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Wilhelm Ott setzt sich dafür ein, dass das historische Erscheinungsbild des Mörderbrunnens wieder hergestellt wird.

Mörderbrunnen in Sachsenhausen

Für Frösche ist dieser Brunnen eine Todesfalle

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Um den Mörderbrunnen im Stadtwald rankt sich eine traurige Liebesgeschichte. Nun ist das Jahrhunderte alte Kleindenkmal zu einer Falle für Amphibien geworden und wurde deshalb mit einem Stanzblech abgedeckt. Dagegen regt sich allerdings Protest.

Unscheinbar kommt er daher, schaurig hingegen ist sein Name: Wer den Mörderbrunnen im Stadtwald zum ersten Mal sieht, mag dessen historische Bedeutung nicht sofort erfassen. Erstmals urkundlich erwähnt, so wird es auf der Webseite der Stadt beschrieben, wird dieser im Jahr 1742. Um ihn rankt sich die Sage um eine tragische Liebe, die tödlich endet. Eine Wasserfee soll ihr Herz an einen jungen Jägersmann verloren haben, der von einem anderen Jäger aus Eifersucht getötet wurde. In ihrer Trauer und Wut soll die Wasserfee zu drastischen Maßnahmen gegriffen und den Mörder des Liebsten erwürgt haben.

Aktuell ist der Mörderbrunnen, der kurz vor Neu-Isenburg auf Sachsenhäuser Gemarkung liegt, erneut im Gespräch. Um Tote geht es dabei auch – jedoch um Amphibien, genauer gesagt Frösche, die ihr Leben im Brunnen gelassen haben sollen.

Zu deren Schutz wurde das Kulturdenkmal in diesem Jahr mit einem schimmernden Stanzblech abgedeckt, das „fest auf den historischen Brunnenring aus Basaltstein eingemörtelt wurde“, beschreibt Wilhelm Ott das aktuelle Erscheinungsbild des Mörderbrunnens auf seiner Webseite.

Ott sagt von sich selbst: „Ich bin seit Langem lokal-historisch sehr interessiert.“ Und eben deshalb habe er sich auch mit der Geschichte des Mörderbrunnens auseinandergesetzt und recherchiert, dass dieser bereits im 16. Jahrhundert Erwähnung findet. Dies gehe aus einem Artikel aus dem Jahr 1913 hervor, der im Institut für Stadtgeschichte aufbewahrt werde. Danach sei der Brunnen bereits auf einer Karte aus dem Jahr 1575 als „Morder Brun“ eingezeichnet gewesen.

Ott setzt sich dafür ein, dass der historische Charakter des Mörderbrunnens auch für die Zukunft bewahrt wird, und sieht in der Maßnahme „eine „Verunstaltung des Kulturdenkmals“. Ott wünscht sich, dass das Stanzblech wieder entfernt und der Brunnen fachgerecht restauriert wird.

Mit diesem Anliegen steht er nicht alleine da. Er wird von der Sachsenhäuser Brunnen- und Kerbegesellschaft darin unterstützt. „Unser Interesse gilt den Sachenhäuser Brunnen und wir finden es schade, wenn das Erscheinungsbild durch solche Maßnahmen verändert wird und ein Brunnen nicht mehr als solcher zu erkennen ist“, sagt Dieter Breidt, Vorsitzender der Sachsenhäuser Brunnen- und Kerbegesellschaft.

„Ich habe versucht zu erreichen, dass die Lochplatte entfernt wird und dass der Brunnen freigelegt wird, damit die Amphibien nicht reinfallen können“, schildert Ott. Bisher jedoch ohne Erfolg. Sowohl Ott als auch Breidt sind sich einig, dass der Schutz der Amphibien wichtig ist. Sie wünschen sich jedoch eine bessere Lösung für den Mörderbrunnen als die gegenwärtige. Ott, der in Dreieich-Sprendlingen lebt, hat sich aus diesem Grund an den Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) gewandt und möchte, dass dieser in der Sache tätig wird.

„Wir wurden vom Senckenberg-Institut darauf aufmerksam gemacht, dass immer wieder Amphibien in der Brunnen hineinfallen und nicht herauskommen“, nennt Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde den Grund für die Maßnahme. Dass diese Auswirkungen auf das Erscheinungsbild des Brunnens habe, räumt er ein.

„Wir haben diese Maßnahmen als

Übergangslösung

begriffen, um das Problem kurzfristig zu beheben“, sagt er und verspricht, dass die Projektgruppe „Grüngürtel“ prüfen werde, inwieweit eine gestalterisch gute und gleichzeitig dem Artenschutz gerechte Lösung umgesetzt werden könne. Einen Zeitpunkt hierfür konnte Rothenburger aktuell aber noch nicht nennen.

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