Sie kümmert sich um die Einsatzkräfte und um Augenzeugen." Auf solche Geschehnisse könne man sich nicht gut vorbereiten. "Auch nach den Einsätzen haben die Kollegen deshalb die Möglichkeit, sich das Erlebte von der Seele zu reden. Das ist wichtig für jeden Menschen, der Schlimmes erlebt."

Unkomplizierte Hilfe

Auch bei der Polizei kümmert man sich darum, das Gesehene zu verarbeiten. "Es gibt einen psychosozialen Dienst, der vom jeweiligen Dienststellenleiter für die Kollegen angefordert wird. Manchmal dauert es Tage, bis man darüber sprechen möchte", erklärt der Sprecher. "Auch Angehörige und Zeugen werden sofort gefragt, ob sie psychologische Hilfe haben möchten. Es gibt ganz konkrete Hilfsangebote, die auch sehr wichtig sind", erklärt er. "Wenn wir Todesnachrichten überbringen müssen, ist entweder auch ein Notfallseelsorger mit dabei oder wir geben den Angehörigen eine Übersicht über Hilfsangebote von Ärzten und Seelsorgern aller Religionen." Die Hilfe werde nicht immer sofort angenommen, "aber manchmal tauchen erst nach Tagen Bilder auf oder Schlaflosigkeit. Spätestens dann ist es für jeden wichtig, unkompliziert Hilfe zu bekommen."

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt jetzt den genauen Hergang. Momentan geht die Polizei von einem Unfall aus. Mehr als 50 Zeugenhinweise sind bei der Polizei eingegangen, Verkehrskameras werden ebenso ausgewertet wie die Bordelektronik des Wagens. Sabine Schramek

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