m Vespa-Museum in Alt-Praunheim sollte der Korso mit den Kult-Rollern enden. Das hat zwar wieder geöffnet, doch nach der Absage müssen Renate Gräfe und Jochen Haseleu dort wohl alleine feiern. foto: sauda
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m Vespa-Museum in Alt-Praunheim sollte der Korso mit den Kult-Rollern enden. Das hat zwar wieder geöffnet, doch nach der Absage müssen Renate Gräfe und Jochen Haseleu dort wohl alleine feiern.

Praunheim: Italien lässt grüßen

Frustration statt großer Feier

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Der Vespa + Ape-Club sagt seine Geburtstags-Sause samt Roller-Korso ab

Der Champagner bleibt im Kühlschrank, stattdessen stoßen Renate Gräfe und Jochen Haseleu, Vorsitzender des "Vespa + Ape-Clubs Frankfurt Nord-West 1959" mit einer warmen Flasche Wein und einem leeren Ölkanister an. Freilich nur symbolisch, aber auch ein wenig um ihren Frust auszudrücken. Darüber, dass die große Feier des Clubs zu seinem 60-Jährigen Bestehen nun endgültig ausfällt. Dazu habe man sich "schweren Herzens" mit dem befreundeten "Vespa-Club Bürgel 1960" entschieden, nachdem man die gemeinsam geplante Geburtstags-Sause im vergangenen Jahr bereits wegen der Corona-Pandemie verschieben musste.

Von der Kegelbahn zum Museum

Zumindest das Ambiente für die kleine Frust-Feier zu zweit stimmt an diesem Vormittag. Auf einer roten Vespa, Baujahr 1960 und damit nur ein Jahr jünger als der Vespa + Ape-Club, haben Gräfe und Haseleu Platz genommen. Das Modell steht in dem kleinen Vespa-Museum in Alt-Praunheim, der ehemaligen Kegelbahn, die die beiden vor einigen Jahren liebevoll in einen Ausstellungsraum verwandelt haben und an jedem dritten Dienstag im Monat für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Auf dem Tisch neben der Tür zu den Lagerräumen, wo noch so allerhand Vespa-Nostalgie schlummert, hat Renate Gräfe ihre selbst gestalteten Chroniken ausgebreitet, allzu gerne schwelgt sie in alten Erinnerung. So viel, sagt sie, habe sie mit dem Club schon erlebt. Umso trauriger sei es, dass man nun eben nicht gemeinsam feiern könnte. Dabei war schon alles bis ins Detail geplant. Wie die Plaketten, die später als Erinnerung an den Vespas montiert werden sollten. "Sogar die Kuchenauswahl war schon festgelegt. Jeder wusste, was er zu tun hat", sagt Renate Gräfe, die eben nichts dem Zufall überlassen wollte. Ein Vespa-Korso hätte im Juni diesen Jahres, da war das große Fest geplant, von Offenbach nach Praunheim fahren sollen. "Das wäre so toll gewesen", sagt Gräfe und legt die Chronik beiseite.

Wenigsten das Museum habe man durch die Corona-Lockerungen wieder öffnen können, sagt Gräfe und wischt ein wenig Staub vom Vitrinenschrank. Der stand viele Jahre in ihrem Wohnzimmer, jetzt dient er kleinen Vespas aus Porzellan sowie Geschirr mit Bildern des italienischen Kult-Rollers. Alles Stücke, die zuletzt im Oktober von Besuchern bewundert werden konnten. Zwei ältere Ehepaare, die sich die Stadtbummler nannten, waren zu Gast. Durch alle Frankfurter Stadtteile seien sie gewandert, Praunheim bildete den Abschluss - samt Vespa-Museum. "Das beste kommt eben zum Schluss", sagt Gräfe.

Das Erwachen aus dem Winterschlaf

Während sie erzählt, ist Jochen Haseleu verschwunden. Er öffnet die beiden Eingangstüren, lässt erst einmal Luft in das Gebäude. "Das ist wie das Erwachen aus dem Winterschlaf", sagt er. Am Eingang steht ein kleiner Tisch mit Desinfektionsmittel, auf die Maskenpflicht werden die Besucher von Gräfe und Haseleu hingewiesen. Rund 25 Quadratmeter groß ist der Ausstellungsraum, maximal zwei Besucher dürften gleichzeitig hinein. Eine Tatsache, die die Betreiber im Spätsommer vor große Herausforderungen stellte. "Mit 25 Leuten kam der Vespa Club Rüsselsheim. Wir haben die Garage im Hof als Wartesaal zweckentfremdet und sie nach und nach hereingelassen", sagt Gräfe. Man müsse eben das Beste aus der Situation machen. Und: Nie den Humor verlieren.

Der hat auch Renate Gräfe stets geholfen. Stolze 81 Jahre zählt sie mittlerweile, auch wenn sie sich "noch lange nicht" so alt fühle. Immer noch sei sie mit ihrer Vespa unterwegs, wenn auch nicht mehr mit den älteren, schweren Modellen. Ihre erste Vespa gibt es immer noch. Baujahr 1982, erzählt sie, von 80 auf 125ccm habe sie sie aufrüsten lassen. Und: Diese Vespa sei quasi berühmt. Denn sie war Teil des am 29. Oktober 2006 ausgestrahlten Frankfurt-Tatorts "Das letzte Rennen". Gefahren wurde sie darin von niemand anderem als dem Kriminalhauptkommissar Fritz Dellwo, gespielt von Jörg Schüttauf.

Dann kramt Renate Gräfe doch noch einmal eine ihrer Chroniken hervor und zeigt stolz die Bilder aus dem Film. So wie zahlreiche andere Fotos aus der Geschichte des Ape + Vespa-Clubs. Gerne hätte sie die von den Feierlichkeiten zum 60-Jährigen noch hinzu gefügt. "Es hat nicht sein sollen", sagt sie und schlägt die Chronik nun wirklich zu. judith dietermann

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