+
Die Schlagerstars Tony Marshall (Mitte) und Bata Ilic (rechts) singen in der Weißfrauenkirche für Obdachlose.

Stadtgeflüster

O du fröhliche . . .

  • schließen

Macht euch keine Gedanken, ihr passt sehr gut in diese Welt“, sagt Tony Marshall . Er sitzt auf einem Stuhl auf einer Bühne in der Weißfrauenkirche

Macht euch keine Gedanken, ihr passt sehr gut in diese Welt“, sagt Tony Marshall . Er sitzt auf einem Stuhl auf einer Bühne in der Weißfrauenkirche und singt nach dieser markanten Aussage den Klassiker „My Way“ mit deutschem Text.

Es sind einige Stunden, die den Liedern, dem Kaffee, dem Kuchen, der Wurst und dem Kartoffelsalat sowie den Kreppeln gehören. Denn für den Zweiten Advent stellte Stephan Friedrich – einst Frankfurter Juwelier – einen Nachmittag für Bedürftige und Obdachlose auf die Beine. Samt Konzert. Ungefähr 200 folgten der Einladung in die Gutleutstraße. Und neben Tony Marshall sang – bereits zum 20. Mal: Bata Illic . „Er ist von Anfang an dabei und nimmt keine Gage dafür“, erzählt Friedrich, der ein großer Illic-Fan ist. „Ich habe Bata vor ein paar Jahren in einer Frankfurter Discothek erlebt, wo Jugendliche auf den Tischen zu seinen Liedern tanzten und mitsangen“, erinnert er sich. Illic riss auch in der Weißfrauenkirche sein Publikum mit. Vor sechs Monaten klingelte Stephan Friedrich auch bei Tony Marshall durch und fragte, ob er nicht Lust habe, aufzutreten. „Er hat sofort zugesagt.“

Für Marshall gab es da auch nichts zu überlegen. „Ich setze mich seit 50 Jahren für Menschen ein, und immer wenn ich gefragt werde und Zeit habe, sage ich zu“, sagt der 80-jährige Baden-Badener, der während des Auftritts sitzen muss, weil er an Polymyopathie leidet, einer Muskelerkrankung. „Das ist blöd, aber ich kann damit umgehen. Ich habe in meinem Leben so viel erlebt und bin sehr dankbar dafür“, so Marshall, der ein Ziel hat: Er möchte, wie seine Mutter, 95 Jahre alt werden. Und er kündigt noch eins an: „Stephan Friedrich ist so ein angenehmer Geschäftsmann, ich komme im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder.“

Bis dahin hat er noch viel vor. Unter anderem geht er auf Tournee. „Ich bin mit meinen beiden Söhnen unterwegs, und wer weiß: Vielleicht machen wir auch in Frankfurt Halt“, sagt der Stimmungsmacher, der sich mit dem Lied „Schöne Maid“ ins kollektive Schlagergedächtnis eingebrannt hat. Für die Weißfrauenkirche habe er getragene und langsame Lieder auf seiner Playlist gehabt, „doch Bata sagte, ich solle Stimmungslieder spielen – und das war genau der richtige Ratschlag“, so Marshall.

Das Konzert in der Weißfrauenkirche sei jedes Mal „etwas ganz Besonderes“, fasste Bata Illic seine Gefühle nach dem Auftritt zusammen. „Ich fühle mich danach immer sehr, sehr gut. Es ist doch so, dass ich viel Glück gehabt habe in meinem Leben, und davon möchte ich den Menschen etwas zurückgeben“, erklärte der Schlagerstar seine Motivation, auch im kommenden Jahr wieder mitzumachen.

Auch Stephan Friedrich hatte Glück im Leben. Aber eben nicht nur. „Neben den tollsten Erfolgen im Geschäft an der Goethestraße gab es auch Zeiten, in denen wir unter Existenzängsten litten“, erzählt er. Auch das sei ein Grund dafür, warum er den Konzertnachmittag seit 1999 auf die Beine stellt. „Nun veranstaltet die Hoffnungsgemeinde unter Pfarrerin Jutta Jekel und Pfarrer Dr. Michael Frase mit großem Aufwand diese Feier“, berichtet er. Aber er hat sich nicht vollkommen zurückgezogen, sondern unterstützt, wie schon seit 20 Jahren, das Fest finanziell und organisiert die Sänger. Und da sind schon so manche Hochkaräter mehr wie Dunja Rajter und Roberto Blanco dabei gewesen. Auch Friedrichs Familie ist seit Anfang an dabei, gestern unterstützte ihn seine Tochter Anna-Katharina. Bleibt die Frage, warum er sich so sehr für Bedürftige engagiert. Stephan Friedrich antwortet: „Damit diese Menschen einmal an etwas anderes denken als an ihre Armut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare