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Die Mieterkinder der Nassauischen Heimstätte geben einer Obdachlosen Essen, Getränke und eine Isomatte.

Soziales Engagement

Fünf Jugendliche helfen Obdachlosen auf der Zeil

Soziales Engagement zu zeigen, das lernten am Samstag fünf junge Mädchen aus Offenbach. Sie versorgten gemeinsam mit den „Street Angels“ (Straßenengeln) Obdachlose auf der Zeil mit heißen Getränken, Keksen und Decken.

Die fünf Mädchen leben in der Hans-Böckler-Siedlung der Nassauischen Heimstätte (NH) in Offenbach. Sie haben lange dunkle Haare, die sie unter ihren dicken Anorak-Kapuzen offen tragen, und sind perfekt geschminkt. Etwas scheu sind Hanaste (14), Siham (15), Jasmin (13), Dina (16), Safade (13) und Marova (13), denn so ganz geheuer ist ihnen ihr Vorhaben nicht: Sie wollen Obdachlosen auf der Zeil helfen.

„Wir haben vor ein paar Monaten einen Obdachlosen unter der Brücke am Hafen in Offenbach kennengelernt. Wir haben mit ihm geredet und es hat Spaß gemacht, mit ihm zu sein“, flüstert Siham. Alwyn Saptel vom Sozialmanagement der Nassauischen Heimstätte und Streetworker Winny Mylius setzen sich dafür ein, dass sich die Kinder engagieren. „Es ist wichtig, dass man Berührung zu Leuten hat, die nichts haben. Nur so kann man Verständnis lernen“, sagt Saptel. Also kontaktierten sie Sabi Uskhi. Er kümmert sich seit 20 Jahren um Hilfsbedürftige und Obdachlose in Frankfurt und gründete vor vier Jahren den Verein „Street Angel“.

Der gebürtige Israeli hatte vor 20 Jahren ein Schlüsselerlebnis. „Ich saß in der Sonne und habe zu Mittag gegessen, da sah ich eine Person, die in einen Mülleimer griff, etwas herauszog und hineinbiss – ohne hinzusehen“, sagt Uskhi. Seitdem hilft der Personal Trainer. Aus seinem Transporter kommen Spenden: Milch, Zucker, Decken, Isomatten, handgestrickte Schals, Kekse, Tee- und Kaffeekannen, Becher und Einweghandschuhe.

„Seid nett zu den Leuten, lächelt sie an, fragt sie, ob und was sie haben möchten“, bereitet Uskhi die Mädchen vor. „Warme Worte sind das Wichtigste für diese Menschen. Oft erkennt man Bedürftige auf der Straße nicht sofort. Sie alle haben eine Ehre.“ Die Mädchen nicken und wirken nervös, als Uskhi den Wagen auf die Zeil schiebt.

Zwischen Bauernmarkt auf der Konstablerwache und Menschen mit großen Einkaufstüten kommt ein Mann mit großem olivfarbenem Rucksack. „Möchten Sie Tee oder Kaffee? Oder ein paar Kekse?“, fragt Dina schüchtern lächelnd. Der Mann nickt, nimmt den heißen Kaffeebecher in beide Hände, um sich aufzuwärmen, und lächelt.

Ein Mann, der ohne Beine auf der Zeil umherrutscht, wünscht sich eine Decke und Kekse. Jeden Tag sei er hier. „Was soll ich anderes tun?“, sagt er, und blickt an sich herunter. Den Einsatz der Straßenengel findet er gut. „Sie kümmern sich.“ Immer mehr Bedürftige kommen auf den Wagen zu, die Mädchen werden selbstsicherer, verteilen Beutel mit Keksen, heiße Getränke und Isomatten. Zwei sammeln Spenden für die „Street Angels“.

Für Sabi Uskhi ist Helfen Alltag. Er sammelt Sach- und Geldspenden, nur so funktionieren die „Street Angels“. „Alles ist Ehrenamt und das ist wichtig. Die Mädchen machen das gut. Man kann nicht früh genug damit anfangen, zu helfen“, sagt er, und unterhält sich mit einem Bettler, der beinlos im Rollstuhl sitzt. Auf seinem Schoß stapeln sich Plastiktüten. „Das ist alles, was ich habe.“ Er ist jeden Tag auf der Zeil, schläft in der B-Ebene der Hauptwache. „Wenn es so kalt ist wie heute, tut ein heißer Kaffee doppelt gut“, sagt er, nippt am Getränk und lässt sich noch eine blaue Decke geben.

Und wie fanden die Mädchen die Aktion? „Es ist ungewohnt, die Leute anzusprechen. Aber sie freuen sich, wenn man mit ihnen redet. Und sie freuen sich über eine heiße Tasse Tee oder Kaffee“, hat Marova erkannt. „Ich kann mir kaum vorstellen, wie sie die Kälte aushalten auf der Straße.“ Es ist minus ein Grad, ein kalter Wind pfeift durch die Fußgängerzone. Sie sagt: „Ich bin froh, dass ich ein Bett habe.“

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