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Sie führen die Tradition des Frankfurter Volkstheaters Liesel Christ fort: Hauke Hummel und Steffen Wilhelm leiten das Volkstheater Hessen.

Mundart

Sie führen seit fünf Jahren die Tradition des Volkstheaters Liesel Christ fort

Hauke Hummel und Steffen Wilhelm sind Veteranen des alten Volkstheaters. Die Frankfurter Mundart ist für sie ein lebendiger Teil des Stadtlebens, die es zu bewahren gilt - weil sie immer noch viele Anhänger hat.

Volkstheater? Wozu braucht man das denn? „Junge Leute interessiert die Mundart nicht, aber die älteren schon – und für sie machen wir das“, sagt Steffen Wilhelm, Regisseur und Schauspieler. Es ist das Heimelige, die Erinnerung an früher, das die Zuschauer so mögen. Zum Beispiel im aktuellen Stück „Der Anecker“. Da wird die Bühne zu einer Schusterei aus den 50er Jahren, mit vielen Details von der Werkbank übers Regal bis zum Werbeplakat für „Ada-Ada-Schuhe“ aus Höchst, die damals in Frankfurt schwer angesagt waren.

Aber auch bei Menschen mittleren Alters werde die Mundart immer beliebter., sagt Wilhelms und vermutet: „In Zeiten des Internets und des Konsumüberangebots sucht man sein Ich. Es ist wie im Urlaub in der Sonne sitzen und plötzlich Frankfurterisch am Nebentisch hören. Je weiter weg man ist, desto mehr Bedeutung bekommt die Heimat.“ Und Hauke Hummel, der über die Organisation und die Finanzen im Verein wie auch damals im Volkstheater Liesel Christ als Assistent der Theaterleitung den Überblick hatte, weiß: „Die meisten unserer Zuschauer sind über 50 Jahre alt und schätzen die leichtere Theaterkost. Sie möchten sich einfach einen unbeschwerten Abend lang amüsieren.“

Dabei ist Mundart-Theater alles andere als seicht, sind sich die Macher einig. Die Sprache eines Stoltze-Stücks etwa sei Teil der Frankfurter Sprachkultur und habe gewissermaßen auch die Ausdrucksweise aus einer Zeit konserviert, die heute noch Frankfurts Identität mit ausmacht. Friedrich Stoltze, der sich als Demokratieanhänger und Bürger einer freien Stadt sah, und sein Sohn Adolf haben die „Frankfurter Schnauze“ geprägt. Auch Goethes „Urfaust“ ist „urfrankfurterisch“ und aus dem Volkstheater nicht wegzudenken.

Auch neuere Stücke wie der „Anecker“ bereiten den Zuschauern große Freude. „Theater ist schließlich ein Erlebnis, das ganz anders ist als ein Kinobesuch oder ein Fernsehabend zu Hause. Im Theater kommt man dem Geschehen näher. Es ist ein Erlebnis, das lange nachhallt“, sagt Wilhelm.

Als das Frankfurter Volkstheater zum Ende der Spielzeit 2012/13 nach 42 Jahren seine Schließung in einer Pressekonferenz verkündete, weil das Gebäude neben dem Goethe-Haus abgerissen werden musste, standen Hummel und Wilhelm schon im Hof zusammen und schmiedeten den Plan, einen Verein zu gründen, der das Erbe des Hauses fortführt. „Viele Fans des Volkstheaters gaben uns Zuspruch. Wir wollten uns nicht dem Schicksal ergeben und das Team auseinanderdriften lassen,“ erinnert sich Hummel. Ende Februar 2013 gründeten 17 Mitarbeiter im Cantatesaal den Verein Volkstheater Hessen. Am 17. März stand die Satzung.

Das war vor genau fünf Jahren. Seitdem spielt die Gruppe mit wechselnden Ensembles ihre Premieren in der „Katakombe“ vor kleinerem Publikum, tritt aber auch in den Saalbauten im Gallus, in Nied oder Sossenheim sowie auf den Schiffen der Primus-Linie auf. Gefragt sind auch die Aufführungen in Frankfurt und Oberursel, die von der Arbeiterwohlfahrt unterstützt werden und die von der Nieß-Stiftung finanzierten Theaterabend für Schwerbehinderte.

„Wir planen, mehr in Pflegeheimen aufzutreten“, so Hummel. Generell sei das Hauptproblem die Werbung, so dass viele gar nicht auf das Angebot aufmerksam würden. Plakate seien am effektivsten, aber die 8000 Euro, die dafür monatlich anfallen würden, könne sich der Verein einfach nicht leisten.

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