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Friedhofsgärtner Lüder Nobbmann kniet vor dem neuen Grabfeld, um das er sich mit Kollegen kümmert.

Bornheimer Friedhof

Friedfeld als letzte Ruhestätte

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Auf dem Bornheimer Friedhof wurde gestern Frankfurts zweites Friedfeld für 226 Gräber eröffnet. Weitere Grabfelder mit diesem Charakter sind bereits in Planung.

Wenige Meter vom Eingang zum Bornheimer Friedhof hat man eher das Gefühl in einer heimischen Gartenanlage zu sein, die sich zwischen den traditionellen Gräbern und Grabsteinen erstreckt und schon bald mit Sonnenblumen, Olivenbäumen und bodendeckenden Sträuchern aufblühen wird. Bewirtschaftet wird sie von der Arbeitsgemeinschaft Gewann D der Friedhofsgärtnereien Woller, Harisch und Klumpen, zehn Vorverträge für künftige Bestattungen konnten bereits abgeschlossen werden.

Bestattung im Wald

„Wobei es sich hier um Menschen handelt, die mit der traditionellen Friedhofskultur Frankfurts bereits abgeschlossen hatten und lieber eine Bestattung draußen im Wald wollten“, betont Berthold Klumpen, Inhaber der gleichnamigen Gärtnereien. „Doch als sie von unseren Plänen hörten, ein Friedfeld auf dem Bornheimer Friedhof anzulegen, haben sie sich umentschieden, weil endlich Bewegung in die Bestattungskultur kommt.“ Das Friedfeld Gewann D ist bereits das zweite seiner Art, das die Genossenschaft der Friedhofsgärtner gestern nach dem Friedfeld Gewann H auf dem Hauptfriedhof eröffnete.

Umfasst das Friedfeld auf dem Hauptfriedhof rund 190 Grabstätten auf 400 Quadratmetern, so bietet das Areal auf dem Bornheimer Friedhof sogar 226 Grabstätten auf rund 1000 Quadratmetern. Wobei sogar noch eine Erweiterungsfläche von 400 Quadratmetern mit einer entsprechenden Anzahl an Grabstätten vorgesehen ist. „Hier bietet sich eine völlig neue Chance, wieder mehr Nutzer für unsere Friedhöfe zu finden“, betont der Leiter des Grünflächenamtes Stephan Heldmann den Weg einer individuellen und kleinteiligen Frankfurter Friedhofskultur im Vergleich zu Städten wie Hamburg oder Wien, die weiterhin durch die Tradition von Großfriedhöfen geprägt sind. „Wobei sich in Frankfurt das frühere Verhältnis von 70 Erdbestattungen zu 30 Brandbestattungen inzwischen umgekehrt hat.“

Vor zwei Jahren gestartet

Während Friedfelder in Süddeutschland bereits seit 20 Jahren üblich sind, kam die Entwicklung in Frankfurt erst vor zwei Jahren in Gang und wurde auf dem Bornheimer Friedhof auch durch die Anlage des Gemeinschaftsgrabes der TG Bornheim bestimmt. Für die Gestaltung des Friedfeldes sind die umliegenden Gärtner mit Materialkosten von rund 25 000 Euro in Vorleistung gegangen. „Dazu gehört eine Bepflanzung mit bodendeckenden Sträuchern wie der Rebhuhnbeere und Gehölzen wie dem Oliven- und Eibenbaum, verschiedenen Gräsern und einem Wasserspiel“, erläutert Klumpen.

„Wer auf dem Friedfeld seine letzte Ruhestätte finden möchte, schließt einen Dauergrabpflegevertrag mit der Genossenschaft der Friedhofsgärtner ab“, erklärt deren Vorsitzender Michael Ballenberger. So kostet ein für 20 Jahre genutztes Reihenurnengrab mit gärtnerischer Pflege und gemeinschaftlichem Grabmal mit Beschriftung rund 3000 Euro, ein Erdbestattungs- oder Einzelgrab mit gärtnerischer Pflege entsprechend rund 8000 Euro. „Eine Gestaltung und Pflege der eigenen Grabstätte und des Umfeldes ist so gewährleistet, vernachlässigte Grabstätten wird es nicht mehr geben“, betont der Abteilungsleiter für Friedhöfe Thomas Bäder.

Zudem erlaube das neue Bestattungsgesetz flexiblere Grabgrößen, die etwa mit 50 mal 50 Zentimetern für Urnengräbern auch günstiger sind als bisherige Gräber. Da im vergangenen Jahr bereits 10 Prozent aller Verträge für Friedfelder abgeschlossen wurden, plant das Friedhofsamt bereits weitere Friedfelder auf den insgesamt 36 Frankfurter Friedhöfen, das nächste ist beispielsweise auf dem Friedhof Westhausen vorgesehen.

Von Gernot Gottwals

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