Mike Josef
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Kommunalwahl

Frischer Wind bei den Frankfurter Genossen

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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SPD präsentiert auf ihrer Kandidatenliste viele Neulinge, aber auch Erfahrene

Frankfurt -Der Vorstand der Frankfurter SPD hat die Kandidatenliste für die Kommunalwahl am 14. März beschlossen. "Wir haben eine gute Mischung aus altbewährten Köpfen und neuen, hungrigen Personen gefunden", sagte der SPD-Vorsitzende Mike Josef gestern bei der Vorstellung der Kandidaten. Der 37-Jährige selbst führt die Liste an, gefolgt von der SPD-Fraktionsvorsitzenden im Römer, Ursula Busch.

Zu den ersten 30 Kandidaten gehören 12 Neulinge, nimmt man die ersten 40 Kandidaten, sind es sogar 15. Dazu zählen etwa Frankfurts SPD-Vizechefin Sylvia Kunze (Platz 6), Simon Witsch von den Jusos Frankfurt (Platz 15), die Flughafenausbaugegnerin Ina Hauck (Platz 22), Michael Hohmann, der Leiter der Romanfabrik (Platz 33), oder Annette Ludwig, die seit Jahren gegen Rechtsextremismus kämpft (Platz 28). Die Hälfte der Listenplätze ist an Frauen vergeben.

Stadt abgebildet"

"Unser Anspruch war es, auf unserer Kandidatenliste die ganze Stadt mit all ihren Facetten abzubilden", so Josef. Das Alter alleine sei kein Auswahlkriterium gewesen. "Wir haben unseren Erneuerungsprozess schon vor Jahren begonnen." Sieben der ersten 30 Kandidaten sind 30 Jahre alt oder jünger, sieben haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen etwa aus Syrien, wie Josef, aus der Türkei oder Marokko. Dazu zählt etwa Hüseyin Sitki, Träger des Bundesverdienstkreuzes und Leiter des Türkischen Filmfestivals. Für ihn ist Listenplatz 9 vorgesehen.

"Es geht aber nicht nur darum, woher jemand kommt, sondern auch, was er macht", sagte Josef. So stehen mit Almuth Meyer (Platz 10) und Michael Zimmermann-Freitag (Platz 23), stellvertretender Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und Regionalgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, auch zwei Quereinsteiger auf den vorderen Plätzen der Liste. Sie beide sind noch keine SPD-Mitglieder, sind aber gewillt, Genossen zu werden. Am Samstag wollen sie in die Partei eintreten. "Als moderne Großstadtpartei muss man sich für Initiativen, Vereine und Verbände öffnen", so Josef. Er ist der Meinung: "Wer seine Stimme in einer Initiative erhebt, sollte dies auch im Parlament machen."

Almuth Meyer etwa war eine der Bewohnerinnen in der Wingertstraße 21 im Ostend, die sich vehement dagegen gewehrt hatten, dass das Haus luxussaniert und die Mieter verdrängt werden. "Sie hat am eigenen Leib erfahren, was es trotz Einkommen bedeutet, die Wohnung unter den Füßen weggerissen zu bekommen", so Josef. "Sie steht für eine Politik des Mieterschutzes."

prominenten Plätzen

Aber nicht nur Neulinge und bereits bewährte Stadtverordnete wie Holger Tschierschke (Platz 5), Milkica Romic (Platz 16) oder Sieghard Pawlik (Platz 17) stehen auf prominenten Listenplätzen, sondern auch die derzeit amtierenden SPD-Stadträte Sylvia Weber (Platz 4), Ina Hartwig (Platz 30), Klaus Oesterling (Platz 31) und eben Josef, der auch Planungsdezernent ist.

"Es war uns wichtig, alle Magistratsmitglieder sichtbar auf der Liste zu platzieren, denn wir haben eine verdammt gute Arbeit in den vergangenen Jahren gemacht", so Josef. Er selbst stehe als Parteivorsitzender wie kein anderer für die Politik der Sozialdemokraten. "Auch die anderen Stadträte stehen für eine erfolgreiche SPD-Politik in der Stadt."

Ursula Busch wies darauf hin, dass bei der Auswahl der Kandidaten auch darauf geachtet wurde, alle Stadtteile abzudecken. "Auf der Liste stehen Experten für jeden Winkel der Stadt", so Busch, die als Beispiel Raven Kirchner, Vorsitzender des Ortsvereins Riederwald (Platz 19) nannte. "Aus dem Riederwald hatten wir schon lange keinen Kandidaten mehr."

Nun muss die Liste noch auf dem SPD-Parteitag am Samstag von den 333 Delegierten beschlossen werden. Die Wähler können die Liste durch Kumulieren (häufeln) und Panaschieren (verteilen der Stimmen auf mehrere Listen) noch verändern.

Mit ihren Kandidaten will die SPD in Frankfurt stärkste Kraft werden. Derzeit ist die Partei mit 22 Genossen im Stadtparlament vertreten. Josef sagte: "Mindestens genauso stark soll unsere Fraktion nach der Wahl wieder sein." Julia Lorenz

FOtos: ROEssler (2), Lyding, Hamerski, SPD, DPA, Privat

1. Mike Josef, 2. Ursula Busch, 3. Roger Podstatny, 4. Sylvia Weber, 5. Holger Tschierschke, 6. Sylvia Kunze, 7. Abdenassar Gannoukh, 8. Kristina Luxen, 9. Hüseyin Sitki, 10. Almuth Meyer, 11. Gregor Amann, 12. Viktorija Krzelj, 13. Jürgen Gasper, 14. Esther Gebhardt, 15. Simon Witsch, 16. Milkica Romic, 17. Sieghard Pawlik, 18. Stella Schulz-Nurtsch, 19. Raven Kirchner, 20. Anna Pause, 21. Roland Frischkorn, 22. Ina Hauck, 23. Michael Zimmermann-Freitag, 24. Birgit Puttendörfer, 25. Armand Zorn, 26. Petra Scharf, 27. Omar Shehata, 28. Annette Ludwig, 29. Thomas Bäppler-Wolf, 30. Ina Hartwig, 31. Klaus Oesterling, 32. Christine Wendel-Roth, 33. Michael Hohmann, 34. Stefanie Then, 35. Jan Klingelhöfer, 36. Marion Weil-Döpel, 37. Hubert Schmitt, 38. Mariame Racine Sow, 39. Michael Bach, 40. Susanne Kassold. jlo

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