Totschlag-Prozess gegen Jozsef S.

Freundin erwürgt und entsorgt

Der ein Jahr alte Leon lebte bei einer Pflegefamilie, als seine drogenabhängige Mutter Jessica B. im Juli 2015 umgebracht wurde. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Jozsef S., den Ex-Freund der 22-Jährigen, erhoben. Von Mittwoch an muss er sich vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Weil er seine ehemalige Lebensgefährtin erwürgt und die Leiche danach im Hausmüll entsorgt haben soll, muss sich von Mittwoch an Jozsef S. (24) vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Anklage lautet auf Totschlag, weil im Verlauf der Ermittlungen der genaue Tathergang nicht aufgeklärt werden konnte. Deshalb gibt es keine ausreichenden Anhaltspunkte für Mordmerkmale.

Jessica B. war am 8. Juli 2015 verschwunden. Familienangehörige hatten sie als vermisst gemeldet. Ihr damals ein Jahr altes Kind lebte bei einer Pflegefamilie. Die Eltern sollen unter anderem Probleme mit Drogen gehabt haben. Die Polizei durchsuchte mit Leichenspürhunden die Wohnung der Frau in der Lenaustraße und des Mannes im Sossenheimer Weg.

Dabei waren Beweismittel gesichert worden, die den Tötungsverdacht gegen den Ex-Freund erhärteten. Tatort sei vermutlich die Wohnung der Frau gewesen. Der Mann und die Frau hätten eine wechselvolle Beziehung mit mehreren Trennungen und Versöhnungen geführt, es sei häufig zu lautem Streit gekommen. Der zur Tatzeit 23 Jahre alte Ex-Freund von Jessica B. hatte eine Woche nach ihrem Verschwinden gestanden, sie umgebracht und ihre Leiche in den Hausmüll geworfen zu haben. In der Untersuchungshaft widerrief er dann aber wieder das Geständnis.

In der Zwischenzeit war, wie berichtet, von Polizeibeamten zuerst im Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt der Abfall vergebens nach dem toten Körper der Frau durchsucht worden. Die Verbrennungsrückstände aus diesem Kraftwerk werden zum Deponiepark nach Wicker gebracht – dort gibt es eine Extra-Verarbeitungsmethode, mit der die Schlacke aus dem Heizkraftwerk weiterbehandelt wird.

Rund zwei Monate hatten die Ermittler nach der Leiche gesucht und dabei tagelang per Hand und mit Hilfe einer hochauflösenden Kamera Müllberge auf der Deponie Flörsheim-Wicker durchkämmt. In einem rund 20 000 Kubikmeter umfassenden und etwa 10 000 Tonnen schweren Schlackeberg spürten die Beamten menschliche Überreste auf, die jetzt nach einer DNA-Untersuchung dem Opfer zugeordnet wurden. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet das Ergebnis als „zweifelsfrei“.

Die Eltern des Opfers hatten dem Jugendamt Untätigkeit vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft erklärte jedoch, es habe begründete Zweifel an der Erziehungsfähigkeit von Jessica B. gegeben. Zugleich habe die junge Frau den Kontakt zu ihrem Ex-Freund, vor dem sie angeblich Todesangst gehabt haben soll, aufrechterhalten – und habe sogar mit ihm in das bereits ausgesuchte Mutter-Kind-Heim ziehen wollen.

Die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiterinnen des Frankfurter Jugendamtes wegen fahrlässiger Tötung in dem Fall waren jedoch im März eingestellt worden. Die Anzeige der Eltern sei menschlich verständlich, der Schutzauftrag der Behörde habe sich aber nicht auf die 22-Jährige, sondern nur auf deren Sohn bezogen, hatte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen damals erklärt.

Die Schwurgerichtskammer hat zunächst sechs Verhandlungstage bis Anfang August terminiert. In dem Prozess wird auch ein Sachverständiger zur Suchtproblematik des Angeklagten und einer damit verbundenen möglichen eingeschränkten Schuldfähigkeit zu Wort kommen.

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