1. Startseite
  2. Frankfurt

Freundeskreis und kleine Familie

Erstellt:

Von: Friedrich Reinhardt

Kommentare

Die Berkersheimer Kerbeburschen im Kerbegarten, den Dieter Wolff, Vorsitzender des Kerbevereins für die Burschen gepachtet hat. FOTO: msr
Die Berkersheimer Kerbeburschen im Kerbegarten, den Dieter Wolff, Vorsitzender des Kerbevereins für die Burschen gepachtet hat. © Friedrich Reinhardt

So organisieren die Kerbeburschen für das kommende Wochenende ihr Fest

In der Kamera-Frage ist sich Dominik Vohrmann unsicher. Nach Einbruch der Dunkelheit hat der Präsident der Berkersheimer Kerbeburschen die Sitzung eröffnet. Als Lichtquelle steht in der offenen Gartenlaube eine Plastikflasche auf einem Handylicht. Bei einem Zehn-Liter-Kanister Apfelwein ringen 16 Kerbeburschen - auch die Frauen unter ihnen werden in Berkersheim so genannt - mit der Organisation der Kerb. Ein Thema: Was soll im Festzelt auf den Bildschirmen laufen? Ein Livebild vom Kerbebaum? „Die Kamera animiert die anderen Kerbeburschen nur“, sagt Vohrmann. So wie beim vorigen Mal, als die Harheimer ihre Allerwertesten in die Kamera hielten.

Es ist die 256. Berkersheimer Kerb. Ursprünglich wurde damit die Kirchweih gefeiert. Für die Kerbeburschen heute geht es um Spaß, Freundschaft und darum, ihrem „Dorf“ etwas Gutes zu tun. Und um Traditionen - zumindest um bestimmte. An der Wand hängt ein Schild von der Harheimer Kerb 2021. Das haben Berkersheimer geklaut. Ein Symbol der freundlichen Rivalität. „Es ist eine konservative Tradition“, sagt Liedanstimmer Robin Kettnaker. Bei der es früher deutlich handfester zuging.

Flexibler Umgang mit der alten Tradition

Die Kerbeburschen gehen mit der Tradition flexibel um. Frauen sind selbstverständlich willkommen, seit den 70er Jahren, erinnert sich Dieter Wolff, Vorsitzender des Kerbevereins. „Hauptsache man ist zur Kerb 16 Jahre alt“, sagt Vohrmann. Der Kerbebaum aus dem Vilbeler Wald ist ein Muss, auf die Fürbitte mit der Michaelisgemeinde möchte der Präsident dagegen am liebsten verzichten. „Nicht wieder die Fürbitte“, stöhnt er. Kettnaker hat das Thema angesprochen. Er ist ein guter Redner darum Liedanstimmer und Moderator bei der Kerb. „Ich habe es mit der Pfarrerin abgesprochen“, sagt er. „Ich würde es auch übernehmen.“ Vohrmann: „Dann mach Du das.“

Eine weitere Frage: Wann am Wochenende sollen sich die Kerbeburschen der Bierreichung unterziehen, also zwei Gläser Bier aus einem Trichter und Schlauch auf ex austrinken? Vohrmann möchte die Prozedur auf Freitagnachmittag verlegen, bevor um 17 Uhr die Kinderdisko startet. Elina Kettnaker hält das allerdings für keine gute Idee, mit einem überzeugenden Argument: „Ich werde mir doch nicht vor der Kinderdisko zwei Bier in den Rachen schütten und dann besoffen mit den Kindern tanzen.“ Vohrmann versucht noch zu relativieren: „Wegen zwei Bier...“, aber er hat den Fehler längst eingesehen.

Elina Kettnaker ist auch Stimme der Vernunft, als sie sagt: „Ich würde keine Mistgabeln durch das Festzelt werfen.“ Die Kerbeburschen suchen Disziplinen für den „Olympischen Wettkampf“ am Sonntag. Gesetzt sind die Disziplinen „Bembelstemmen“ und „Exen“ (also Alkohol in einem Zug austrinken) - wobei Robin Kettnaker es lieber „Apfelweinstafette“ nennen würde. „Sonst klingt das so primitiv“, sagt er.

Geht es bei den Kerbeburschen in erster Linie ums Saufen? Kopfschütteln im Kerbegarten. „Wir können uns aufeinander verlassen“, sagt Elina Kettnaker. Die Kerbeburschen seien wie ein erweiterter Freundeskreis und wie eine kleine Familie. Und Dorian Saul: „Es geht um diese Gemeinschaft, um das Projekt, das wir gemeinsam umsetzen.“ Und so viel auch über exen und saufen gesprochen wurde, den 10-Liter-Kanister Apfelwein haben die 16 Kerbeburschen beim Orga-Treffen nur zu einem Viertel geleert. msr

Das Programm

Freitag, 23. September

Die Kerb beginnt am Freitag mit der Kinderdisco. Ab 17 Uhr läuft im Festzelt Musik zum Mitsingen und Tanzen für den Nachwuchs und seine Eltern. Anschließend startet um 20 Uhr die Party mit Aprés-Ski-Musik von DJ Peter.

Samstag, 24. September

Am Samstag startet der Festumzug um 14.30 Uhr. Vom Dachsberg führt die Strecke über den Honigberg zur Berkersheimer Bahnstraße und endet auf dem Dalles. Da der Bahnübergang geschlossen ist, wird der Kerbebaum danach über den Frankfurter Berg zum Festplatz gebracht. Ungefähr ab 16 Uhr wird der Kerbebaum auf dem Festplatz aufgestellt. Ab 20 Uhr beginnt der Kerbetanz zu Live-Musik von „Haifly“ mit bayerischer Stimmungsmusik, Rock, Pop und den angesagtesten Songs von heute . Auch haben die Kerbeburschen ein kleines Programm vorbereitet.

Sonntag, 25. September

Am Sonntag beginnt das Programm um 11 Uhr mit einem Gottesdienst im Festzelt. Am Nachmittag findet die Kerbeburschen-Olympiade statt, „mit wahnwitzigen Wettbewerben“. Um 19 Uhr folgt dann in diesem Jahr wieder ein Lampionumzug. Dieser war in den vergangenen Jahren ausgefallen, weil es nur wenige Teilnehmer gab. ms

Auch interessant

Kommentare