Alles frisch: In Martin Starks Automaten gibt es neben den Eiern seiner Hühner auch Fleischprodukte der Metzgerei Kaiser aus Kalbach. Regelmäßig werden die Produkte aufgefüllt. Die Maschine steht direkt an seinem Hof nicht weit von der Krebsmühle entfernt. foto: Rüffer
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Alles frisch: In Martin Starks Automaten gibt es neben den Eiern seiner Hühner auch Fleischprodukte der Metzgerei Kaiser aus Kalbach. Regelmäßig werden die Produkte aufgefüllt. Die Maschine steht direkt an seinem Hof nicht weit von der Krebsmühle entfernt.

Niederursel: Selbstbedienung

Frische Eier gibt's hier auf Knopfdruck

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Burghof verkauft Produkte im Automaten

Neugierig blicken die beiden Spaziergängerinnen, die an diesem Vormittag mit ihren Hunden auf den Niederurseler Feldern unterwegs sind, in das kleinen Holzhäuschen. "Das ist ja interessant", sagt die eine. "Oh, Wurst und Eier", sagt die andere. Landwirt Martin Stark, Betreiber des Burghofs, hat die Hütte vor wenigen Tagen direkt neben seinem Betrieb - nicht weit von der Krebsmühle entfernt - aufgebaut. Oder besser gesagt das, was sich unter dem spitzen Dach aus hellen Holzlatten verbirgt: ein schwarzer, massiver Automat. Gefüllt mit Getränken, Wurst, Fleisch und Eiern. Kleinen und großen, bunten, weißen und braunen. Von glücklichen Hühnern, den Hühnern von Martin Stark.

30 000 Hühner auf dem Hof

30 000 davon leben auf seinem Hof, 280 Eier legt jedes Huhn durchschnittlich im Jahr. Und einige davon werden eben jetzt über Starks neuen Automaten vertrieben. "Man sucht doch immer nach neuen Wegen, um seine Produkte zu verkaufen. Die Idee mit dem Automaten hatte ich schon länger und bin deswegen froh, dass ich sie jetzt umsetzen konnte", sagt Martin Stark, dessen Hof ein echter Familienbetrieb ist. Nie wollte er etwas anderes machen, als sein Vater und Großvater. Seit 200 Jahren arbeitet die Familie in der Landwirtschaft. 2004 verließ Martin Stark jedoch den Ortskern von Niederursel und baute einen neuen Hof auf dem Hügel.

Bis 2013 hatten die Starks noch einen Hofladen. Doch "aus privaten Gründen" haben man diesen geschlossen. Nun gebe es stattdessen eben den Automaten. Etwas abseits gelegen und nur mit dem Auto zu erreichen. Oder von Spaziergängern. Deswegen, sagt Martin Stark, gebe es neben seinen Eiern eben auch Getränke. "Für die kleine Stärkung zwischendurch." Sowie frisches Grillfleisch und Würstchen. Von der Metzgerei aus Kalbach, ebenfalls ein Familienbetrieb und der Vorreiter in Frankfurt, was solche Automaten betrifft. 2017 stellte Andreas Kaiser das erste Exemplar vor seiner Metzgerei in der Kalbacher Hauptstraße auf, ein weiteres folgte auf dem Riedberg.

"Jetzt plant er noch einen Automaten in Nieder-Eschbach", erklärt Martin Stark, warum man mit dem Metzger-Meister kooperiere. Er bringe die nötige Erfahrung mit und habe ihn deswegen beraten können. Und so gibt es in seinen Automaten Fleisch, in denen der Metzgerei nun auch frische Eier. Bunte oder ungefärbte, in verschiedenen Größen. Sogar XL-Eier, die es eher selten gibt, können dort gekauft werden.

Bunte Eier seien das erste Produkt gewesen, dass sich Kunden aus dem Automaten gezogen hätten. Das funktioniert auf Knopfdruck, bezahlt werden kann mit Bargeld oder Karte. "Alles coronakonform versteht sich", sagt der Landwirt, der weiß, dass er durch solch einen Automat kein Millionär wird. Aber es ist ein Service, der von den Kunden gut angenommen wird. Auch weil sie wissen, dass sie an den Automaten Qualität bekommen. "Die Produkte kommen direkt vom Erzeuger, das wird in der heutigen Zeit immer wichtiger", sagt er. Mit Schildern am Wegesrand will er deshalb das Angebot künftig noch intensiver bewerben, bislang tut er dies ausschließlich über das soziale Netzwerk Facebook.

Gestiegene Nachfrage im Einzelhandel

Ansonsten herrscht auf dem Burghof geschäftiges Treiben - schließlich ist in zwei Wochen Ostern. Im vergangenen Jahr, sagt Martin Stark, habe er die Corona-Pandemie tatsächlich zu spüren bekommen. Wegen vieler ausgefallener Veranstaltung der Eier-Suche sei die Nachfrage zurückgegangen. Ansonsten spüre er es weniger, die Absatzarten hätten sich verändert, die Nachfrage im Einzelhandel sei gestiegen.

Was jedoch ganz weggebrochen ist, das ist das zweite Standbein des Landwirts. Denn der "Hühnerstall", ein Veranstaltungsraum, steht seit einem Jahr leer. Regelmäßig fanden dort Konzerte mit regionalen Bands statt. Als Musiker, der gern in der Freizeit zur Gitarre greift, blutet Martin Stark bei diesem Anblick das Herz. "Es wird Zeit, dass hier endlich wieder Leben in die Bude kommt", sagt er. judith dietermann

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