In der ersten Stunde ihrer Kontrollaktion auf der Mainzer Landstraße hat die Polizei etwa ein Dutzend Radler und E-Scooter-Fahrer angehalten, weil sie sich verkehrswidrig verhalten hatten. Die meisten staunten ob der saftigen Strafe ungläubig.
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In der ersten Stunde ihrer Kontrollaktion auf der Mainzer Landstraße hat die Polizei etwa ein Dutzend Radler und E-Scooter-Fahrer angehalten, weil sie sich verkehrswidrig verhalten hatten. Die meisten staunten ob der saftigen Strafe ungläubig.

Satte Geldstrafen

Verkehrskontrolle auf der Mainzer Landstraße – Teure Strafen für Rotsünder auf Fahrrädern

  • VonSabine Schramek
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Die Polizei nimmt auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt gezielt Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer ins Visier. Das sorgt für Frust und empfindliche Geldstrafen.

Frankfurt – Sie stehen in Hauseingängen, an Büschen oder Brücken nicht weit von Ampeln entfernt. Polizeibeamte von der Verkehrsüberwachung filmen jeden Radler und E-Scooter-Fahrer, der bei Rot über die Ampel fährt. Kurz dahinter werden die Verkehrssünder unter ihnen von der Fahrradstaffel aus dem Verkehr gezogen. Es wird teuer.

Nach eineinhalb Stunden Verkehrsüberwachung gestern Nachmittag an der Mainzer Landstraße warten auf zwölf Radfahrer und E-Scooter-Fahrer dicke Knöllchen und ein Punkt in Flensburg. Die Polizei nennt es einen "qualifizierten Verstoß", wenn jemand eine Sekunde nach dem Umschalten auf Rot über die Ampel fährt. Per Funk geben Polizeioberkommissar Florian Rode und sein Kollege Kevin Seckler die Beschreibung einer Frau durch. "Dunkle lange Haare und Lederjacke auf einem Rad", heißt es. Und weiter: "Da kommen zwei Personen auf einem E-Scooter hinterher." Elf Polizisten von der Fahrradstaffel und von der Verkehrsüberwachung deuten in gut einer Stunde ein Dutzend Verkehrssünder aus.

"Ich muss ganz dringend auf die Toilette", sagt eine Frau, die mit einer rot-weißen Kelle rausgewunken wurde. "Ich bin über keine rote Ampel gefahren", beteuert ein Mann. "Zeigen Sie mir erstmal Ihren Ausweis", verlangt die Frau in Lederjacke von einem Beamten. Polizeioberkommissar Carsten Kehr bleibt ebenso ruhig wie seine Kolleginnen und Kollegen. "Sie sind bei Rot über die Ampel gefahren. Sie müssen nichts sagen und können jederzeit einen Anwalt aufsuchen", werden sie belehrt.

Verkehrskontrolle in Frankfurt: Es geht um Prävention und Aufklärung

Einige zweifeln daran, dass es Beweise gibt. Sie lenken ein, wenn ihnen erklärt wird, dass es Videoaufnahmen gibt, die "bis auf 0,04 Sekunden nachvollziehbar sind". Die Blicke der Männer und Frauen wechseln ab zwischen Zweifel und Reue, ein bisschen Wut und Resignation. "Es geht nicht darum, die Leute zu ärgern, sondern um Prävention und Aufklärung", so Kehr. "Wenn jeder auf jeden Rücksicht nehmen würde, wäre vieles nicht nötig", ist er überzeugt.

Das Pärchen auf dem E-Scooter versteht nicht, dass sie etwas falsch gemacht haben. Zehn Euro Verwarnungsgeld müssen sie bezahlen. "Wir kommen aus Israel. In der App steht nichts davon, dass man alleine auf einem E-Scooter fahren muss", sagt der junge Mann betroffen. Er erklärt den Beamten, dass man in Israel E-Scooter nur fahren darf, wenn man ein Selfie mit Helm von sich macht und auf die App lädt. "Keine schlechte Idee", so eine Polizistin von der Fahrradstaffel. "Es tut mir so leid", sagt eine Frau. "Aber das machen doch alle überall. Ich zahle die 100 Euro. Vielleicht sollte es einfach viel mehr Kontrollen geben", fügt sie mit hochrotem Kopf dazu. "Das passiert mir bestimmt kein zweites Mal", verspricht sie, bevor sie weiterfährt.

Die Polizisten haben auch getunte E-Bikes im Blick, achten auf Reflektoren und Kennzeichen. Bei fast allen ist das in Ordnung. Der Spanier, der einige Jahre in Frankfurt lebt und in wenigen Tagen in sein Heimatland zurückzieht, macht sich Sorgen, wie er den Bescheid erhält. "Außerdem bin ich über keine rote Ampel gefahren", wiederholt er wieder und wieder.

Frankfurt: Rotsünder mit dem Fahrrad und dem E-Scooter - "Noch mal mache ich das nicht"

"Uffbasse" steht auf dem Rücken der Warnweste eines älteren Radlers, der ebenfalls bei Rot über die Ampel gefahren ist. Er hat Humor. "Da hab isch net uffgebasst", meint er und gibt ohne Widerworte seinen Ausweis ab.

Ob Radler oder E-Scooter-Fahrer dreister sind, kann die Polizei nicht sagen. "Das gibt sich nicht viel", erlebt einer der Polizisten immer wieder. "Es geht darum, Unfälle zu verhindern. Auch Fußgänger, Kinder und Behinderte haben das Recht, sicher zu Fuß über die Straße zu kommen. Sie sind es, die wir schützen wollen." Ein junger Mann ärgert sich über sich selbst. "Vor allem über den Punkt in Flensburg. Ich hatte bisher noch nicht mal ein Knöllchen wegen Falschparkens. Das ist echt voll blöd. Noch mal mache ich das nicht." (Sabin Schramek)

Zuletzt eskalierte eine Verkehrskontrolle im Bahnhofsviertel von Frankfurt. Die Polizei setzte dabei Pfefferspray ein.

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